Ergebnis völlig offen
Atemloser Endspurt im teuersten US-Wahlkampf aller Zeiten

Die beiden Spitzenkandidaten Bush und Gore konzentrierten sich am Montag auf Wahlauftritte in umkämpften Bundesstaaten. Auch 24 Stunden vor Öffnung der Wahllokale gibt es keine sicheren Vorraussagen über das Ergebnis.

dpa WASHINGTON. Mit einem letzten atemlos wirkenden Sprint der Spitzenkandidaten Al Gore und George Bush durch umkämpfte Bundesstaaten ist am Montag der teuerste Wahlkampf in der Geschichte der USA zu Ende gegangen. Das Ergebnis war am Montag noch immer völlig offen.

Weniger als 24 Stunden vor Öffnung der ersten Wahllokale gab es keine sicheren Voraussagen, ob Vizepräsident Gore das Weiße Haus erneut für die Demokraten erobert oder ob die Republikaner mit dem texanischen Gouverneur Bush nach acht Jahren wieder an die Spitze des Staates zurückkehren. Die gleiche Unklarheit gilt für den bislang von den Republikanern knapp beherrschten Kongress. Es wird damit gerechnet, dass die Demokraten sowohl Sitze im Repräsentantenhaus als auch im Senat dazu gewinnen. Ob es für Mehrheiten reicht, ist offen. Das Wahlergebnis dürfte - wie zuletzt vor 40 Jahren im Rennen zwischen John F. Kennedy und Richard Nixon - erst am Mittwochmorgen (Ostküstenzeit) vorliegen.

Geringe Wahlbeteiligung erwartet

Gore und Bush konzentrierten sich am Montag noch einmal auf Auftritte in Bundesstaaten, deren Stimmabgabe die entscheidende Mehrheit im Wahlmänner- und frauengremium bringen kann, das letztlich den Präsidenten bestimmt. Im Gore-Lager gab es eine vorsichtige Zuversicht, dass der Vizepräsident hier schließlich die Nase vorn haben könnte. Er lag in den wichtigen einwohnerreichen Staaten Florida, Pennsylvania und Michigan einige Punkte vor Bush. Dessen knapper Vorsprung in nationalen Umfragen verringerte sich am Montag noch ein wenig.

Nach einer Übersicht der "Washington Post" haben Parteien und Interessengruppen die Rekordsumme von drei Mrd. $ (etwa 7,5 Mrd. DM) in den seit vielen Monaten tobenden Wahlkampf um Weißes Haus und Kongress investiert. Hinzu kommt eine weitere Milliarde für Wahlkämpfe auf Bundesstaatsebene. "Das ist jenseits von allem, was wir jemals erlebt haben", sagte Larry Makinson vom "Center for Responsive Politics", einem unabhängigen Institut, das die Wahlkampfinanzierung beobachtet. Größter bekannter Einzelspender war das Kommunikationsunternehmen AT&T, das 2,2 Mill. $ an die Republikaner und 1,2 Mill. an die Demokraten gezahlt hat.

Trotz dieser gewaltigen Materialschlacht werden die Parteien aber allenfalls die Hälfte der Amerikaner an die Wahlurnen bringen. Etwa 100 Mill. Amerikaner werden nach Umfragen von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch machen. 1996 war die Wahlbeteiligung mit 49 % auf den tiefsten Stand seit 72 Jahren gefallen.

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