Erfolge für den neuen Polo im Reich der Mitte – BMW muss auf die Lizenz zur Produktion warten
Konkurrenten setzen Volkswagen in China unter Druck

Der Wolfsburger VW-Konzern muss um die Vormachtstellung auf Chinas Automarkt fürchten. Auch die anderen Hersteller - besonders aus Deutschland - entdecken die Bedeutung des riesigen Landes.

PEKING. Volkswagen verteidigt in China erbittert seine Marktführerschaft von knapp 50 % gegen eine erstarkte Konkurrenz. Die ersten fünf Monate des Jahres "waren eine sehr große Herausforderung", sagte Bernd Leißner, Präsident des VW-Konzerns für die Region Asien-Pazifik, am Mittwoch auf der Pekinger Messe "Auto China 2002". China ist für das deutsche Unternehmen der Schlüsselmarkt in Asien.

VW konnte von Januar bis Mai in China 186 000 Autos verkaufen, ein Plus von 16,5 %. Das war eine leicht geringere Zunahme als der Gesamtmarkt, der im ersten Quartal 23 % zulegte. Doch nach einem zögerlichen Start 2002, bei dem vor allem der in Schanghai produzierte Santana leichte Einbußen hinnehmen musste, scheinen die Wolfsburger wieder auf Kurs zu sein.

Er sei "sehr optimistisch", sagte Leißner, in diesem Jahr im Reich der Mitte mehr als 400 000 Autos zu verkaufen. Das wäre eine Steigerung um 21 %. Wächst der Gesamtmarkt weiter so schnell wie in den ersten Monaten, würden dieses Jahr 860 000 Pkw verkauft. Den Polo, im April eingeführt, hat das deutsche Unternehmen bereits 5 500 Mal verkauft. Aufträge für 10 000 weitere Fahrzeuge liegen vor. "Die Produktion kommt nicht nach", erläutert Zhang Suixin, der General Manager von VW in China. Leißner klagte jedoch über die vergleichsweise hohen Produktionskosten in China.

Analysten sind gespannt, ob die Dynamik beim Polo anhält, denn die größten Zuwächse in Chinas Pkw-Markt - mit 73 % im ersten Quartal - erzielten Billigautos für weniger als 100 000 Yuan (14 000 Euro). In diesem Segment hat VW nichts entgegen zu setzen. Die Polo-Basisversion kostet 127 000 Yuan.

VW will in China Vertrieb und Service ausbauen, um den Abstand zur Konkurrenz zu sichern. Bis Ende des Jahres soll es 550 Händler geben, die verkaufen, reparieren und Ersatzteile anbieten. Zudem sollen zwei neue Gesellschaften gegründet werden, eine für die Betreuung der Kunden und eine für Importe.

Auch die VW-Tochter Audi, die die Eigenständigkeit ihrer Marke auch in China stets betont, hat sich für 2002 hohe Ziele gesteckt. Mehr als 11 500 Audi-Modelle wurden in China von Januar bis Mai verkauft. Das ist ein Zuwachs von knapp 3 %. Audi-Direktor Kevin McCann sagte, das eigene Produktionsziel in China - Audi stellt den A6 lokal her - sei gerade um 10 % auf 31 000 nach oben korrigiert worden. Die Importe sollen um "mindestens 100 %" auf 2 000 gesteigert werden. "Nach einem langsamen Start sind wir sehr zuversichtlich", sagte McCann.

Die Konkurrenz aus München hat im Reich der Mitte zu Jahresbeginn kräftig zugelegt. BMW verzeichnete mit knapp 5 800 Fahrzeugen ein Plus von 32 %. BMW muss weiterhin auf grünes Licht der Behörden für eine gemeinsame Produktion mit dem Minisbushersteller Brilliance für die 3er- und 5er-Baureihe warten. Schlimmer noch als das Geduldsspiel: Der Wunschpartner Brilliance wird von einer handfesten Krise geschüttelt. Lokale Medien berichten seit Tagen, die Ostküstenprovinz Liaoning wolle die Kontrolle von Brilliance an sich reißen. Der Mehrheitsaktionär, Chinas drittreichster Mann Yang Rong - ein ehemaliger Angestellter der Notenbank - wird verdächtigt, Anlagevermögen illegal verbucht oder verwendet zu haben.

Daimler-Chrysler will das in Bedrängnis geratene Joint Venture Beijing Jeep mit neuen Modellen aus der Misere führen. Am Vorabend der Auto China gaben Beijing Jeep (Daimler-Chrylser hält 42,4 % der Anteile) und Mitsubishi Motors - daran hält DaimlerChrysler 37 % - bekannt, dass das Joint Venture im ersten Quartal 2003 mit der Produktion des Geländewagens Pajero Sport beginnen will. Im ersten vollen Kalenderjahr von 2004 an sollen davon 10 000 Fahrzeuge hergestellt werden.

Nach jüngsten Restrukturierungsmaßnahmen hat Beijing Jeep seine Kapazität von ehemals 80 000 Einheiten auf 20 000 verringert. Im September soll auch der Minivan Chrysler Voyager in China eingeführt werden. Daimler-Chrysler hatte erst vor wenigen Tagen sein Beijing-Jeep-Joint-Venture mit der Beijing Automotive Industry Group (BAIC) um 30 Jahre bis 2033 verlängert. BAIC-Chef An Qingheng wird Mitte Juni in die USA fliegen, um mit Daimler-Chrysler zu verhandeln, welche anderen Modelle in den kommenden Jahren nach China eingeführt werden.

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