Erfolge beim Management fauler Kredite in externen Gesellschaften: „Bad Banks“ bewähren sich in schweren Zeiten

Erfolge beim Management fauler Kredite in externen Gesellschaften
„Bad Banks“ bewähren sich in schweren Zeiten

Vertreter von Regierung und Finanzwirtschaft haben die Gründung eines Spezialkreditinstituts für faule Kredite diskutiert und offenbar vorerst verworfen. Dabei haben sich solche so genannten Bad Banks in Deutschland wie auch im Ausland bei der Sanierung angeschlagener Banken durchaus bewährt.

FRANKFURT/M. Wohin mit den faulen Teilen einer Bank? Abschneiden, wie bei einem Apfel - damit der Rest nicht mitfault! So ähnlich funktioniert jedenfalls das Prinzip einer Bad Bank.

Ein solches Institut könnte problematische Kreditengagements oder Beteiligungen von angeschlagenen Banken übernehmen, um die Institute zu entlasten. Die Idee zur Gründung einer solchen Kreditwerkstatt haben Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bundesfinanzminister Hans Eichel und führende Vertretern der deutschen Kreditwirtschaft in ihrem Gespräch über die Lage der Branche am Sonntagabend zwar angeschnitten - aber wohl auch wieder verworfen.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement sagte gestern in Berlin: "Das Thema Bad Bank habe ich ganz bestimmt nicht aufgebracht." Viele Finanzexperten halten die Überlegungen offenbar nicht für zielführend, auch wenn sich Spezialinstitute zur Abwicklung schwieriger Kreditportfolios bei den deutschen Kreditgenossen wie auch im Ausland bereits bewährt haben.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Institute werden von der Last schwieriger Beteiligungen oder Kreditengagements befreit. Das bisher gebundene Eigenkapital wird frei und kann für andere Geschäftszwecke genutzt werden. Die Abwicklung und Verwertung der Portfolios erfolgt professioneller und effizienter. Daneben spielt natürlich auch die Optik eine Rolle: Werden die Problemfälle in einer eigenen Einheit separiert, sieht der Rest automatisch besser aus.

Die BAG Hamm, eine hundertprozentige Tochter des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), wickelt für die rund 1 400 Genossenschaftsbanken bereits seit Anfang der 80er-Jahre Problemkredite oder schwierige Fondsengagements ab. "Wenn es schwierig wird, ist solch eine Einheit segensreich und unverzichtbar", betont BVR-Präsident Christopher Pleister die Bedeutung dieser Spezialeinrichtung, die von einer maroden Genossenschaftsbank zu einem Kompetenzzentrum wurde. Das verwaltete Volumen der BAG Hamm liegt laut Pleister im Milliardenbereich. Derzeit sind etwa 200 Mitarbeiter mit der Abwicklung der Objekte beschäftigt. Ende 2001 verfügte die BAG über eine Bilanzsumme von 4,3 Mrd. DM.

Das Beispiel aus Hamm ist in der deutschen Kreditwirtschaft bislang einzigartig. Weder die Großbanken noch die Sparkassen haben eine ähnliche Gesellschaft, auch wenn die Dresdner Bank ihre Problemkredite in eine eigene Unternehmenseinheit auslagert, die rechtlich allerdings nicht selbstständig ist.

In wenigen Wochen wird die so genannte Institutional Restructuring Unit (IRU) der Dresdner ihre Tätigkeit aufnehmen. Die Aufgabe ist gewaltig: Die rund 250 Mitarbeiter müssen ein Portfolio von rund 30 Mrd. abwickeln. Hierbei handelt es sich um nicht mehr gewollte oder gefährdete Kreditengagements aus dem In- und Ausland. Die Abwicklung der noch zu rettenden Engagements kann sowohl über eine Verbriefung am Kapitalmarkt, eine Sanierung des betroffenen Kreditkunden oder die Umwandlung der Kredite in außerbörsliche Beteiligungen (Private Equity) erfolgen.

Die IRU ist Teil des im September ausgelegten Restrukturierungsprogramms, das die Dresdner Bank in diesem Jahr wieder profitabel machen soll (siehe Artikel auf dieser Seite). Die schwierige Aufgabe obliegt Jan Kvarnström. Der Schwede, seit Dezember im Vorstand der Dresdner Bank, verfügt über reichlich Erfahrung auf diesem Gebiet. Während der schwedischen Bankenkrise in den 90er-Jahren wickelte er für die Nordbanken ein Portfolio an Problemkrediten von rund 6 Mrd. ab - und half damit, die Krise zu beheben. Hoffnung auf eine schnelle Lösung bei der Dresdner gibt es aber nicht: "Einige Jahre werden wir auf jeden Fall benötigen", sagt Kvarnström.

Auch aus Frankreich gibt es positive Erfahrungen damit, eine Bank durch die Auslagerung der kranken Teile zu stärken. Der bereits zweite Sanierungsplan zur Rettung des maroden Crédit Lyonnais (CL) aus dem Jahr 1995 sah vor, mehrere staatlich kontrollierte und garantierte Holdinggesellschaften zu schaffen. Zentrales Element dabei war eine Holding, Consortium de Realisation SA (CDR) genannt. In diese Holding verlagerte das Management zweifelhafte CL-Aktiva von rund 135 Mrd. Franc (damals 40,5 Mrd. DM). Die CDR sollte die übertragenen Tochterunternehmen und-beteiligungen des Crédit Lyonnais verkaufen. Finanziert wird das CDR durch eine staatliche Einrichtung, das Etablissement Public Banque Industrie (EPBI).

In den USA konnte mit der Mellon Bank ebenfalls ein wankendes Institut durch die Gründung einer Bad Bank gerettet werden. Ende der 80er-Jahre wurden notleidende Kredite im Buchwert von 1 Mrd. Dollar ausgelagert, heißt es im Buch "Dangerous Markets" (siehe Rezension unten). Ohne diese Maßnahme hätte die Mellon Bank nicht gerettet werden können, sind sich die Autoren sicher.

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