Erfolg von Linux zwingt Software-Riesen zu überraschender Reaktion
Microsoft will Quellcode teilweise offenlegen

Das Konzept einer "offenen Software" gewinnt mit dem Erfolg des Linux-Betriebssystems immer mehr an Bedeutung. Nun kontert Microsoft und will Partnern den hauseigenen Quellcode teilweise offenlegen.

PALO ALTO. Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft will den Quellcode seiner künftigen Betriebssysteme Softwarepartnern teilweise zugänglich machen. Das Unternehmen reagiert damit auf den zunehmenden Erfolg offener Softwarekonzepte wie etwa des Betriebssystems Linux ("open source" = Offener Quellcode). Dieser Schritt bedeutet eine radikale Abkehr von der bisherigen Microsoft-Politik. Bislang war der Microsoft-Quellcode - sozusagen der detaillierte Bauplan einer Software - der streng gehütete Gral des Unternehmens, gewissermaßen das Grundkapital von Microsoft.

Wie der für Entwickler zuständige Pressereferent von Microsoft Deutschland bestätigte, hat Microsoft eine neue Strategie namens "shared source" (gemeinsam genutzter Quellcode) entwickelt. Interessierte Kunden können dabei auf Basis von Einzelverträgen Einblick in das Innenleben der Systemsoftware erlangen. Bislang mussten Entwickler sich mit standardisierten Schnittstellen zufrieden geben. Das hat vor allem im Lager der industriellen Großkunden für Verstimmung gesorgt, die eigene, komplexe Unternehmensanwendungen auf Microsoft-Basis erstellen wollten. Bei Linux - das mittlerweile insbesondere von Microsofts Rivalen IBM tatkräftig unterstützt wird - haben die Entwickler dagegen freien Einblick in den Quellcode.

Engere Anbindung der Großkunden

Mit der engeren Anbindung der Großkunden begegnet Microsoft der Herausforderung, die Linux gerade im Zukunftsgeschäft der Internet-Serveranwendungen im E-Business für den Weltmarktführer darstellt.

Die entsprechenden strategischen Gedanken des "shared-source-Konzepts" hat einer der führenden Köpfe von Microsoft, Senior Vice President Craig Mundie, gestern vor Studenten der Stern School of Business der University of New York vorgetragen. Mundie greift damit Gedanken auf, die sein Kollege Jim Allchin im Februar dieses Jahres erstmals öffentlich geäußert hatte.

Grundsätzliche Bedenken gegen völlig offene Quellcode-Konzepte

Microsoft macht gleichzeitig weiter grundsätzliche Bedenken gegen völlig offene Quellcode-Konzepte geltend. Diese basieren auf dem bereits 1984 entstandenen Lizenzmodell für offene Quellcodes: "General Public License (GPL)". GPL sei wenig hilfreich für die Entwicklung von Softwarepaketen, die in Unternehmen eingesetzt werden sollen, argumentiert der Software-Konzern. Nach den GPL-Regeln wird der gesamte Quellcode eines Programms oder eines Betriebsystems zur freien Nutzung offen gelegt. Die Nutzer müssen sich jedoch verpflichten, die von ihnen vorgenommenen Änderungen oder Entwicklungen wiederum dem offenen Softwarepool zur Verfügung zu stellen.

Nach Ansicht von Microsoft verhindert diese völlige Öffnung die Entwicklung von guter Anwendungssoftware: "Wer will schon gerne seine internen Entwicklungen ständig einer Programmierergemeinde offen legen?", sagte ein Unternehmenssprecher. Die Microsoft-Gegner argumentieren dagegen, dass gerade eine strenge herstellergebundene Politik innovationsfeindlich sei.

Branchenexperten sehen in der Ankündigung von Microsoft einen geschickten Schachzug, mit dem eine ganze Reihe von Problemen gelöst werden kann. Forderungen aus dem laufenden Kartellverfahren nach einer Öffnung der Software werde ebenso entsprochen, wie Microsoft auf die Wünsche von Kunden und Partnern eingehe.

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