Erfolgreiche deutsche Unternehmer in Mittel- und Osteuropa
„Wir übertreffen selbst die Chinesen“

Jens Wendland hat fast alle Länder Mittel- und Osteuropas bereist, um einen Standort für die Produktion von Glasfasergewebe zu suchen. Schließlich entschied er sich vor allem wegen des niedrigen Lohnniveaus und der Leistungsbereitschaft der hiesigen Arbeiter für die Slowakei.

DRAHOVCE. "Mit meinen 300 Mitarbeitern und auch mit den Gewerkschaften habe ich bis heute keine größeren Probleme", berichtet er. Natürlich spielt auch eine Rolle, dass vor Ort Glasfasern und andere notwendige Rohmaterialien hergestellt werden.

Seit 1995, so Wendland, habe er die Grundlöhne nie angehoben, dafür aber die Prämien. Lohn- und Nebenkosten lägen je Arbeiter bei durchschnittlich 350 Euro. "Die Slowakei ist ein absoluter Sonderfall in Mittel- und Osteuropa, was die Kosten angeht", sagt der gelernte Zahntechniker, der vor Jahren auch schon in anderen Branchen Geld verdiente. Gerade in den Nachbarländern Polen, Tschechien und Ungarn wäre die Produktion teurer.

Bei einem Umsatz von voraussichtlich 30 Mill. Euro in diesem Jahr stellt Wendlands Firma OMFA s.r.o. Glasfasergewebe in hundert verschiedenen Arten her. Die Produkte gehen vor allem an die Bauwirtschaft und werden dort etwa zur Stabilisierung des Innen- und Außenputzes von Häusern sowie für den Wärmeschutz und die Schallisolierung verwendet. Abnehmer sind aber auch die Hersteller von Anlagen, in denen Kunststoffteile eine Rolle spielen, z.B. Autozulieferer und Bootsbauer. "Die Kunststoffverstärkung ist unsere Zukunftsbranche", schwärmt Wendland. Zu seinen Kunden gehören unter anderem die deutschen Windradhersteller Vestas und Enercom.

Die großen, zum Teil hoch modernen Maschinen zum Weben, Legen und Vernähen des Glasfasergewebes, die in den beiden Werkshallen von OMFA stehen, kommen alle von deutschen Firmen wie Liba, Karl Mayer und Dornier. Eine neue Maschine zum Vernähen von 6 Meter breiten Geweben hat die Kleinigkeit von 1,2 Mill. Euro gekostet. "Wenn wir gut mir ihr umgehen, kann sie 20 Jahre halten." Den beträchtlichen Lärm in einer der beiden Werkshallen kommentiert Wendland mit der Bemerkung: "Wir haben Lärmschützer für die Ohren, aber den Arbeitern ist das zu unbequem."

Die OMFA exportiert ihre Erzeugnisse zu 50 % nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Auch sei der Export nach Polen, Ungarn und Tschechien im Aufwind, ebenso wie der Absatz in der Slowakei selbst. "Noch produzieren wir günstiger als die Chinesen, die stark auf die westlichen Märkte drängen." Vor drei Jahren war Wendland selbst in China, um eine mögliche Investition zu prüfen, nahm aber dann Abstand davon. Immerhin ist gerade ein Großauftrag aus China bei OMFA eingegangen.

Wendland hat sich inzwischen entschlossen, mit seinem Unternehmen in die Stadt Zwolen in der Mittelslowakei umzuziehen. Dort betreibt er den Aufbau eines Industrieparks von insgesamt 18 Hektar, der sowohl seine Produktionsstätten als auch andere Unternehmen umfassen soll. Ein wichtiger Grund für seine Umzugspläne ist das neue Autowerk, das Peugeot-Citroen in Trnava, also in unmittelbarer Nähe, baut. Bald, so Wendland, werde es hier in der Westslowakei nicht mehr genügend qualifizierte und auch billige Arbeitskräfte geben. "Hier liegt die Arbeitslosenrate bei 9 %, in der Mittelslowakei bei 30 %."

Seine frühere deutsche Heimat, so Wendland, solle sich zum Beispiel die niedrigen Steuersätze der Slowakei zum Vorbild nehmen. Er prophezeit, künftig würden noch mehr qualifizierte, flexible Deutsche ins Ausland gehen.

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