Erfolgsquote ist hoch
Die Profiteure des Personalabbaus

Der ausufernde Stellenabbau hat einer besonderen Spezies von Beratern einen rasanten Auftrieb beschert. Der Andrang bei den Trennungsberatern, die im Auftrag der Unternehmen die "Sparopfer" bei der Jobsuche begleiten, ist 2002 um zwei Drittel auf 25 000 in die Höhe geschnellt.

HB/dpa FRANKFURT/MAIN. Den Firmen verschafft dies wenigstens das Image, eine gewisse Fürsorge für die "Mitarbeiter" zu empfinden. Für die Geschassten erhöht sich die Chance auf eine Wiederanstellung. Durch eine individuelle Betreuung fanden 2002 zwei Drittel innerhalb eines halben Jahres einen neuen Arbeitsplatz.

Die Chancen auf eine Wiederanstellung hängen jedoch stark vom vereinbarten Service zwischen den Unternehmen und den so genannten Outplacementberatern ab. Durch den Zustrom steigerten die knapp 30 Spezial-Agenturen ihren Umsatz nach Schätzung des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) um 20 % auf 60 Mill. Euro. Da das Ende der Konjunkturflaute noch nicht in Sicht ist, dürfte es bei den "Rausschmissbegleitern" in diesem Jahr noch besser aussehen.

Bei der Commerzbank schulten Trennungsberater im vergangenen Jahr in Gruppen, die Erfolgsquote betrug 70 %. Allerdings nutzten nur wenige Mitarbeiter, die gehen mussten, das Angebot. "Ich hoffe, dass sich dieses Instrument etabliert, es ist sehr erfolgreich", resümiert Gregor Schulz von der Personalabteilung.

Der Baustoffhersteller Dyckerhoff setzte die spezialierten Berater bereits wiederholt ein. "Sobald ganze Gruppen betroffen sind, ist Outplacement sinnvoll", ist Personaldirektor Richard Schulze überzeugt.

Betriebsräte befürworten den Einsatz der Vermittler. "Dadurch denkt man viel strukturierter anhand der Marktrealitäten darüber nach, wo es neue Beschäftigungsmöglichkeiten gibt", begründet die stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Dresdner Bank, Claudia Eggert-Lehmann. Die IG Metall schränkt ein, es müssten aber konkrete Erfolgskriterien wie etwa der Zeitraum bis zur Erreichung einer neuen beruflichen Perspektive fixiert werden.

Die Arbeitnehmervertreter sehen mehrere Vorteile. Die Trennungsberater greifen früh noch in der Kündigungsphase ein und helfen bei der Verarbeitung des Schocks. "Eine Kündigung ist eine verflucht einsame Angelegenheit", sagt Herbert Mühlenhoff, geschäftsführender Gesellschafter von Mühlenhoff+Partner. Seine Agentur gehört zu den größten Drei hier zu Lande. Der Aufbau des zerstörten Selbstwertgefühls erhöht dann die Motivation für die Neuorientierung. Bei der Bewerbungsphase unterstützen die Agenturen durch Workshops und persönliche Gespräche. Das kostet die Unternehmen 1500 bis 3000 Euro pro Kopf.

Führungskräfte erhalten eine individuelle Rundum-Sorglos- Betreuung. So lange, bis sie einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben - inklusive einer Wiederaufnahmegarantie, wenn es mit dem neuen Chef nicht klappt. Dieser Service kostet das ehemalige Unternehmen zehn bis 22 % des Jahreseinkommens.

"Die Beratung hilft dabei, sich an der langen Reihe der Bewerber auf einen Arbeitsplatz vorbeizudrängeln", ist der Geschäftsführer von Glasow Management Consulting, Friedrich Hartmann, überzeugt. Er hat bereits für viele Unternehmen aus diversen Branchen und auch für Gewerkschaften Outplacement-Projekte durchgeführt.

Für das Unternehmen hat der Beratereinsatz viele Vorteile. Ein langwieriger und teurer Kündigungsprozess ist vom Tisch. "Es fördert aber auch die Motivation bei der Belegschaft", hebt der Gründer der Wiesbadener Interaction Consulting, Wolfgang Fritz, hervor. Auch poliert es das Image in der Öffentlichkeit auf. Schließlich muss in besseren Zeiten wieder Personal eingestellt werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%