Ergebnisse am Mittwoch
Anzeichen für MKS-Ausbruch verdichten sich

Tierärzte stufen die Entdeckung gravierender als die bisherigen Verdachtsfälle ein. 100 Ferkel aus einem kleinen Schweinemastbetrieb im Kreis Steinfurt (Münsterland) sind in der Nacht vorsorglich getötet worden. Um den Hof wurde ein Sperrbezirk eingerichtet, in dem etwa 60 landwirtschaftliche Betriebe liegen.

rtr/dpa STEINFURT. In Horstmar-Leer im Münsterland ist der erste dringende Verdachtsfall auf Maul- und Klauenseuche (MKS) in Deutschland entdeckt worden. Angesichts der Symptome Fieber, Entzündungen und lahmender Gang der Tiere hätten ein privater und ein Amtstierarzt diesen Fall als gravierender eingestuft als die früheren Verdachtsfälle, sagte ein Sprecher des Kreises Steinfurt am Dienstag. Mit ersten Ergebnissen der Blutproben der getöteten Tiere wurde Mittwoch früh gerechnet. Auch in Hessen gab es nach Angaben des Sozialministeriums einen konkreten MKS-Verdacht bei zehn Schafen. Die Tiere zeigten starke Symptome. Erste Testergebnisse wurden ebenfalls Mittwoch erwartet.

Der betroffene kleine Mastbetrieb im Münsterland liegt rund 50 Kilometer von der niederländischen Grenze und 25 Kilometer vom Bundesland Niedersachsen entfernt in einer Region, die wegen der großen Viehbestände als "Fleischgürtel" Deutschlands bezeichnet wird. Der Bestand von 100 Ferkeln wurde bereits in der Nacht getötet. Die Ferkel stammen nach offiziellen Angaben nicht aus den benachbarten Niederlanden, wo die Seuche grassiert, sondern von einem Betrieb im Kreis Steinfurt.

Nordrhein-Westfalens Agrarministerin Bärbel Höhn (Grüne) sagte Reuters-TV, ein Ausbruch der Seuche wäre angesichts der hohen Viehdichte in der Region "einer der größt-anzunehmenden Unfälle, die uns passieren könnten". Es müssten dann wohl Zehntausende oder gar Hunderttausende Tiere getötet werden. Die Behörden bereiteten alles vor, um im Ernstfall sofort tätig werden zu können. Die Maßnahmen beträfen die Ausweitung des Sperrbezirks, Impfungen und die Tötung von Viehbeständen in den Sperrbezirken. Die Bezirksregierung Münster wies die Kreise Borken, Coesfeld und Steinfurt an, im Umkreis von zehn Kilometern um den betroffenen Hof keine Ausnahmegenehmigungen für Tiertransporte mehr zu erteilen.

Landrat Thomas Kubendorff (CDU) sagte, um den Hof sei ein Verdachtssperrbezirk mit einem Durchschnitt von fünf Kilometern eingerichtet worden. Darin lägen etwa 60 landwirtschaftliche Betriebe mit rund 10 000 Schweinen und 1 000 Rindern. Im gesamten Kreis Steinfurt gebe es 900 000 Schweine und 150000 Rinder.

Kreisveterinär Christoph Brundiers sagte, bei der Erkrankung es könnte sich im günstigen Fall um die harmlose so genannte Bläschenerkrankung handeln. Da der Hof keinen Kontakt zu Ländern gehabt habe, die von MKS betroffen sind, sei noch völlig unklar, wie es zur eventuellen Übertragung der Virusinfektion gekommen sei. Höhn sagte, sollte sich der Verdachtsfall bestätigen, müsste der Virus durch Personenkontakte übertragen worden sein.

In einer Gärtnerei im mittelhessischen Krofdorf-Gleiberg seien zehn Schafe erkrankt, die MKS-Symptome zeigten, teilte das hessische Sozialministerium mit. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Verdacht bestätigt, sei hoch. Die Tiere hätten starke Symptome gezeigt, sagte eine Mitarbeiterin. Das Ministerium alarmierte nach eigenen Angaben sofort das Krisenzentrum und richtete einen Sperrbezirk ein. Mit einem Polizeihubschrauber seien die Blutproben der sofort getöteten Schafe ins Untersuchungslabor nach Tübingen geflogen worden. Ergebnisse wurden für Mittwoch nachmittag erwartet.

Das Land Niedersachsen will im Abstand von 20 Kilometer zur niederländischen Grenze Tiere gegen die Seuche vorsorglich impfen und hat Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) aufgefordert, bei der EU eine entsprechende Genehmigung einzuholen. Die EU lässt bisher nur nach Ausbruch der Seuche in der betroffenen Region so genannte Notfallimpfungen zu. Das Verbraucherschutzministerium in Berlin erklärte dazu, bei einem Seuchenausbruch bestehe die Möglichkeit einer Impfung. Erst wenn ein Fall bestätigt sei, könnte geimpft werden. Die Entscheidung, zu impfen, obliege dem jeweiligen Bundesland.

In den Niederlanden gibt es zwölf bestätigte Infektionsherde. Dort wurde mit Impfungen bei Tieren begonnen, die geschlachtet werden sollen. Die Ende Februar in Großbritannien (945 Fälle) ausgebrochene Seuche hat neben den Niederlanden bislang auch auf Frankreich, Irland und Nordirland übergegriffen. Auch in Dänemark wurde am Dienstag der erste Verdachtsfall bekannt. Sie kann Klauentiere wie Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen befallen, ist aber für den Menschen ungefährlich.

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