Erfolge der Einsparmaßnahmen
Lufthansa kann ihren Höhenflug nicht halten

Die Deutsche Lufthansa hat ihre Ergebnisprognose für 2002 erhöht, zugleich aber einen operativen Verlust für das vierte Quartal angekündigt.

Reuters FRANKFURT. Die Fluggesellschaft rechne im Gesamtjahr nunmehr mit einem operativen Gewinn von 700 bis 750 Millionen Euro, nachdem der Konzern in den ersten neun Monaten bereits 790 Millionen Euro verdient hatte. Schon seit September sei eine Verschlechterung der Geschäfte zu spüren, weshalb im vierten Quartal mit einem negativen Ergebnis gerechnet werden müsse, hieß es.

Mit dem neuen Ergebnisziel erhöht die Lufthansa in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal ihre Geschäftsprognose, die zunächst bei 400 Millionen Euro und dann bei "mindestens" 500 Millionen Euro gelegen hatte. Nach Steuern will das Unternehmen im Gesamtjahr 600 bis 650 Millionen Euro verdienen nach einem im Vorjahr angefallenen Fehlbetrag von 633 Millionen Euro.

Lufthansa-Chef Jürgen Weber verwies auf die Erfolge der Einsparmaßnahmen, die sein Konzern zur Bewältigung der Luftfahrt-Krise nach den Anschlägen vom 11. September eingeleitet habe. Zugleich warnte er aber vor überzogenen Tarifforderungen der Gewerkschaften und vor einer übermäßigen Abgabenpolitik der neuen Bundesregierung.

Börse im Wechsel der Gefühle

Mit dem operativen Neunmonatsgewinn von 790 Millionen Euro übertraf die Lufthansa sowohl den Vorjahreswert von 290 Millionen Euro als auch die Analystenprognosen von 611 Millionen Euro deutlich. Auch erfüllte die Fluglinie mit einem Nachsteuergewinn von 344 Millionen Euro ihre Vorhersage, den Nettoverlust des ersten Halbjahres von 27 Millionen Euro im dritten Quartal mehr als wett zu machen.

Der Konzernumsatz belief sich von Januar bis September auf 12,6 Milliarden Euro und lag damit um 2,7 Prozent über dem Vorjahreswert, aber leicht unter der Analystenschätzungen von 12,76 Milliarden Euro. Zugleich reduzierte die Lufthansa in den ersten neun Monaten ihre Nettokreditverschuldung um mehr als 44 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro bei einer Zunahme des operativen Cash-Flow um mehr als die Hälfte auf 1,9 Milliarden Euro.

Das Wechselspiel von "gute Nachricht - schlechte Nachricht" schickte den Aktienkurs der Deutschen Lufthansa auf Berg- und Talfahrt. Nach der Verkündung des unerwartet hohen Neunmonatsgewinns klettert das Papier vorübergehend um mehr als fünf Prozent, stürzte dann jedoch infolge des schwachen Ausblicks für das vierte Quartal um 2,5 Prozent ab, um sich schließlich bei einem Minus von knapp zwei Prozent einzupendeln.

Weiter konjunkturelle Unsicherheiten

Sowohl Konzernchef Weber als auch Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley warnten vor übertriebener Euphorie nach den kräftigen Ergebniszuwächsen im dritten Quartal. Die Lufthansa sei zwar vor einer "existenziellen Krise" bewahrt worden, sehe sich aber weiter konjunkturellen Unsicherheiten und politischen Risiken wie einem möglichen Irak-Krieg ausgesetzt. Daher sei wieder "erhöhte Wachsamkeit und Zurückhaltung" angesagt, betonte Weber.

Finanzchef Kley zufolge spürt die Lufthansa eine sich zusehends abschwächende Nachfrage bei den lukrativen Firmenkunden. Auch belaste das neue Tarifkonzept mit seinen Billigangeboten die Durchschnittserlöse pro Passagier. Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht des weiter schwierigen Wirtschaftsumfeldes könne die Lufthansa beim Passagierverkehr ihre jüngsten Ergebniszuwächse nicht halten, sagte Kley.

Weber trat zugleich dem Verdacht entgegen, der Vorstand gebe auch wegen den laufenden Tarifverhandlungen für das Boden- und Kabinenpersonals eine betont negative Prognose ab. Konjunktur und Wettbewerb machten der Lufthansa weiter das Leben schwer, eine absichtliche Schwarzmalerei wegen der Tarifrunde sei nicht seine Art. Zugleich wies er aber die Gewerkschaftsforderung nach einer Lohnerhöhung von neun Prozent erneut zurück.

Euphorische Reaktion auf EuGH-Urteil

Weber deutete auch an, dass die Lufthansa ihrem finanziell angeschlagenen US-Partner United Airlines unter die Arme greifen könnte. Die Lufthansa beobachte die Situation genau, mögliche Hilfen wie Zahlungen oder "andere materielle Güter" seien aber nur bei ausreichender Risikoabsicherung denkbar. Lufthansa und United fliegen gemeinsam im Luftfahrtbündnis "Star Alliance". Die US-Gesellschaft, von der bei den Anschlägen am 11. September zwei der insgesamt vier entführt Maschinen stammten, steckt in einer schweren Finanzkrise.

Geradezu euphorisch reagierte Weber - einem erklärten Feind regulatorischer und bürokratischer Hürden - auf den jüngsten Beschluss des Europäischen Gerichtshofes, die bilateralen Luftverkehrsabkommen einiger EU-Staaten mit den USA für unzulässig zu erklären. "Das freut mich so riesig groß, dass ich Ihnen nachher gerne ein Glas Sekt darauf ausgebe", sagte er. Auf Grund der Abkommen ist es der Lufthansa erheblich erschwert, zum Beispiel Verbindungen von London in die USA anzubieten.

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