Erfolg der NATO-Mission in Frage
"Das Problem wird nicht ohne Kampf gelöst"

Frieden auf dem Papier, Krieg auf dem Schlachtfeld - so formulierte es der mazedonische Regierungssprecher Antonio Milososki nach der Einigung über ein Friedensabkommen mit den albanischen Rebellen am vergangenen Mittwoch. Die Gefahr eines Bürgerkriegs ist weiterhin ungebrochen, und obwohl mit der Unterzeichnung des Friedensabkommens formell eine der Bedingungen für einen NATO-Einsatz geschaffen werden soll, steht in den Sternen, ob die Entwaffnung der albanischen Rebellen tatsächlich möglich ist.

ap SKOPJE. Ali Nimani schläft mit einer Maschinenpistole unter dem Bett - für den Fall, dass mazedonische Nationalisten ihre Drohung wahr machen und den Alten Basar stürmen, eine albanische Enklave im Zentrum der Hauptstadt Skopje. `Wenn sie kommen, dann gibt es ein Blutbad", sagt er.

In den vergangenen Wochen haben mazedonische Banden in Skopje mehrfach albanische Geschäfte und Restaurants verwüstet. "Wenn die Mut hätten, würden sie in die Hügel gehen und gegen unsere Jungs kämpfen", ruft ein aufgebrachter albanischer Passant vor einem zerstörten Laden im beliebten Einkaufsviertel Gjorce Petrov. "Wir schließen unsere Geschäfte jetzt, aber wir kommen wieder - im Frieden oder mit Waffen", sagt Cafe-Besitzer Bajram Latifi, der gerade die Scherben einer eingeschlagenen Fensterscheibe zusammenkehrt.

In Skopje ist die Feindschaft zwischen slawischen Mazedoniern und Albanern mittlerweile so erbittert, dass dort zwei nahezu völlig voneinander getrennte Gemeinden existieren. Daran wird auch das Friedensabkommen nichts ändern. Zudem sind beide Seiten schwer bewaffnet. Mazedonier können Waffen von der Armee erhalten, wenn sie sich einer Bürgerwehr anschließen. Bei den Albanern ist es Tradition, eigene Waffen im Haus zu haben.

"Das Problem wird nicht ohne Kampf gelöst werden", sagt der Mazedonier Branko Anteski. "Die Albaner spielen sich immer als Opfer auf, dabei sind sie bis an die Zähne bewaffnet und bereiten sich auf den Krieg vor." Schon ein Funke könnte zur Explosion des Hasses führen, und der Sturm auf den Alten Basar könnte so ein Funke sein. "Wir sind auf die Mazedonier vorbereitet", sagt dort ein Albaner. "Wenn sie Krieg wollen, dann bekommen sie ihn."

NATO-Mission zum Scheitern verurteilt?

Angesichts der von den Albanern empfundenen Bedrohung scheint die NATO-Mission zur Entwaffnung der Rebellen nahezu unmöglich. 3 500 Soldaten sollen frühestens ab der kommenden Woche mit der unter britischem Kommando stehenden Operation "Wesentliche Ernte" (Essential Harvest) beginnen. Die NATO hat zunächst 30 Tage für den Einsatz vorgesehen.

Die Rebellen haben aber angekündigt, mit der Niederlegung der Waffen erst zu beginnen, wenn das mazedonische Parlament das Friedensabkommen ratifiziert hat, was bis zu 45 Tage dauern kann. Außerdem müsse mit der Umsetzung der Initiativen begonnen werden, die der albanischen Minderheit mehr Rechte in der Polizei, bei der Gesetzgebung und im Erziehungswesen verschaffen soll.

"Es ist unrealistisch zu erwarten, dass die Rebellen ihre Waffen freiwillig abgeben werden", sagt Regierungssprecher Milososki. Die NATO müsse darüber nachdenken, ob sie Gewalt anwende, damit es keine Farce wie im Kosovo gebe. Es besteht also die Gefahr, dass die NATO auch in Mazedonien zwischen die Fronten gerät und in eine langwierige und kostspielige Operation verwickelt wird. Ein westlicher Diplomat in Skopje zweifelt gar an der Lernfähigkeit des Verteidigungsbündnisses: "Es sieht so aus, als ob die NATO ihre Lektionen aus Bosnien und dem Kosovo nicht gelernt hat."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%