Ergebnis übertrifft Erwartungen – Verluste im Autogeschäft in Europa
Sparprogramme bei Ford zeigen Wirkung

Die Sparanstrengungen des US-Automobilherstellers Ford zahlen sich aus: Die Gewinne steigen, Pleitebefürchtungen verstummen, und der Aktienkurs steigt. In Europa macht Ford allerdings Verlust.

kk/hof NEW YORK/FRANKFURT. Der US-Autokonzern Ford Motor Co. hat die Prognosen der Analysten für das erste Quartal 2003 weit übertroffen. Mit 896 Mill. $ lag der Gewinn doppelt so hoch wie erwartet. Trotz des unsicheren Umfelds hält das Unternehmen mit Sitz in Dearborn/Michigan an seiner Zuversicht für das laufende Jahr fest. Konkurrent General Motors Corp. (GM) hatte sich dagegen am Dienstag skeptisch gezeigt, die eigenen Ziele zu erreichen. Im vergangenen Jahr hatte Ford im ersten Quartal noch einen Verlust von 1,1 Mrd. $ gemacht. Grund für die Ergebnisverbesserung waren vor allem Kostensenkungen und das gute Geschäft der Finanzierungssparte Ford Credit. Sie steuerte fast die Hälfte des Gewinns bei.

David Healy vom Finanzhaus Burnham Securities sagte, das Quartalsergebnis von Ford werde wahrscheinlich einige Zweifler umstimmen. "Ich schätze, es wird nun etwas einfacher für sie, die 70 Cent zu erreichen", sagte Healy. Diese Zielgröße hat Ford für den Gewinn je Aktie im Gesamtjahr genannt, was einem absoluten Ertrag von 1,2 Mrd. $ entspräche. Für das zweite Quartal rechnet Ford mit einem Gewinn von 10 US-Cents je Aktie, 3 Cent weniger, als die Analysten bisher erwarteten. Die Zuversicht für das Gesamtjahr aktivierte auch die Investoren: Die Ford-Aktie legte zeitweise um mehr als 10 % zu.



Der Umsatz des Autokonzerns stieg von Januar bis März um 3,5 % auf 40,9 Mrd. $, obwohl weniger Fahrzeuge abgesetzt wurden. Trotz der aggressiven Sonderangebote auf dem US-Markt konnte Ford im Gegensatz zu GM den Durchschnittspreis für seine Autos um 0,2 % erhöhen. Die Preise für Autos von GM sind um 3 % gesunken.

Zum ersten Mal veröffentlichte Ford Ergebnisse für Einzelsparten: Danach hat das reine Automobilgeschäft der Marke Ford in Europa einen Verlust von 249 Mill. $ im ersten Quartal eingefahren. Im Vorjahr waren es laut Unternehmen 288 Mill. $. Herausgerechnet ist bei dieser Betrachtungsweise aber das Geschäft von Ford Credit in Europa, das im vergangenen Jahr in der Summe zu einem Gewinn der Europa-Aktivitäten unter dem blauen Ford-Oval führte. Ob es auch nach der neuen Berechnungsweise in diesem Jahr, wie angekündigt, gelingen wird, in Europa schwarze Zahlen im Autogeschäft zu schreiben, ließ Ford offen. Eine Sprecherin von Ford Europa verwies aber auf große Fortschritte auf der Kostenseite und steigende Marktanteile: "Wir sind gut im Plan."

Der US-Mutterkonzern will in Europa auf jeden Fall Gewinne sehen. Das machte David Thursfield, in der Ford-Zentrale für das Geschäft außerhalb der USA zuständig, kürzlich deutlich: "Wir erwarten Profit. Ich wäre enttäuscht, wenn es anders käme."

Dagegen hat die Premier Auto Group, in der die Marken Volvo, Jaguar, Land Rover und Aston Martin gebündelt sind, ihre Verluste auf 88 Mill. $ noch erhöht. Begründet wird dies mit niedrigeren Nettopreisen und Modellwechseln beim Sorgenkind Jaguar.

In den USA will Ford an seinem Plan festhalten, die Produktion im zweiten Quartal um 17 % zu drosseln. Grund dafür sind die hohen Lagerbestände, die derzeit um 25 % höher liegen als noch vor einem Jahr. Die Aktie von Ford war im März eingebrochen. Damals hatte der Konzern angekündigt, dass er die Produktion reduzieren will. Investoren sorgten sich bereits um die Kreditwürdigkeit des Autobauers. Sie wurden etwas beruhigt, als Standard & Poor?s ihre Beurteilung von Ford bestätigte und dem Konzern Erfolg bei der Kostensenkung bescheinigte.

Nachzügler Ford

Die Veröffentlichung von Spartenergebnissen ist für andere Automobilhersteller schon lange Standard. Der wichtigste Ford-Konkurrent General Motors hat sich während der vergangenen Jahre nicht hinter den Verlusten seiner Europa-Tochter versteckt - und die Defizite in Milliardenhöhe publiziert. Auch Daimler zeigte sich gegenüber seinen Investoren verhältnismäßig offen und gab die hohen Verluste bei der US-Sparte Chrysler bekannt. Sogar der eher publizitätsscheue VW-Konzern lässt sich in die Bücher seiner Sparten schauen. zel

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