Ergänzende Informationen zum Fernsehprogramm
Die Fernsehwelt wird vernetzt

Der samstägliche Einkaufsbummel dauerte länger, als gedacht; das spannende Fußballendspiel ist längst verpasst. Gut, wenn man einen Freund hat, der während des Spiels im Fernsehen mit seiner Fernsteuerung alle Tore und strittigen Schiedsrichterentscheidungen markiert hat und diese Liste nun an den Zuspätkommer sendet. Worauf der sich über die Sendeanstalt die entsprechenden Bilder ins Wohnzimmer holt.

HB BERLIN. Zukunftsmusik? Nein. Möglich macht das die Vernetzung der Multimedia Home Plattform (MHP), ein vom Digital Video Broadcasting Project (DVB) entwickelter Standard für das digitale Fernsehen. Ähnlich wie beim Internet lassen sich per MHP mit einer Fernbedienung interaktive Anwendungen direkt über den Bildschirm ausführen.

Die Vernetzung sorgt dafür, dass Bilder, Filme und Texte via MHP ausgetauscht werden können. - Und das ist fast so simpel wie das Zappen durchs Programm. "So können auch Menschen am Datenaustausch teilzunehmen, die keinen Computer haben", sagt Barbara Lange, Sprecherin des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme (Fokus). Der Prototyp der vernetzten MHP-Boxen wurde von Philips entwickelt.

Zusammen mit der Tomorrow Focus AG zeigt das Fraunhofer-Institut von Freitag an auf der Funkausstellung IFA in Berlin das interaktive Reisemagazin "Ice-Cream", bei dem über handelsübliche MHP-Boxen während der Sendung Zusatzinformationen über Sehenswürdigkeiten, Hotels, Fahrpläne und vieles mehr abgerufen werden können. Diese Infos sollen eines Tages sogar markiert und auf einen PDA geladen werden können. Der Taschen-PC dient dann im Urlaub als mobiler Travel Guide - weist den Weg oder informiert über die Öffnungszeiten. "Das wird allerdings erst bei der nächsten Geräte- Generation möglich sein", sagt Angela Scheller, bei Fokus Abteilungsleiterin für interaktive und multimediale Anwendungen.

Im Fraunhofer für Medienkommunikation-Institut (IMK) werden unterdessen neue Anwendungen für das digitale Fernsehen zusammen mit den Sendeanstalten ZDF und BBC entwickelt. So gibt es seit knapp einem Jahr den "ZDF Digitext", einen interaktiven Nachrichten- und Informationsdienst. Über eine grafische Benutzeroberfläche, ähnlich wie Windows, lassen sich damit am TV-Gerät weitere Informationen, Grafiken und Bilder abrufen.

Noch wird dieses Angebot - wie das von ARD, RTL und Premiere World - kaum genutzt. Denn die MHP-Set-Top-Boxen sind kaum verbreitet. Daher sind die Inhalte- und Serviceanbieter noch zurückhaltend, worunter die Attraktivität leidet. "Was fehlt, ist die Killerapplikation, ähnlich der SMS beim Handy", hofft IMK-Projektleiterin Heike Fischer auf den Durchbruch der Technik, die längst marktreif ist.

Die Fraunhofer-Expertin verspricht sich von der Funkausstellung neue Impulse, zumal neue Set-Top-Boxen, etwa von ADB, Panasonic und Philips, vorgestellt werden. Sony wird als einziger Anbieter mit einem integrierten Gerät aufwarten. Während die ersten Modelle noch etwa 500 Euro kosteten, liege der Preis nun im Schnitt bei 350 bis 400 Euro "und die Preise werden weiter purzeln", prophezeit Fischer.

Die IMK-Forscherin geht davon aus, dass der Durchbruch der vernetzten Fernsehtechnik nicht mehr lange auf sich warten lässt. Schließlich biete die Technik zahlreiche Möglichkeiten für neue interaktive Sendekonzepte wie Spielshows zum direkten Mitmachen, mehr Shopping und Abstimmungen ohne Umwege über das Telefon. Vor dem Start steht auch eine neue Form von Werbung, die Zusatzinformationen über Produkt und Händlernetz bietet, wie jetzt in einem Projekt von Daimler-Chrysler und Sony getestet.

Das Fernsehen wird interaktiver werden. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass Fernsehen in erster Linie Fernsehen bleiben muss. Fischer: "Zusatzdienste dürfen nicht nerven."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%