Erfolgreiche Tierversuche mit neuen Anthrax-Wirkstoffen
Neue Therapien gegen Milzbrand

Nicht vom Erreger selbst, sondern von den Giftstoffen, die er ausscheidet, droht die entscheidende Gefahr bei einer Milzbrand-Infektion. Die Suche nach neuen Therapien muss sich also fast zwangsläufig vor allem auf Wirkstoffe gegen die Toxine des derzeit so gefürchteten Bacillus Anthracis konzentrieren. Dabei handelt es sich um Enzyme, die in der Lage sind, eine Pore in Zellwänden zu öffnen, in Zellen einzudringen und dort anschließend wichtige Proteine zu zerstören. Während der Milzbrand-Bazillus mit Antibiotika wie Penicillin oder Ciprofloxacin (Ciprobay) wirksam bekämpft werden kann, sind Medikamente gegen diese Giftstoffe bisher nicht verfügbar.

FRANKFURT/M. Allerdings deuten einige Forschungsergebnisse darauf, dass mittelfristig Lösungen gefunden werden können. So haben Forscher der Harvard Medical School jetzt in der Fachzeitschrift Nature Biotechnology erste Test-Ergebnisse von einem Wirkstoff veröffentlicht, der das Milzbrand-Toxin neutralisiert, indem er dessen Eindringen in die Zellen verhindert.

Einen anderen Weg gehen Wissenschaftler der Ohio State Universität. Sie haben Versuche mit einem neuartigen Impfstoff unternommen, der das Immunsystem dazu anregen soll, Antikörper gegen die Anthrax-Toxine zu bilden. Sie nutzen dazu Fragmente von Genen des Anthrax-Bazillus.

Die Forschergruppe aus Harvard hat ihren Wirkstoff an Ratten getestet, denen man gleichzeitig das Toxin und das Gegenmittel injizierte. Auch wenn die Behandlung einige Minuten nach der Gabe des Toxins erfolgte, blieben die Tiere von den Wirkungen verschont. Ob der Wirkstoff auch gegen die Milzbrand-Bakterien direkt wirkt, wurde noch nicht getestet.

Die Gruppe um Darrell Galloway in Ohio prüfte ihren Impfstoff an Mäusen. Die Versuchstiere überlebten, obwohl ihnen das Fünffache einer tödlichen Anthrax-Dosis verabreicht wurde. Dieses Resultat spricht aus Sicht Galloways für die Anwendbarkeit einer "DNA-basierten Immunisierungs- Strategie".

Sowohl ein wirksamer und sicherer Impfstoff gegen Anthrax als auch Medikamente gegen die Toxine würden eine wertvolle Ergänzung für die Antibiotika-Therapie gegen Milzbrand bilden. Da Milzbrand bisher eine äußerst seltene Krankheit bei Menschen darstellte, gab es indes für die private Forschung so gut wie keinen Anreiz, sich auf diesem Gebiet zu engagieren. Mit den verstärkten Vorsorgemaßnahmen der US-Regierung und der wachsenden Furcht vor Milzbrand-Infektionen könnte sich das jedoch ändern. Das gilt auch auf dem Gebiet der Diagnose. Milzbrand-Infektionen nachzuweisen, ist bisher ein relativ mühsamer und Zeit raubender Prozess. Es müssen entweder Bakterien-Kulturen angelegt werden, was mindestens ein bis zwei Tage erfordert, oder aber es erfolgt eine indirekte Diagnose über den Nachweis von entsprechenden Antikörpern im Blut von Patienten. Der Nachteil dieser Methode besteht darin, dass solche Antikörper erst etliche Tage nach einer Infektion nachgewiesen werden können - wenn es meist schon zu spät ist.

Um eine schnellere Diagnose zu ermöglichen, will der Pharmakonzern Roche nun in Kooperation mit einem US-Partner einen Gentest für Milzbrand entwickeln. Ein solcher Test, der auf der Analyse der bakteriellen DNA basiert, könnte nach Angaben des Baseler Unternehmens Milzbrand-Erreger innerhalb einer halben Stunde nachweisen. Wie stark das Interesse an besseren Nachweis-Methoden für potenzielle biologische Kampfstoffe gewachsen ist, zeigt auch eine vor wenigen Tagen intensivierte Allianz der US-Armee mit dem amerikanischen Biotech-Unternehmen Igen International. Diese Kooperation zielt auf die Entwicklung von Tests zum schnellen Nachweis von Giftstoffen.

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