Erfolgreichen Vermittlern winken opulkente Prämien
Mit Jobocop wird jeder zum Headhunter

Stellenvermittlung kann zum Volkssport werden - wenn das Konzept einer neuen Online-Jobbörse aufgeht.

Wie schön wäre es doch, jetzt einen IT-Berater zu kennen, der gerade auf der Suche nach einer neuen Stelle ist! So eine Bekanntschaft kann glatt 4 500 Euro wert sein. Vorausgesetzt, man nutzt Jobocop, das neue Job-Vermittlungsportal im Internet. Denn damit kann jeder und jede zum Headhunter werden - und üppige Prämien kassieren.

Es hat ein bisschen was von David gegen Goliath: Ein kleines Unternehmen aus Hamburg ist angetreten, den etablierten Headhuntern einen tüchtigen Schuss vor den Bug zu verpassen.

"Das wird sicherlich den Markt aufmischen", kündigt Udo Foff an. Der Gründer und Geschäftsführer der Personalberatung Exenion hält es sogar für möglich, dass Jobocop das Aus für so manchen Headhunter bedeuten wird.

Warum der 31-Jährige so zuversichtlich ist? "Weil wir mit persönlichen Empfehlungen arbeiten, und das ist die erfolgreichste Variante, Stellen zu besetzen." Rund 40 Prozent aller Jobs werden auf diese Weise vergeben, hat das amerikanische Technologie-Magazin Red Herring herausgefunden.

Weiterentwicklung von "Mitarbeiter werben Mitarbeiter"

Mit der Web-Seite, die seit 1. August im Netz ist, hat Foff Aktionen à la "Mitarbeiter werben Mitarbeiter" weiterentwickelt: Bei ihm darf jeder auf Kopfgeldjagd gehen, nicht nur die Mitarbeiter des suchenden Unternehmens. Der Vorteil gegenüber traditionellen Headhuntern: Weil das System auf der Empfehlung durch Freunde und Verwandte beruht, spricht es auch Kandidaten an, die nicht aktiv auf der Suche nach einem neuen Job sind und Headhuntern möglicherweise einen Korb geben würden.

Das Prinzip von Jobocop ist einfach: Registrierte Unternehmen schreiben offene Stellen auf der Homepage aus und nennen die Prämie, die ihnen eine erfolgreiche Vermittlung wert ist - mindestens aber 500 Euro. Jeder Interessent kann sich kostenlos bei Jobocop registrieren lassen. Findet er auf der Web-Seite ein Stellenangebot, das für einen Freund attraktiv sein könnte, empfiehlt er es per E-Mail. Sobald der Freund darauf eingeht, prüft Jobocop telefonisch seine Eignung.

Von da an wird es richtig interessant: Bei einer erfolgreichen Vermittlung kassiert der Werber die gesamte Prämie, und zwar sobald der Vermittelte die Arbeit antritt. Auch dieser geht nicht leer aus: Eine Unterschriftsprämie (Signing Fee) von 20 Prozent der Prämie soll ihm den Jobwechsel versüßen. Die Signing Fee bekommen auch die Nutzer, die sich selbst beworben haben.

Opulente Prämien winken

Schon zum Start der ungewöhnlichen Jobbörse gibt es teilweise opulente Prämien abzusahnen. Von den 20 Unternehmen, die sich bis jetzt haben registrieren lassen, winkt der Internet-Dienstleister Avanade mit dem höchsten Kopfgeld. 4 500 Euro zahlt das Unternehmen für die Vermittlung eines hochqualifizierten IT-Beraters.

Zwar versichert Udo Foff, die Kosten für eine Suche über Jobocop lägen weit unter dem üblichen Honorar eines Headhunters, das rund 30 Prozent eines Jahresgehaltes beträgt. Doch Ariane Jourdant, Personalexpertin bei Avanade, rechnet anders: "Die gesamten Kosten inklusive Registrierung und Prämie rangieren für uns in einer ähnlichen Kategorie, als wenn wir einen Headhunter eingeschaltet hätten." Trotzdem: Jourdant schwört auf das Recruiting-Instrument Weiterempfehlung, weil sich bereits ein internes Empfehlungsprogramm als "sehr gut funktionierendes Konzept" entpuppt habe.

Vermittler begeben sich in rechtliche Grauzone

Udo Foff hält auch weit höhere Prämien als jene von Avanade für möglich. "10 000 bis 15 000 Euro sind durchaus drin", glaubt er. Doch wer das Geld kassiert, begibt sich in eine rechtliche Grauzone. "Das ist eine erlaubnispflichtige Arbeitsvermittlung", betont der Düsseldorfer Rechtsanwalt Michael Terwiesche, ein Experte für Verwaltungsrecht. Für Exenion an sich kein Problem - schließlich hat sich Foff eine Erlaubnis zur gewerblichen Arbeitsvermittlung vom Arbeitsamt besorgt.

Nutzer ohne offizielle Erlaubnis hingegen begehen laut Terwiesche eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von bis zu 50 000 Mark geahndet werden könne. Außerdem riskierten sie eine Unterlassungsverfügung der Bundesanstalt für Arbeit - bei Zuwiderhandlung droht ein Zwangsgeld. Das klingt dramatisch, ist aber halb so wild. Vorerst muss kein Prämienjäger die Sanktionen des Arbeitsamtes fürchten. Bei einer Ordnungswidrigkeit kann die Behörde selbst entscheiden, ob sie eingreift oder nicht. Man halte es jedoch zurzeit nicht für opportun, gegen die Stellenvermittlung vorzugehen, erklärt die Bundesanstalt für Arbeit.

Unternehmensberater reagieren gelassen

Unternehmenschef Udo Foff hat die Rechtslage bereits von einem Anwalt prüfen lassen. "Wir sind gewappnet", sagt er. An größeren Ärger mit den Behörden glaubt Foff nicht. "Dann müssten alle Hire-a-Friend-Programme in Deutschland abgeschafft und die Firmen rechtlich belangt werden."

Auch der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) reagiert auf den Start von Jobocop gelassen - obwohl er erst Anfang des Jahres ein internes Empfehlungsprogramm des Internet-Kaufhauses Primus-Online als "eklatanten Rechtsbruch" gegeißelt hatte. Eine Gefahr für etablierte Headhunter sieht Sprecher Klaus Reiners nicht. "Die Kunden werden es höchstens als eines von mehreren Instrumenten der Personalsuche nutzen."

Und so werden auch in Zukunft Headhunter im Abwerbegespräch die Frage stellen, auf der Jobocop beruht: "Oder kennen Sie sonst noch jemanden, der für diese Stelle in Frage käme?"

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