Erfolg und Misserfolg machen sich sofort im Portmonee des Eigners bemerkbar
Kurze Entscheidungswege sind der große Vorteil der Privaten

"Inhabergeführte Unternehmen haben ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, die nicht immer im Einklang mit den Auffassungen des Top-Managementes stehen". Das sagte Ex-Kamps-Chef Michael Kern in einem letzten Zeitungsinterview am Tag seiner Demission. Die Brüder Guido, Luca und Paolo Barilla, seit kurzem Inhaber der Düsseldorfer Kamps AG, hatten ihm Anfang Juni quasi über Nacht den Stuhl vor die Tür gestellt.

DÜSSELDORF. Und nicht nur Kern war in das Visier der italienischen Nudelhersteller geraten: Barilla hatte binnen weniger Monate fast die komplette Kamps-Führung ausgewechselt und inzwischen einen weitgehend unbekannten Griechen, Nicos Sophocleous, an die Spitze von Europas größten Brot- und Backwarenkonzern gestellt. Zur vollkommenen Verblüffung von Branche und Öffentlichkeit, zumal die Sanierung von Kamps bisher offenbar planmäßig verlaufen war und der Konzern bis 2005 wieder schwarze Zahlen schreiben sollte. Durch die Akquisition von Kamps ist Barilla mit einem Umsatz von rund 4,4 Mrd. Euro auch erstmals unter den 50 größten privaten Unternehmen Europas vertreten.

Solche einsame Entscheidungen wie der komplette Austausch einer Führungsriege, sind durchaus typisch für Privatunternehmen, zumal sich die Inhaber auch nicht für ihr scheinbar irrationales Handeln gegenüber Analysten, Aktieninhabern oder Aktionärsschützern unmittelbar rechtfertigen müssen.

In der Eignerstruktur sieht der Stuttgarter Wirtschaftsprofessor Brun-Hagen Hennerkes, der seit über 30 Jahren Familienunternehmen in konzeptionelle Fragen berät, aber den großen Vorteil der privaten Unternehmen. "Die starke Stellung des Unternehmers bringt es mit sich, dass die Entscheidungswege kürzer sind als in Konzernen. Da die Konsequenzen betrieblicher Maßnahmen letztlich wirtschaftlich vom Unternehmer zu tragen sind, hat er naturgemäß das letzte Wort, wenn es um unternehmerische Weichenstellungen geht", beschreibt Hennerkes die generellen Stärken eines Familienunternehmens.

Börsengang als Teufelswerk

In Europa gibt es einige beispielhafte private Unternehmen, die es über Generationen hinweg verstanden haben, sich den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen. Unter ihnen befindet sich auch der Bielefelder Oetker-Konzern, der nicht nur im traditionellen Nahrungsmittel-Sektor tätig ist, sondern auch mit Brauereien (Radeberger), Sektkellereien (Henkell & Söhnlein), Luxushotels (Brenner?s Parkhotel) und Reedereien (Hamburg Süd) sein Geld verdient. Ein typisches Firmenkonglomerat, das unter Analysten sicher keine Freunde finden würde. Doch so wird in Ostwestfalen schon seit Jahrzehnten bei maximaler Risikostreuung eine optimale Ergebnissicherung betrieben und ein Börsengang als Teufelswerk betrachtet.

Oetker hat inzwischen eine Unternehmensverfassung, die dafür sorgen soll, dass der Erfolg den Bielefeldern noch lange treu bleiben möge. Das Regelwerk zwingt die Mitglieder der vielköpfigen Oetker-Familie zu einer sparsamen Entnahmepolitik. Über die Höhe der Gewinne macht Oetker sowieso keine Angaben. Doch wenn die Geschäfte "zufrieden stellend" gelaufen sind - das weiß man inzwischen - hat die angesprochene Sparte das firmeninterne Ziel von zwölf Prozent Return-on-Investment (RoI) erreicht.

Protestantische Arbeitsethik

Firmenchef August Oetker selbst sorgt dafür, dass in seinem Unternehmen weiterhin die protestantische Arbeitsethik hoch gehalten wird. Auf die Feier seines 60. Geburtstages im März angesprochen, reagiert der Konzernchef empfindlich: "Begangen" habe er seinen Ehrentag - und zwar an seinem Schreibtisch in der Bielefelder Konzernzentrale, betont Oetker.

In dieser Gleichzeitigkeit von Familie und Unternehmen liegt der eigentliche Schlüssel zum Erfolg der privaten Unternehmen. "Wenn es den Familienbetrieben gelingt, das beste aus beiden Welten miteinander zu kombinieren, dann sind sie unschlagbar", behauptet Fritz B. Simon, Professor am Institut für Familienunternehmen der Universität Witten/Herdecke.

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