Erfolgsaussichten einer Prospekthaftungsklage werden grundsätzlich gering eingeschätzt: Wenig Hoffnung für die T-Aktionäre

Erfolgsaussichten einer Prospekthaftungsklage werden grundsätzlich gering eingeschätzt
Wenig Hoffnung für die T-Aktionäre

Die Worte sind Balsam auf die Seelen der gebeutelten Aktionäre der Deutschen Telekom: "Wir prüfen die Erfolgsaussichten einer Prospekthaftungsklage. Man kann dann gegebenenfalls den Preis, den man damals für die Aktien gezahlt hat, zurückverlangen und die Aktien zurückerstatten", sagte Klaus Nieding, hessischer Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

DÜSSELDORF. Damit reagierte er auf die neuesten Vorwürfe gegen die Telekom und den Konzern-Mehrheitseigentümer, den Bund: Sie hätten die Anleger beim dritten Börsengang im Juni 2000 getäuscht und ihnen milliardenschwere Risiken verschwiegen.

Die DSW und die Kollegen von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre schoben zwar gleich hinterher, dass die Erfolgsaussichten von Prospekthaftungsklagen äußerst mager sind, aber da hörte wahrscheinlich schon kein Anleger mehr hin. Doch genau da liegt die Crux. Deshalb sollten sich die T-Aktionäre nicht all zu große Hoffnungen darauf machen, ihre T-Aktion zum Ausgabepreis loszuwerden. Denn so einfach ist die Sache nicht.

Nach den neuen Vorwürfen, die das ARD-Politmagazin "Report Mainz" aufgebracht hat, haben Ex-Telekom-Chef Ron Sommer und Bundesfinanzminister Hans Eichel Warnungen des ehemaligen Konzern-Finanzvorstands Joachim Kröske schlicht in den Wind geschlagen - mit Konsequenzen: Zukäufe wie die britische Mobilfunkgesellschaft One2One, die die Telekom 1999 für rund 10 Mrd. Euro erwarb, seien möglicherweise zu hoch bewertet worden. Daher könnte der Ausgabepreis beim dritten Börsengang von 66 Euro zu hoch ausgefallen sein.

Könnte, möglicherweise, hätte, eventuell: Noch ist völlig unklar, ob und was den Aktionären die neuen Informationen bringen. Zwar sind einige Anwälte schon mal vorgeprescht und haben Strafanzeige gegen die Telekom und den Bund bei der Staatsanwaltschaft Bonn gestellt. Aber was haben sie schon in der Hand?

"Es reicht nicht, dass der Finanzvorstand anderer Meinung war als der Konzernchef", so bringt es Lars Labryga von der Schutzvereinigung für Kleinaktionäre auf den Punkt. Ob mehr dahinter steckt, das müsse man jetzt erst einmal in Kleinarbeit prüfen. Die Zeit läuft aber gegen die Kleinanleger. Im Mai endet die Dreijahresfrist, innerhalb der eine Prospekthaftungsklage möglich ist.

Klar ist: Aus heutiger Sicht war der Emissionspreis im Juni 2002 zu hoch. Nur damals hatten alle Telekom-Unternehmen fast irrsinnige Bewertungen. Ähnliche Vorwürfe, wie man sie jetzt der Telekom macht, kann man wahrscheinlich bei fast jedem Börsengang eines Unternehmens aus der Telekommunikations- oder Informationstechnologiebranche zwischen Mitte 1999 und Ende 2000 erheben. Klar ist auch: Unterschiedliche Meinungen zwischen Kröske und Sommer hat es ständig gegeben. Die beiden lagen häufiger über Kreuz, heißt es in Unternehmenskreisen. Schließlich hat Kröske den Konzern 1999 verlassen. Und noch eine dritte Sache steht fest: Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt sei fast drei Jahren gegen die Telekom und auch gegen Kröske. Der Verdacht: Der Konzern habe sein Immobilienvermögen beim Börsengang 1996 zu hoch bewertet. Die Staatsanwälte prüfen dabei automatisch auch die späteren Börsengänge. Noch ist offen, was die Ermittlungen gebracht haben - ein weiterer Beleg, dass die Sache wohl so einfach nicht ist, wie sie von einigen nach dem Bericht in "Report Mainz" gesehen wird.

Die Kleinaktionäre müssen sich daher zunächst mit anderen Dingen trösten und hoffen, dass diese den Aktienkurs steigen lassen. Dazu gehören beispielsweise die Fortschritte der Telekom beim Schuldenabbau. Der neue Konzernchef Kai-Uwe Ricke hat sich das auf die Fahnen geschrieben. Um mindestens 12 Mrd. Euro und damit auf etwa 52 Mrd. Euro soll der Schuldenberg bis zum Jahresende sinken. Ein realistisches Ziel, sagen Analysten.

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