Ergebnis einer Studie
Alle TV-Sender inzwischen unterhaltungsorientiert

Alle großen deutschen TV-Sender einschließlich ARD und ZDF machen heute ein primär an Unterhaltung orientiertes Programm. Zugleich geht der Anteil politischer Information weiter zurück. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Programmbericht der Landesmedienanstalten, der am Montag zum dritten Mal in Köln vorgelegt wurde.

dpa HAMBURG/KÖLN. Es mache im deutschen Fernsehen keinen Sinn mehr, zwischen informations- oder unterhaltungsorientierten Vollprogrammen zu unterscheiden, heißt es in der Untersuchung.

Ganz oben auf der Unterhaltungsskala stehen RTL II und Kabel 1, die ihre Netto-Sendezeit (abzüglich Werbung und Programmtrailer) zu mehr als 90 % mit Unterhaltung bestreiten. RTL, SAT.1, ProSieben und Vox liegen zwischen 75 und über 80 %. Die Öffentlich-Rechtlichen bringen es auf etwa 50 % Unterhaltung (gesamter Tag), und in der Prime Time (18 bis 23 Uhr) auf etwa 60 %.

Für die privaten TV-Sender wurde bei der politischen Information in der Hauptsendezeit eine Quote von 0,4 bis 1,9 % ermittelt. 1999 hatte der Wert noch zwischen 1,4 und 3,4 % gelegen. Auch bei ARD und ZDF, die 1999 noch jeweils 20 % der Sendezeit in der Prime Time der politischen Information widmeten, gab es mit Einbußen von jeweils fünf (ARD) und vier Prozentpunkten (ZDF) deutliche Rückgänge. Wird der Begriff politische TV-Information um Beiträge über gesellschaftliche Kontroversen und welt- und volkswirtschaftliche Fakten erweitert, dann kommen ARD/ZDF in der Studie auf einen Wert zwischen 20 und 21 % in der Prime Time. Bei den Privaten liegt der Anteil zwischen unter einem und maximal 4 %.

Der unter Leitung des Berliner TV-Forschers Prof. Hans-Jürgen Weiß erstellte Bericht kommt außerdem zum Schluss, dass sich die Sender beim Volumen der Filme und Serien in der Hauptsendezeit immer stärker aufeinander zubewegten. Den höchsten Anteil bei den Privatsendern haben ProSieben (52 %) und Kabel 1 (48 %), den niedrigsten SAT.1 (32 %) und RTL (30 %). ARD und ZDF liegen mit jeweils 43 % im Mittelfeld. RTL, TV-Marktführer in Deutschland, setzt bei der Unterhaltung stärker als alle anderen Sender neben Filmen/Serien auf Shows/Spiele sowie "Unterhaltungspublizistik". Darunter versteht die Studie Sendungen, die wie etwa die Boulevardmagazine auf die Zerstreuung der Zuschauer ausgerichtet sind.

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