Ergebnisse einer Studie
Versorger bestimmen Energiehandel nach Enron-Debakel

Nach dem Zusammenbruch des amerikanischen Energiehändlers Enron und dem Rückzug anderer unabhängiger US-Händler wird der europäische Stromhandel einer Studie zufolge künftig vor allem von den Handels-Abteilungen großer Versorger bestimmt. Der durch die Enron-Krise 2002 mitverursache Rückgang der Handelsvolumina dürfte in Deutschland schon in diesem Jahr wieder wett gemacht werden.

Reuters DÜSSELDORF. Bei keinem der befragten Energieunternehmen stehe derzeit eine Ausgliederung des Strom-Handels zu einem klassischen Handelshaus an, sagte Karlheinz Bozem, Geschäftsführer der Energieberatungsagentur Booz Allen Hamilton am Mittwoch bei der Vorstellung einer Studie zum Energiehandel in Düsseldorf.

Vielmehr diene der Energiehandel den großen Unternehmen momentan primär zur Vermarktung selbst erzeugter Energie. Etwa 70 % des Handelsvolumens der elf befragten, von der Erzeugung bis zum Endkundenvertrieb integriert aufgestellten Energieunternehmen stünden "in direktem Zusammenhang mit dem Absatz der eigenen Erzeugung beziehungsweise dem Zukauf für den eigenen Vertrieb". "Die Möglichkeit, durch den Eigenhandel zusätzliche Gewinnpotenziale zu erschließen, ist zurzeit eher sekundär", sagte Bozem. Man sehe heute deutlich mehr die Risiken, vor allem bei Termingeschäften.

Nachdem der weltgrößte Energiehändler Enron durch Bilanzfälschungen ruiniert worden war, hatten sich auch andere selbstständige US-Energiehändler vom europäischen Markt zurückgezogen und dadurch für einen Einbruch der Liquidität an den europäischen Strombörsen gesorgt. Dieser Einbruch wird Bozem zufolge in Deutschland schon in diesem Jahr überwunden. Im nebenbörslichen OTC-Geschäft (Over the counter) rechnet Booz Allen Hamilton in seiner Energiehandels-Studie mit einer Steigerung des Handelsvolumens auf zwischen 1 800 und 2 400 Terrawattstunden. Damit läge das Handelsvolumen nur knapp unter dem bisherigen Höchstwert von 2 500 Terrawattstunden im Jahr 2001. Im Enron-Krisenjahr 2002 war das Handelsvolumen auf 1 350 Terrawattstunden geschrumpft.

Treibende Kraft bei der Steigerung der Handelsvolumina sei die Liberalisierung der Energiemärkte. So dürfte in Frankreich mit der dort für 2007 angepeilten völligen Marktöffnung eine deutliche Erhöhung der frei gehandelten Strommengen einher gehen. In Skandinavien mit einem bereits heute sehr hohen Liberalisierungsgrad dürften diese Steigerungen dagegen nur marginal ausfallen.

Mittelfristig wollen alle in der Studie befragten Energieunternehmen auch in den Erdgas-Handel einsteigen. Wegen des noch unzureichenden Wettbewerbs kommt dieser Handel Bozem zufolge aber noch nicht so recht in Gang: "Es wird mit Sicherheit noch Jahre dauern, bis sich der Gashandel in Deutschland etabliert hat."

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