Ergebnis von Continental blieb hinter Rekordjahr 1999 zurück
Continental rollt weiter Richtung Elektronik

Mit der Übernahme der Daimler-Chrysler-Tochter Temic macht Continental einen wichtigen Schritt hin zum Anbieter kompletter Fahrwerkssysteme.

dpa HANNOVER. Aus Vision wird Realität: Die Continental AG rollt konsequent Richtung High-Tech-Zulieferer in Sachen Elektronik. Zweieinhalb Jahre nach dem Kauf des Bremsen-Spezialisten Teves setzt Konzernchef Stephan Kessel mit der Übernahme der Daimler-Chrysler - Tochter Temic beim Umbau des traditionsreichen Reifenherstellers einen weiteren Eckstein. 623 Mill. Euro lässt sich Conti den "Riesenschritt" hin zum Anbieter kompletter Fahrwerkssysteme kosten - und zahlt zunächst auf Pump.

Die "hübsche Tochter" Conti-Tech ist noch nicht verkauft, der Erlös steht aus steuerlichen Gründen frühestens Anfang 2002 in den Büchern. Außerdem ließ Kessel am Montag auf der Bilanzpressekonferenz in Hannover offen, ob für die Übernahme ein Teil 8,1 Millionen Aktien verwendet werden, die im Jahr 2000 zurückgekauft worden waren (Wert derzeit rund 132 Mill. Euro).

Die Börse honorierte die Kaufankündigung nicht: Der Conti-Kurs sackte bis zum frühen Nachmittag um mehr als 3 % auf 16,40 Euro ab.

Conti

wird zunächst 60 % von Temic übernehmen. Für den Kauf der restlichen Anteile hat das Unternehmen bis zu drei Jahre Zeit. Würde dieser Zeitrahmen voll ausgeschöpft, müsste Conti 633 Mill. Euro zahlen. Rund 5 800 Mitarbeiter und einen Umsatz von 1,1 Mrd. Euro (2000) holt Kessel an Deck, beim Conti-Tech-Verkauf gehen rund 13 000 Beschäftigte und 1,5 Mrd. Euro über Bord. "Temic ist die Keimzelle des künftigen Konzernbereichs Conti - Elektronik", schwärmte der Conti-Vorstandsvorsitzende. Das Unternehmen ermögliche eine Verknüpfung aller elektronischen Komponenten im Fahrzeuge, erschließe neue Chancen im Wachstumsmarkt der Fahrzeugelektronik und biete umfangreiche Synergien. Die Sparte Automotive Systems (ehemals Teves) gehörte schon bisher zu den großen Temic-Kunden, kaufte Bremselektronik und Sensoren für ABS- und ESP- Systeme. Zusammen mit Daimler-Chrysler brachte sie 70 % des Temic-Umsatzes. Doch nicht alle Temic-Teile passen ins Conti-Konzept. Das "Feintuning" soll der 2000 in den Conti-Vorstand geholte Ex-BMW - Mann Wolfgang Ziebart übernehmen, der neben der Sparte Automotive Systems auch Temic führen wird. Ein möglicher Teil-Verkauf von Temic blieb am Montag offen.

Automotive Systems als elementarer Wachstumsträger der künftigen Continental AG hat 2000 im Konzern mit rund 3 Mrd. Euro (knapp 6 Mrd. DM) erstmals den größten Umsatzanteil beigetragen. Das Ergebnis vor Steuern betrug 216,1 Mill. Euro nach 156,1 Mill. Euro im Vorjahr. Die Umsatzrendite von 3,3 % ist noch eher mager, soll bald auf 4 % steigen. "Dann setzen wir uns neue Ziele", sagte Kessel. Zum Temic-Ertrag sagte er mit Hinweis auf Daimler-Chysler nichts. "Aber wird kaufen nichts, was nicht profitabel ist."

Ebit blieb hinter Rekordjahr 1999 zurück

Wesentlich renditestärker waren 2000 die zum Verkauf stehende Conti-Tech mit 7,8 (Ziel: 7,0) % und die Sparte Autoreifen mit 6,7 (10) %. Im Konzern strebt Kessel bei 10,1 Mrd. Euro Umsatz eine Umsatzrendite von 6,5 % an - nach 4,3 % in 2000. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) blieb mit 432,4 Mill. Euro um 15,4 % hinter dem Rekordjahr 1999 zurück. Der Reingewinn betrug 204 Mill. Euro. Das Unternehmen will eine Dividende von 0,51 (0,46) Euro pro Stückaktie zahlen. Kessel erwartet für 2001 trotz schwierigen Umfelds und massiven Preisdrucks weiteres Wachstum bei Umsatz und Ergebnis.

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