Ergebnis-Saison in vollem Gang
Neue Zahlen könnten Dax aufs Gemüt schlagen

In der kommenden Woche werden wieder eine ganze Reihe von Unternehmen ihre Quartalszahlen melden. Auch wichtige Konjunktur-Meldungen werden den deutschen Aktienmarkt bewegen. Die Dax-Prognosen bewegen sich in engen Spannen. Auf mittelfristige Sicht hat sich das Stimmungsbild gebessert.

rtr/ vwd FRANKFURT/M. Nach einem verhaltenen Beginn hat die Berichtssaison in den USA einen positiven Verlauf genommen. Die durch steigende Ölpreise und Zinsängste vertriebene Hoffnung auf eine Fortsetzung der fundamentalen Besserungs-Tendenzen ist in der vergangenen Woche auch an die Aktienmärkte der Euro-Zone zurückgekehrt. Beim Dax hat sich mit dem Überwinden des Widerstandes bei 5250 Punkten die techische Situation gebessert. Im Wochenverlauf wurde sogar der Bereich 5 350 Zähler getestet. An der der Marke von 5 300 Punkten wird sich der Index Anfang kommender Woche versuchen müssen.

Die meisten Börsianer erwarten insgesamt jedoch eine seitwärts- oder leicht abwärtsgerichtete Tendenz. Die Quartalszahlen der Unternehmen werden erneut im Blickpunkt der Anleger stehen. "Sollten die Unternehmenszahlen so enttäuschend ausfallen wie in den letzten Tagen, kann es auch noch weiter runter gehen", sagte ein Händler.

Besonders große Aufmerksamkeit erhielten zuletzt die Quartalsberichte der international bedeutenden Technologie-Unternehmen: Bei allen Unterschieden und manchen Enttäuschungen kristallisiert sich als Tendenz heraus, dass diese Unternehmen den Tiefpunkt ihrer Geschäftsentwicklung inzwischen überwunden haben. Philips beispielsweise ist bereits im ersten Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt, Intel meldete den ersten Erlös-Anstieg seit fünf Quartalen und selbst die mit großer Enttäuschung aufgenommene Herabsetzung der Umsatzprognose von Nokia beinhaltet immer noch einen Umsatzanstieg für das laufende Jahr um vier bis neun Prozent.

Quartalszahlen werden ab Montag unter anderem von Ericsson, Infineon, DaimlerChrysler, Siemens und Schering erwartet. Anlegerinteresse dürften auch Konjunkturdaten wie der Ifo-Geschäftsklima-Index und das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan auf sich ziehen.

Erfreuliche Unternehmensergebnisse hatten dem Dax zu Beginn der abgelaufenen Handelswoche noch Kursgewinne von bis zu mehr als drei Prozent beschert. Eine gesenkte Umsatzprognose des Handyherstellers Nokia sowie enttäuschende Geschäftsausblicke der Technologie-Konzerne Microsoft und Nortel hatten dann ab Mittwoch vor allem im Technologie-Sektor die Stimmung eingetrübt und den Gesamtmarkt um mehr als ein Prozent nachgeben lassen. Am Freitag schwankte das wichtigste deutsche Börsenbarometer im Verlauf um 5 250 Punkten.

"So uneinheitlich wie die letzten vierzehn Tage gewesen sind, könnten auch die kommenden Wochen werden", prognostizieren die Analysten der Bankgesellschaft Berlin. Es fehlten positive Unternehmensnachrichten, die eine psychologische Wende bei den Investoren herbeiführen könnten. Der Dax dürfte sich nach Einschätzung von Alfred Kaiser, Analyst beim Bankhaus Nols, in der kommenden Woche in einer Handelsspanne zwischen 5 100 und 5 350 Punkten bewegen. "Der Test der 200-Tage-Linie, die bei 5 070 Zählern verläuft, ist nicht ausgeschlossen", fügte er hinzu.

Mittelfristig rechnen die Experten mit einer länger anhaltenden, durch Ertragshoffnungen angetriebenen Aufwärtsentwicklung an den Aktienmärkten. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Konfliktherde des Nahen und Mittleren Ostens begrenzt bleiben und nicht zu einem weiteren, dauerhaften Ölpreisanstieg oder gar zu einer ernsten Störung des Welthandels führen.

Von der Geldpolitik ist noch keine größere Belastung für die Aktienkurse zu erwarten, da sich auf Grund der noch niedrigen Kapazitätsauslastung in der Wirtschaft und eines eher moderat verlaufenden Konjunktur-Aufschwungs kein konjunkturbedingter Inflationsdruck abzeichnet. In diesem Sinn hat die jüngste Greenspan-Rede Sorgen vor baldigen Zinserhöhungen gedämpft.

Weitere Quartalsergebnisse werden für Spannung sorgen

Marktteilnehmer erhoffen sich von in der kommenden Woche zur Veröffentlichung anstehenden Quartalsergebnissen Aufschluss darüber, ob eine Besserung der Unternehmenslage in Sicht sei. "Am Montag kommt Ericsson und nachdem Nokia schon enttäuscht hat, bergen die Zahlen auch nochmal Gefahr in sich", sagte Kaiser. "Sollten sie schwächer ausfallen, dürfte das den Markt noch weiter drücken."

Bei einem enttäuschenden Ergebnis dürften dann auch die Aktien von Siemens unter Druck geraten. Das Münchener Unternehmen wird voraussichtlich am Donnerstag selber Zahlen für das zweite Quartal vorlegen. "Die Zahlen dürften nicht so gut ausfallen", sagte ein Händler. "Ich wüsste nicht, mit was die in letzter Zeit Geld verdient haben sollten."

Für Marktbewegung dürfte auch das Geschäftsergebnis zum zweiten Quartal von Infineon sorgen. Von Reuters befragte Analysten erwarten ein im Vergleich zum ersten Quartal deutlich gestiegenes Ergebnis. "Ganz wichtig werden auch die Zahlen von DaimlerChrysler werden, da die Absatzzahlen für Autos im ersten Quartal nicht so toll waren", sagte ein Händler. Der Autobauer will am Donnerstag Zahlen zum ersten Quartal veröffentlichen.

Der Berliner Pharmakonzern Schering wird voraussichtlich am Freitag über den Geschäftsverlauf des ersten Quartals berichten. "Bei dem Unternehmen haben die Investoren eine sehr hohe Erwartungshaltung", sagte Analyst Kaiser. "Sollten die Zahlen etwas schlechter ausfallen, könnte die Enttäuschung sehr groß werden." Hinzu kommen Quartalsergebnisse einiger MDax-Werte wie Stada, Fraport, Kamps, Buderus, Vossloh, Zapf, Merck und Software AG.

Ifo-Index, Frühjahrs-Gutachten und US-Verbrauchervertrauen im Fokus

Einige Händler gehen davon aus, dass sich die Investoren bis zur Veröffentlichung des Ifo-Geschäftsklimaindex am Donnerstag weitgehend mit Engagements zurückhalten werden. Analyst Kaiser erwartet, dass der Ifo-Index unverändert bis etwas schwächer ausfallen und damit Druck auf die Märkte ausüben könnte. Am Freitag könnte die Veröffentlichung des US-Bruttoinlandsprodukts und des Verbrauchervertrauens der Universität Michigan für die weitere Marktentwicklung entscheidend sein, sagten Marktteilnehmer.

Vor dem Hintergrund einer wirtschaftlichen Erholung in diesem Jahr werden in der kommenden Woche auch die neusten Konjunktur-Erwartungen im Mittelpunkt stehen, wenn die sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute am Dienstag in Berlin ihr "Frühjahrs-Gutachten" vorlegen. Mit Spannung wird erwartet, wie optimistisch die Aussagen der Instituts-Experten zu den entscheidenden konjunkturpolitischen Themen bei der Pressekonferenz am Dienstag-Vormittag ausfallen. Die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlands-Produkts (BIP) dürfte sich nach allgemeiner Erwartung nicht deutlich von den jüngsten Aussagen unterscheiden, die einzelne Institute gemacht haben.

Die Schätzungen für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr bewegten sich dabei in einer Spanne von 0,8 Prozent bis 1,2 Prozent. In ihrem vorausgegangenen Herbstgutachten hatten die Institute gemeinsam noch eine BIP-Steigerung um 1,3 Prozent für 2002 vorhergesagt. Die einzelnen Institute waren im Anschluss jedoch in ihren eigenen Prognosen stets unter dieser Zahl geblieben.

Erst am Donnerstag hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf 0,9 Prozent von 0,7 Prozent angehoben und für 2003 ein BIP-Plus von 2,7 Prozent vorhergesagt. Vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wurde hingegen im Vorfeld des Institutsgutachtens signalisiert, dass die eigene Prognose zunächst aufrecht erhalten werden soll. Der Wirtschaftsweise Jürgen Kromphardt sagte zu vwd, es sei verfrüht, die Wachstumsprognose 2002 des Sachverständigenrates von 0,7 Prozent für Deutschland nach oben zu korrigieren. Kromphardt schloss jedoch eine Revision in nächster Zeit keinesfalls aus. Er riet jedoch dazu, die weitere wirtschaftliche Entwicklung noch zu beobachten.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hielt ungeachtet der Aufwärtsrevision durch den IWF für 2002 seine zu Jahresbeginn ausgesprochene niedrigere Erwartung ebenfalls aufrecht. Der DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke sagte, er sehe Deutschland "derzeit noch nicht im Aufschwung". Er warnte vor Prognosen über der Marke von einem Prozent BIP-Wachstum für 2002.

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