Erfolge im Kerngeschäft Service
Salamander drückt der Schuh

Der Dienstleistungs- und Schuhkonzern Salamander will mit seiner kränkelnden Schuhsparte 2003 wieder schwarze Zahlen schreiben und schließt einen Verkauf des Traditionsbereichs nicht aus.

dpa KORNWESTHEIM. Das Unternehmen sei für die Beteiligung von Partnern offen, die auch die Mehrheit halten könnten, bestätigte Vorstandschef Wolfgang E. Müller am Montag zur Bilanzvorlage in Kornwestheim. Er rechne damit aber erst nach Abschluss der Sanierung.

Salamander konnte das Betriebsergebnis im Konzern 2001 um 11,5 % auf 52,5 Mill. Euro steigern, mit Schuhen wurde jedoch ein Verlust in Höhe von 18,8 Mill. Euro gemacht. Der Umsatz der Tochter des Energiekonzerns Energie Baden-Württemberg (EnBW) stieg unter anderem durch Übernahmen auf 1,29 Mrd. Euro. Für 2002 werden wieder zweistellige Zuwachsraten erwartet.

Müller beschwor erneut die Verlagerung des Konzernschwerpunktes vom Schuh zum Service: "Salamander ist inzwischen ein sehr erfolgreiches Dienstleistungsunternehmen mit angeschlossenen Geschäftsfeldern Schuhe und Industrie". Die Sparte Service erwirtschafte 60 % vom Umsatz und 80 % des Ergebnisses. Mehr als die Hälfte der 20 000 Beschäftigten arbeiten für den Gebäudedienstleister GegenbauerBosse, den Salamander im Herbst übernommen hatte. Salamander putzt Großraumbüros, kassiert Parkgebühren und bewacht Atomkraftwerke. Die Tochter APCOA Parking bewirtschaftet 550 000 Parkplätze in Europa.

Dennoch müsse das Schuhgeschäft wieder profitabel werden, betonte Müller. Quersubventionierungen würden auf Dauer nicht geduldet. In der Schuhproduktion in Ungarn seien wegen Kapazitätsanpassungen rund 200 Stellen gestrichen worden, bei der neu aufgebauten Marke Yellomiles, dem Nachfolger von Camel Boots, verlieren 40 von 70 Mitarbeitern ihren Job. Die 900 Partnergeschäfte mit Alleinverkauf können Ladenhüter künftig zurückgeben, bei den eigenen Filialen will sich die Salamander AG notfalls von Verlustbringern trennen. Wenn die Lizenzmarke Betty Barclay die Absatzziele nicht erreiche, stehe der Standort in Vinningen (Pfalz) zur Disposition.

Der Geschäftsbereich Schuhe werde in diesem Jahr noch Verluste in einstelliger Millionenhöhe einfahren, für 2003 sei ein Gewinn in ähnlicher Größenordnung angepeilt, sagte Müller. Es mache keinen Sinn, die Konzernmarken (Salamander, Lurchi, Sioux, Apollo, Yellomiles) einzeln verkaufen zu wollen. Stattdessen solle möglichst nach erfolgreicher Sanierung ein europaweit aktiver Interessent gefunden werden, der die unternehmerische Führung der Sparte und dann auch die Mehrheit übernimmt. Offen sei derzeit noch, ob die wertvolle Gesamtmarke Salamander künftig auf den Dienstleistungskonzern übergeht oder ob sich das Traditionsunternehmen im Fall einer Trennung von der Schuhsparte einen neuen Namen suchen muss.

Nach Einschätzung von Branchenkennern ist das letzte Wort über den spektakulären Konzernumbau noch nicht gesprochen. "Ein Salamander ist kein Chamäleon", meint ein Insider. Das Unternehmen stehe vor der Herausforderung, die zugekauften und zum Teil regional tätigen Dienstleister zu einem europaweit aktiven Komplettanbieter zusammenzufügen, um dann Synergien nutzen zu können. Unklar sind auch die Pläne der Mutter EnBW für Salamander; der Energiekonzern stellt seine Bilanz am Dienstag in Karlsruhe vor.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%