Erfolg der Nischenanbieter
Ab in die Nische

Jedem sein T-Shirt, jedem sein Müsli - das Internet dreht die Wirtschaftsgeschichte auf den Kopf. Denn bisher sorgte jede große, neue Technologie dafür, dass die Massenproduktion günstiger wurde. Dadurch wurden Produkte erschwinglich, die sich zuvor nur die Begüterten leisten konnten. Nun sorgt das Web dafür, dass die Lebensstile nicht einheitlicher werden - sondern individueller.

DÜSSELDORF. Man könnte es für einen Witz halten, was Hubertus Bessau auf die Frage antwortete, warum er allein, ohne seine beiden Firmen-Mitgründer, zum Internet-Branchentreff Next07 angereist ist: "Die müssen Müsli abpacken."

Doch Bessaus Antwort war wörtlich zu nehmen. Seine beiden Mitstreiter Max Wittrock und Philipp Kraiss waren derweil in Passau damit beschäftigt, Haferflocken, Rosinen und Gojibeeren in immer neuen Kombinationen zu mischen und zu verpacken. "Wir sind vom Erfolg überrannt worden", sagt Bessau.

Mymuesli heißt das Unternehmen der drei Freunde, die gerade ihr Examen bestanden haben. Das Geschäftskonzept klingt wie Satire: Auf der Homepage können Müsli-Freunde aus 75 Zutaten, alle mit dem Etikett "Bio" versehen, ihr persönliches Müsli zusammenstellen. Theoretisch gib es 566 Billiarden Möglichkeiten.

Bei Spreadshirt dagegen gibt es unendlich viele Möglichkeiten, sein persönliches T-Shirt herstellen zu lassen: Das Leipziger Unternehmen bedruckt Textilien nach den Vorlagen seiner Kunden - hochladen im Netz reicht. Und wer glaubt, dass auch anderen die persönlichen Motive gefallen, der eröffnet seinen Internet-Shop mit Hilfe der Spreadshirt-Plattform - und die Leipziger kümmern sich um Druck, Versand und Abrechnung. Mit zehn Mill. Euro Umsatz und über 200 Mitarbeitern - wenn auch vielen Teilzeitkräften - ist das fünf Jahre alte Unternehmen einer der größten Arbeitgeber in Leipzig.

Jedem sein T-Shirt, jedem sein Müsli - das Internet dreht die Wirtschaftsgeschichte auf den Kopf. Denn bisher sorgte jede große, neue Technologie dafür, dass die Massenproduktion günstiger wurde. Dadurch wurden Produkte erschwinglich, die sich zuvor nur die Begüterten leisten konnten. Folge: Die Lebensstile glichen sich an.

So geschehen Anfang des 20. Jahrhunderts, als Henry Ford die Fließbandfertigung startete. Der Preis des Modell T sank von 850 auf 370 Dollar - der Volks-Wagen machte das Leben der Durchschnittsamerikaner so mobil wie das ihrer reichen Mitbürger. Oder die Dampfmaschine: Sie machte im 18. Jahrhundert die Textilproduktion günstiger, so dass breite Bevölkerungsschichten sich maschinell hergestellte Kleidung leisten konnten.

Nun aber sorgt das Web dafür, dass die Lebensstile nicht homogener werden - sondern individueller. Denn viele Kundenwünsche, die bisher unbefriedigt blieben, vielleicht sogar nicht bekannt waren, werden nun erfüllt.

"The long tail" nannte Chris Andrews, Chefredakteur des Technik-Magazins "Wired" dieses Phänomen im Jahr 2004. Aus einem Artikel wurde ein Buch und daraus ein geflügeltes Wort. Andrews erkannte: Klassische Geschäfte offerieren gerade die Menge Waren, die für sie wirtschaftlich zu lagern sind.

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