Erfolgreich bei Stinnes
Porträt: Der neue Eon-Chef Bernotat

International ganz vorn im Geschäft mit Strom, Gas und Wasser will Eon mitmischen. Der Mann, der ab kommendem Frühjahr den Düsseldorfer Großkonzern lenken soll, bringt für die weitere Expansion beste Voraussetzungen mit.

vwd DÜSSELDORF. Erfahrung als Vorstandsvorsitzender konnte Wulf H. Bernotat fast vier Jahre lang bei der Eon-Tochter Stinnes sammeln, die nun an die Bahn verkauft wird. Internationalität beweist er durch zahlreiche Auslandsstationen in seiner geradlinigen Managerkarriere. Und durch 20 Jahre bei Shell sowie seine Zeit als Vorstand im Öl- und Tankstellengeschäft von Eon ist der 53-jährige Doktor der Rechte mit Energiethemen gut vertraut.

Die Berufung Bernotats kommt nicht überraschend - er wurde schon lange als Kronprinz von Eon-Chef Ulrich Hartmann gehandelt, der ihn auch 1996 von Shell zum Eon-Vorläufer Veba holte. Seit 15. November 1998 an der Spitze der Stinnes AG (obwohl eigentlich als Boss von Veba Oel vorgesehen), hat der Zigarilloraucher mit den grauen Schläfen das 43.000 Mitarbeiter starke Traditionsunternehmen erfolgreich geführt und zu einem Global Player in der Logistik gemacht.

Als er den Mülheimer Konzern übernahm, glich er noch einem Gemischtwarenladen mit vielen alten Zöpfen aus der Ära der "Ruhrbarone" a la Hugo Stinnes, der einst ein Zechenimperium besaß. Randaktivitäten wie die Baumärkte, den Reifendienst, das Sanitärgeschäft oder das Wiesbadener Nobelhotel Nassauer Hof, 1923 von Hugo Stinnes erworben, hat Bernotat seither in rascher Folge verkauft.

Auf der anderen Seite schärfte er das Profil als Logistikunternehmen, das den Kunden weltweit individuelle Dienstleistungen im zeitkritischen und sensiblen Geschäft um Beschaffung, Bearbeitung, Lagerung und Lieferung von Gütern bietet. Bernotat verstärkte dazu den Konzern im Transportsektor vor allem durch Übernahme der schwedischen BTL, was der Tochter Schenker neben dem Post-Pendant Danzas den europäischen Spitzenplatz einbrachte.

Hinzu kommt: In der internationalen Seefracht ist Stinnes unter Bernotats Regie zur Nummer Zwei, im Lufttransport auf den vierten Platz aufgestiegen. Den anderen Großbereich, die Chemiedistribution um die Obergesellschaft Brenntag, führte er durch eine Großakquisition in den Niederlanden auf den weltweit zweiten Rang. Dabei blieb Stinnes stets profitabel und fuhr von Jahr zu Jahr höhere Gewinne ein.

Zuletzt erwirtschaftete der Konzern aus einem Umsatz von 12,3 Milliarden Euro ein Betriebsergebnis von 252 Millionen und einen Überschuss von 137 Millionen Euro. Gemessen am Cash-Flow erreichte die Rendite beachtliche 14,7 Prozent. Im Juni 1999 führte Bernotat, der verheiratet ist und zwei erwachsene Töchter hat, Stinnes an die Börse. Für die Aktionäre lohnte sich das Investment - der Ausgabekurs von 14,50 Euro hat sich verdoppelt.

Auch von den professionellen Beobachtern wird dem am 14. September 1948 in Göttingen geborenen Manager Lob zuteil: "Bernotat hat aus Stinnes sehr viel gemacht", lautet das Urteil von Analystenseite. In dieser Zunft wird der Manager als ruhig und sachlich auftretender Stratege geschätzt.

Im Gegensatz zum hölzernen Hartmann sticht außerdem seine Eloquenz hervor. Bernotat spricht fließend Englisch und Französisch, hat Kenntnisse in Spanisch und Russisch. Weltläufigkeit zeigen auch seine Berufsstationen bei Shell - London, Lissabon, Paris.

Kam es für ihn bisher darauf an, einen Konzern stromlinienförmig auszurichten, so steht Bernotat bei der mit (noch) 80 Milliarden Euro Umsatz und 152.000 Beschäftigten ungleich größeren E.On vor einer anderen Herausforderung. Der fusionierte Konzern hat sich durch zahlreiche Verkäufe bereits weitgehend fokussiert. Nun gilt es zunächst, den übernommenen britschen Energieriesen Powergen und später dann die Ruhrgas zu integrieren, was noch weitgehend in die Amtszeit Hartmanns fallen wird.

Auf seinen Nachfolger kommt in erster Linie die weitere Stärkung des Kerngeschäfts Strom und Gas zu, hauptsächlich in den USA. Und vielleicht gelingt Bernotat ja auch in der dritten Säule, dem Wassergeschäft, ein kräftiger Schluck aus der Pulle. Denn hier hat Eon auf der internationalen Bühne, vor allem gemessen am Reviernachbarn RWE, noch Nachholbedarf.

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