Erfolge bei der Behandlung von Osteoporose
Medikamente stärken geschwächte Knochen

Pharmakonzerne haben Wirkstoffe entwickelt, mit denen Osteoporose nicht nur gestoppt, sondern geschwächte Knochen sogar wieder gestärkt werden können. Während sich Medikamente zur Vorbeugung des Knochenschwundes bereits bewährt haben, müssen die neueren Wirkstoffe jedoch erst noch in Langzeitstudien getestet werden.

DÜSSELDORF. Knochenschwund ist nicht mehr zwingend eine Begleiterscheinung des Alters. Das haben aktuelle Patienten-Studien mit neu entwickelten Medikamenten gegen die so genannte Osteoporose gezeigt. Jean-Yves Reginster, Epidemiologe und Osteoporose-Experte an der Universität Liège, schätzt: "Durch eine frühzeitige Behandlung könnten etwa sechzig bis siebzig Prozent der Wirbelkörperfrakturen und die Hälfte aller Schenkelhalsbrüche in Europa verhindert werden."

Osteoporose entsteht durch ein Ungleichgewicht zwischen Knochenauf- und-abbau. Während der Knochen normalerweise kontinuierlich seine typischen Bälkchenstrukturen errichtet und diese von so genannten Knochenfresszellen in gleichem Umfang wieder abgetragen werden, ändert sich dieses Gleichgewicht insbesondere bei Frauen nach der Menopause dramatisch. Durch Hormonmangel überwiegt die Aktivität der Knochenfresszellen, wodurch in dem dreidimensionalen Netzwerk des Knochens die tragenden Verbindungen reduziert werden. Als Folge davon kann der Knochen leichter brechen - betroffen sind vor allem die Wirbelsäule, der Schenkelhals und die Speiche.

Ärzte versuchen seit Jahren den Knochenschwund zu behandeln. Als Mittel der Wahl gelten Bisphosphonate - chemisch betrachtet ein Waschpulver-Abkömmling -, die über die Blutbahn in den Knochen gelangen. Dort binden die Substanzen ganz selektiv an die Mineralien, aus denen der Knochen besteht. Wenn nun die Knochenfresszellen bei Osteoporose vermehrt Knochen abbauen, "schlucken" sie die Bisphosphonate automatisch mit. Das hemmt ihre Aktivität und senkt das Knochenbruchrisiko um bis zu 60%.

War die Einnahme der Bisphosphonate für einige ältere Patienten bislang unangenehm-der Wirkstoff muss täglich und manchmal sogar auf nüchternen Magen geschluckt werden-, wurde das durch eine neue Darreichungsform des Bisphosphonats jetzt verbessert. Das Medikament der Firma Merck Sharp & Dohme GmbH, Haar, muss nur noch einmal pro Woche geschluckt werden, wodurch weniger Nebenwirkungen auftreten.

Aktuelle Forschungen des Baseler Pharmakonzerns Novartis zeigen sogar, dass ein anderes Bisphosphonat sogar nur einmal jährlich gespritzt werden muss. Dadurch soll das Risiko von Knochenbrüchen ebenfalls sinken. Ob dieser Effekt des noch nicht zugelassenen Präparats über mehrere Jahre anhält, müssen jedoch erst die kürzlich begonnenen Langzeitstudien zeigen.

Trotz der guten Resultate haben Bisphosphonate ihre Grenzen: "Sie schützen den Knochen lediglich vor weiterem Substanzverlust", erklärt der Osteoporose-Experte René Rizzoli vom World Collaborating Center for Osteoporosis and Bone Diseases am Universitätsspital Genf. Der einmal verlorene Knochen bildet sich trotz dieser Medikamente nicht wieder neu. Das gelingt allerdings mit dem Wirkstoff Parathormon, einem Produkt der Nebenschilddrüsen, das im Körper zu einer vermehrten Bildung der knochenaufbauenden Zellen führt. Eine synthetische Variante des Parathormons wird bereits seit einigen Jahren in großen klinischen Studien getestet.

Das Medikament, das einmal täglich unter die Haut gespritzt werden muss, führt neben einer Zunahme der Knochenmasse auch zu einer Verbesserung der dreidimensionalen Bälkchenstruktur im Knochen. Dadurch wird dieser stabiler und bricht weniger. Bislang können Patienten das Parathormon allerdings nur im Rahmen von klinischen Studien erhalten. Mit einer Zulassung wird nach Auskunft des Herstellers Eli Lilly and Company gegen Ende des nächsten Jahres gerechnet.

Ein weiteres Problem in der Osteoporose-Behandlung konnten Forscher jetzt lösen: Es gab bislang kein Medikament, das gleichermaßen auf den Knochenaufbau und den-abbau wirkte. Erst kürzlich hat das französische Pharmaunternehmen Servier in Neuilly sur Seine ein Salz des Elements Strontium entwickelt, das nicht nur die Aktivität der Knochenfresszellen hemmt, sondern zusätzlich die Bildung von knochenaufbauenden Zellen stimuliert. "Wenn ältere Patienten das Strontiumsalz über drei Jahre hinweg einnehmen, vermindert sich ihr Risiko für Wirbelkörperfrakturen um vierzig Prozent", fasst Rizzoli erste Studienergebnisse zusammen. "Damit haben wir ein Medikament, das vor allem alten Menschen hilft, bei denen andere Therapien versagen." Allein den Betroffenen nützt das im Moment wenig. Weil noch Daten aus Langzeitstudien fehlen, rechnet der Osteoporose-Spezialist nicht vor 2005 mit einer Zulassung des viel versprechenden Strontiumsalzes.

Quelle: Handelsblatt

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