Ergebnis 2001 am unteren Rand der Erwartungen
Barclays Bank will im europäischen Ausland aggressiv wachsen

Die britische Bank Barclays plc. sieht ihr Wachstum in Europa. "Bis zum Jahr 2010 müssen 50 % der Einnahmen aus dem Ausland kommen, sagte Chief Executive Matthew Barrett am Rande der Präsentation der Jahresergebnisse in London. Derzeit sind es nur knapp 20 %.

fs LONDON. Als potenzielle Wachstumsmärkte nannte der CEO vornehmlich Frankreich, Spanien und Portugal. In Deutschland werde Barclays vor allem die Finanzdienstleistungen für Großkunden ausbauen. Einen Einstieg in das Privatkundengeschäft schloß er vorerst aus. "Bevor wir daran denken, muss es erst einmal strukturelle Veränderungen geben", meinte Barrett.

Für 2001 hatte der CEO zuvor ein Jahresergebnis präsentiert, das am unteren Ende der Erwartungen lag. Der operative Gewinn der mit einer Marktkapitalisierung von knapp 37 Mrd. Pfund (rund 60 Mrd. ?) viertgrößten britischen Bank steigerte sich im abgelaufenen Jahr um 10 % auf 4,134 Mrd. Pfund. Positiv vermerkten die Analysten vor allem die höher als erwarteten Synergieeffekte durch die Woolwich-Akquisition. Im Vorfeld hatte die Bank für 2001 mit 80 Mill. Pfund gerechnet, realisiert wurden jedoch 111 Mill. Pfund.

Der Gewinn vor Steuern erreichte dagegen mit 3,608 Mrd. Pfund (+9 % gegenüber 2001) nur die pessimistischeren Vorhersagen. Analysten hatten ein Ergebnis zwischen 3,5 und 4 Mrd. Pfund erwartet. Der Grund für die Entwicklung liegt in höheren Kosten und Rückstellungen für Risikokredite. Die operativen Aufwendungen stiegen um 8 % auf knapp 6,1 Mrd. Pfund, die Kreditrückstellungen erhöhten sich um mehr als ein Drittel auf knapp 1,15 Mrd. Pfund.

Weitere Zahlungsausfälle befürchtet

Analysten nahmen das Ergebnis gemischt auf. Der britische Broker Teather & Greenwood stufte die Aktie gestern auf "Halten" zurück, weil er weitere Zahlungsausfälle für wahrscheinlich hält. "Schlechte Kredite beschäftigen den Markt noch mindestens die nächsten sechs Monate lang", sagte der zuständige Analyst Martin Cross. Barclays selbst machte keine konkreten Aussagen zu aktuellen Risiken. Es wird spekuliert, dass die Bank nach dem Enron-Konkurs fast 90 Mill. Pfund verloren hat. Die US-Investment-Bank Merrill Lynch blieb dennoch bei ihrem Kauf-Urteil für Barclays. Der faire Wert der Aktie liegt ihrer Ansicht nach bei 24,50 Pfund.

Die Bank kündigte für das laufende Jahr einen Aktiensplit im Verhältnis eins zu vier an, über den die Hauptversammlung im April abstimmen werde. Sie erhöhte die Dividende um 15 % auf 66,5 Pence je Anteilsschein.

Der Aktienkurs reagierte anfangs positiv auf das Jahresergebnis, später drehte er ins Minus. Marktteilnehmer nannten die Ungewissheit über ausreichende Risikovorsorge als einen Grund. Die Barclays-Aktie verlor bis zum Abend um mehr als 1,4 % auf 21,85 Pfund.

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