Ergebnis bleibt unbefriedigend
Karstadt denkt an Schließungen

Wolfgang Urban, Vorstandschef der Karstadt-Quelle AG, schließt das Ende einiger seiner unrentablen Warenhäuser nicht mehr aus.

DÜSSELDORF. Das bestätigte ein Sprecher des Essener Konzerns dem Handelsblatt. Ein konkretes Schließprogramm gebe es aber nicht, denn noch müsse geprüft werden, wie sich eine Filial-Reduzierung auf Einkaufskonditionen und Logistik auswirke.

Von der Äußerung Urbans zeigte sich Franziska Wiethold, Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat der Holding, überrascht. Noch vor einem Monat habe der Karstadt-Chef versichert, keines der renditeschwachen Nahversorgungs-Warenhäuser dicht machen zu wollen. Stattdessen seien von ihm Ergebnisse der derzeit laufenden Tests neuer Konzepte nach der Sommerpause angekündigt worden. Wiethold: "Dass bei den Nahversorgern etwas getan werden muss, ist uns aber seit langem klar."

Die Karstadt-Aktionäre, die sich heute in Düsseldorf zur Hauptversammlung treffen, dürften die Überlegungen der Konzernspitze begrüßen. "Mit den Warenhäusern verdient Karstadt-Quelle kaum Geld", mokiert sich Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Urban werde allerdings erklären müssen, was er mit den dann frei werdenden Verkaufsflächen anfangen wolle.

Ohnehin ist die Düsseldorfer Aktionärsschützerin auf den Karstadt-Chef nicht gut zu sprechen: "Die Kooperationen mit Starbucks, Deutscher Telekom und Ergo gleichen eher einer verzweifelten Suche nach neuen Ertragsquellen." Ob man damit überhaupt Geld verdienen werde, stehe in den Sternen. "Das klingt alles nach 2004, 2005", schimpft die DSW-Sprecherin.

Dabei wird der Druck auf die 100-prozentige Warenhaustochter des Karstadt-Quelle-Konzerns immer größer. Während das Versandhandelsgeschäft - auch wegen des Quelle-Jubiläums - nach Konzernangaben "recht gut" läuft, tut sich das stationäre Handelsgeschäft außerordentlich schwer. "Die Ergebnisse des zweiten Quartals 2002 haben sich gegenüber dem ersten nicht gravierend verändert", berichtet Warenhaus-Sprecher Elmar Kratz, ohne Zahlen zu nennen. In den ersten drei Monaten des Jahres waren die Versandhandels-Umsätze gegenüber dem Vorjahresquartal nur moderat um 1,7 % gesunken. Der Laden-gebundene Einzelhandel des Essener Konzerns hatte dagegen 7,7 % eingebüßt, speziell die Warenhäuser sogar 8,1 %.

Gleichzeitig ist Urbans Sparprogramm ins Stocken geraten. Ende Juni musste der Konzern auf Druck der Gewerkschaften die angekündigte Streichung freiwilliger Sozialleistung für rund 60 000 Beschäftigte zurücknehmen. Zudem untersagte das Oberlandesgericht in Hamm den Essenern, die Lieferantenrechnungen wie geplant pauschal um 2,5 % zu kürzen.

Quelle: Handelsblatt

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