Erfolg in USA nur über Lewis-Fight
Hau den Lennox

Sie boxen, sie boxen nicht. Das Vorspiel zum Fight zwischen Lennox Lewis und Witali Klitschko ist halb Poker, halb Komödienstadl. Und auf einmal mischt Promoter Don King mit.

LOS ANGELES. Zuletzt spielte die Musik in der Schwergewichts-Klasse in Atlantic City. Aber nicht etwa, weil Chris Byrd in der Boardwalk Hall des Westentaschen-Las Vegas Oldie Evander Holyfield eine Lektion erteilt hatte. Der einstimmige Punktsieg des Amerikaners nach zwölf Runden und der Gewinn des IBF-Gürtels waren uninteressant. Schließlich stand dort der wahre Champ Lennox Lewis und neben ihm "der Pate" des Boxens mit der Starkstromfrisur. Don King redete wie immer viel und ließ dabei keine Gelegenheit aus, dem Briten zu schmeicheln. Lewis sei "der Kaiser dieses Sports", schrie der weltbekannte Promoter: "Er gibt den Ton an und nicht etwa die Klitschkos."

Willkommen in Amerika. Don King, der nach dem Bruch und dem Rechtsstreit mit Mike Tyson wieder mehr als nur einen Fuß in die Tür der Schwergewichtsszene bekommen möchte, zieht Trümpfe aus dem Ärmel. Und sorgt in seiner Umgebung für Verwirrung. Jener Lewis, der seine IBF-Schnalle freiwillig für eine Million Dollar und einen Geländewagen an King verkauft hatte, wollte vor dem Byrd-Holyfield Kampf zunächst nichts von der geplanten Titelverteidigung im März oder April gegen den älteren Klitschko-Bruder wissen. "Witali hat es nicht verdient, als Nächster gegen mich anzutreten", posaunte der WBC-Weltmeister. Wie bitte? Gedächtnisschwund? Schließlich wurden die Verträge laut beider Management-Parteien längst gemacht.

Am späten Abend lenkte Lewis dann in Atlantic City ein, "nie gesagt zu haben", dass er gegen Witali Klitschko nicht boxen will. Der Weltmeister: "Das ist alles ein Missverständnis. Wir verhandeln immer noch, denn das erste finanzielle Angebot war nicht in der von mir erwarteten Höhe." Doch nun sickerte durch, dass der New Yorker Madison Square Garden den 13. April für den Kampf Lewis kontra Witali Klitschko bereits geblockt habe. Es wird gefeilscht und gepokert. Und dies nicht zum Wohl der angeschlagenen Schwergewichts-Klasse. Dabei stehen die Image-Retter bereit; sie stammen aus der Ukraine, wohnen in Hamburg und wollen die USA erobern. Gestatten: Witali & Wladimir.

Ortswechsel. Gut 4 000 Kilometer westlich von Atlantic City. Siegfried & Roy haben es hier bereits geschafft. Ihre Bühne ist das Mirage-Hotel. Draußen wirbt ein Reklamewürfel für ihre Show und jedes Kind in den USA weiß, dass die beiden Magier weiße Tiger verschwinden lassen können. Wladimir & Witali haben bereits zu Zeiten der Sowjetunion von der Weltmetropole des Glitters and Glamours geträumt. Davon, eines Tages selbst eine starke Präsenz auf dem Strip in Las Vegas zu haben. Doch es ist eben nicht so einfach, die USA bei einem solchem Sportangebot mit einem Schlag zu erobern. Zuletzt verteidigte zwar Wladimir im Mandalay Bay Hotel erfolgreich seinen Weltmeistertitel der World Boxing Organisation (WBO), doch sein technischer K.O.-Sieg am Ende der zehnten Runde gegen den Amerikaner Jameel McCline brachte ihm keine neuen amerikanischen Freunde ein.

Während des Kampfes gab es Buhrufe, danach herbe Kritik. Das Las Vegas Revue-Journal titelte gar, dass der WM-Fight "Humbug" gewesen sei. Der jüngere Klitschko agierte wie ein Schachspieler, Gegner McCline boxte ängstlich. Die Experten erklärten: Mit solch taktischen Siegen können die Klitschkos ihren Traum im Action-Paradies USA nicht verwirklichen. Obwohl sie sonst beste Empfehlungen mitbringen: bärenstark, gut aussehend, mehrsprachig, promovierte Sportwissenschaftler. An Charisma mangelt es vor allem Wladimir nicht. "Er hat Charme, Intelligenz und Schönheit, das gab es seit Muhammad Ali nicht mehr", lobte Promoter Bob Arum, "aber er muss in den USA noch präsenter sein".

Bedeutet: Nach dem Training im Ring muss der Medien-Marathon folgen. Das angesehene Magazin "Sports Illustrated" widmete den Giganten aus der Ukraine unlängst eine vierseitige Reportage, was dem ersten Ritterschlag gleichkommt. Zudem saßen die beiden in der vergangenen Woche in der beliebten TV-Morgenshow "Regis & Kelly". Bevor sie aber in den Sesseln berühmter Late-Night-Talker wie David Letterman sitzen dürfen, müssen sie noch einige Türklinken putzen. So besuchten die Brüder die russische Gemeinde in Brighton Beach vor den Toren von New York, wo ihnen ein begeisterter Empfang bereitet wurde. Es gab Wodka, Kaviar und gute News. Denn der US-Kanal HBO bestätigte, mit Promotor Klaus-Peter Kohl einen Rechte-Vertrag über neun Fights mit Wladimir Klitschko unterzeichnet zu haben. Im Pay-TV-Geschäft winkt das große Geld.

Doch erst muss man den Lautsprecher Lennox Lewis aus dem Weg räumen. Der Brite hatte versprochen, "den einen Klitschko zum Frühstück und den anderen zum Mittagessen zu verspeisen". Worauf Witali locker konterte, dass Lewis bereits nach dem Frühstück "gegessen" sei.

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