Erfolg mit fremdem Eigentum
IT-Leasing liegt im Trend

Viele Macher in kleinen Unternehmen hätten nur Spaß an Dingen, die ihnen auch vollständig gehören, glaubt Jens Teichelmann, Direktor des Geschäftsbereichs Kundenfinanzierung bei IBM Global Financing. Und die wenigsten dächten darüber nach, dass "auch Eigenkapital Geld kostet".

HB DÜSSELDORF. Dabei sollten IBM und andere Anbieter gerade im Moment bei den Unternehmen offene Türen einrennen: Die Eigenkapitaldecke ist dünn, und die Kreditvergabe geht zurück. Nach einer Untersuchung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sank die Zusage von neuen Krediten bundesweit zwischen dem zweiten Quartal 2001 und dem ersten Quartal 2002 um durchschnittlich sieben Prozent.

Damit der Kundschaft nicht vollständig die Lust auf neue Hard- und Software vergeht, verkaufen IBM und andere große Hersteller nicht nur ihre Produkte und Serviceleistungen, sondern sie finanzieren das Ganze auch. IBM, mit einem Volumen von 42 Milliarden Dollar im Jahre 2001 Branchenprimus, bietet vor allem Leasingverträge für komplette IT-Projekte an. Das bedeutet, dass nicht nur die neuen PC und die passende Software Teil des Vertrages sind, sondern auch die Implementierung des gesamten Systems.

Dabei wolle man zwar auch den Absatz der eigenen Produkte vorantreiben, so IBM-Direktor Teichelmann, aber man finanziere auch IT-Vorhaben, bei denen kein einziges Stück IBM-Technik verwendet werde. "Die Risiken solcher Projekte müssen jedoch genauer betrachtet werden", so Teichelmann. Die Leasingdauer kann individuell gestaltet werden, wobei den Zeiträumen durch den Gesetzgeber relativ enge Grenzen gesetzt sind. Darüber hinaus orientieren sich viele Leasingnehmer natürlich an den gesetzlichen Abschreibungsfristen. Und auch der Leasinggeber nimmt Einfluss auf die Vertragsdauer und-gestaltung. Höhere Anzahlung oder kürzere Vertragsdauer verringern das Risiko des Leasinggebers, der ähnlich wie eine Bank vor dem Geschäft die Bonität des Kunden prüft.

Das heißt aber nicht, dass jeder Mittelständler, der kein Kapital mehr bekommt, auch keine Chance mehr auf einen Leasingvertrag hat. Jens Teichelmann: "Es kommen auch Kunden zu uns, die bei ihrer Bank die Kreditlinie bereits ausgeschöpft haben." Anstatt Geld zu verleihen, könnte natürlich auch die Bank das Leasing übernehmen. Nach Angaben von IBM wäre das für den Kunden allerdings die teurere Lösung. Schließlich könne das Kreditinstitut am Ende der Laufzeit mit dem gebrauchten Computer nichts anfangen, IBM dagegen vermarktet die Leasingrückläufer professionell und gibt diesen Vorteil teilweise an die Kunden weiter.

Was viele noch immer als Nachteil sehen, dass nämlich die genutzte Technik rechtlich im Besitz des Lieferanten bleibt, hat auch handfeste Vorteile. Wird die Computerlandschaft erneuert, dann muss man sich nicht darum kümmern, was mit der alten Technik passiert. Günstig ist auch, dass der Nutzer im Katastrophenfall nichts ersetzen muss, das ihm nicht gehört. Wem zum Beispiel bei der diesjährigen Flutkatastrophe die gesamte Hardware ruiniert wurde, bekommt sofort gleichwertigen Ersatz. "Somit liegt das Risiko voll bei uns, da wir Eigentümer der Assets sind", betont IBM-Mann Teichelmann. Es gibt zwar eine Reihe von Argumenten, die für das Leasen von IT sprechen, dennoch ist diese Art der Finanzierung nicht in jedem Fall auch der unbedingt beste Weg. Markus Huber-Graul, Senior Consultant bei der Metagroup, rät dazu, genau auf die Konditionen zu achten. Bei reinem Hardware-Leasing gelte als Faustregel, dass pro 1 000 Dollar Anschaffungspreis zum Beispiel bei einem Desktop-Rechner die Leasingrate 28 Dollar pro Monat nicht übersteigen sollte. Bei Laptops liegt dieser Wert bei 38 Dollar.

Bei den von den Big Playern wie IBM angebotenen Paketlösungen für größere Projekte ist nach Ansicht von Huber-Graul Vorsicht geboten: "In unternehmenskritischen Bereichen halten wir die Personalunion zwischen Projektmanagement und Finanzierer nicht für günstig." Dabei bestehe die Gefahr, dass der Kunde zu stark von einem Anbieter abhängig werde und zu viel bezahle. Auch ein Leasinggeber, der nicht gleichzeitig Lieferant ist, sollte allerdings auf IT spezialisiert sein, meint Huber-Graul, gerade weil das Management und Upgrading der Technik eine immer wichtigere Rolle spiele.

Ein Unternehmen, das sich auf das Finanzieren kleiner IT-Investitionen spezialisiert hat, ist Grenkeleasing. Ähnlich wie bei IBM ist auch hier die Wiederverwertung der Leasing-Rückläufer ein wichtiger Teil des Geschäfts. "Wir sind der Sixt des IT-Geschäfts", so Gründer und Chef Wolfgang Grenke. "Wir kaufen in großen Mengen, vermieten, refurnishen und verkaufen wieder zu sehr günstigen Konditionen." Auch sein Unternehmen versucht, vor Vertragsabschluss die Bonität des Kunden so weit wie möglich zu prüfen. Besichern wie eine Bank könnte man sich die Geschäfte allerdings nicht, so Wolfgang Grenke.

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