Ergebnisse von Sal. Oppenheim und Trinkaus & Burkhardt können sich trotz des Krisenjahres sehen lassen
Privatbanken schlagen sich wacker

Einige Experten läuten bereits die Totenglocken für die Privatbanken. Die schwierige Kapitalmarktlage und die Konkurrenz durch die Branchenriesen setzen ihnen zu. Doch ein genauer Blick enthüllt: Privatbanken mit klarem Geschäftsfokus zeigen sich quicklebendig und drängen gar einige Großbanken in die Defensive.

ali/nw/rp DÜSSELDORF. Das schwierige Marktumfeld macht auch den deutschen Privatbanken zu schaffen: Die Lage an den Kapitalmärkten hat die vermögende Kundschaft verunsichert. Folglich hält sie sich mit Investments zurück. Zudem versuchen die Großbanken, stärker in das profitable Geschäft mit den vermögenden Privatkunden vorzudringen.

Doch Privatbanken mit klarem Geschäftsfokus wie Sal. Oppenheim oder HSBC Trinkaus & Burkhardt (T&B) trotzen der Krise. "Von den Großpleiten dieser Tage lesen wir auch nur aus den Zeitungen", sagte Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter des Kölner Bankhauses Sal. Oppenheim bei der Bilanzvorlage seines Hauses. Aus dem Kreditgeschäft zieht sich die größte deutsche Privatbank mehr und mehr zurück und konzentriert sich auf die Geschäftsfelder Vermögensverwaltung und Investment-Banking. Der Jahresüberschuss vor Steuern sank zwar bei Oppenheim auf 97 Mill. Euro (Vj. 119,4 Euro). Doch sei das Ergebnis in 2000 wegen des Einmalbetrages von 20 Mill. Euro aus dem Verkauf der Rheinboden Hypothekenbank verzerrt.

Auch der Düsseldorfer Wettbewerber T&B zeigt sich zufrieden. Dabei verzeichnete die Bank einen Rückgang des Betriebsergebnisses um 27 % auf ca. 93 Mill. Euro. "Wenn man die Betriebsergebnisse nach unseren strengen Kriterien errechnet, dann mussten die Großbanken aber Rückgänge bei den Betriebsergebnissen zwischen 59 % und 338 % einstecken", sagte Sieghardt Rometsch, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter. Auch T&B macht nicht mehr alles und konzentriert sich auf die Felder Privatkunden, Firmenkunden und Finanzinstitutionen.

Allerdings sind die meisten deutschen Privatbanken nicht mehr so unabhängig, wie sie sich gern darstellen. T & B beispielsweise gehört mit einem Anteil von 73,5 % zur britischen HSBC, der weltweit zweitgrößten Bankengruppe. Auch die Banken Merck Finck, Reuschel, Schröder Münchmeyer Hengst oder die Bethmann Bank sind im Laufe der Jahre von Großbanken geschluckt worden.

Als "unabhängig" gelten nur noch Institute wie Sal. Oppenheim, M.M. Warburg, die Bankhäuser Lampe, Metzler und Delbrück. Insgesamt ist die Zahl der Privatbanken in den zurückliegenden Jahren drastisch geschrumpft. Noch 1975 waren es 124 private Geldhäuser. Und der Schrumpfungsprozess wird sich voraussichtlich fortsetzen. Die Nürnberger Schmidt-Bank konnte Ende letzten Jahres nur durch Gründung einer Auffanggesellschaft vor dem Konkurs gerettet werden. Die Schmidt-Bank war durch ihre großzügige Vergabe von Krediten in die Schieflage geraten.

Nun steht das Bankhaus Delbrück, Berlin/Köln, mit dem Rücken an der Wand. Im Januar hatte Peter von der Heydt, Sprecher der Geschäftsführung erklärt: "Die Situation ist schwierig". Als Ursachen für die Krise wurden neben dem allgemein schwierigen Bankenjahr - mit drastisch gesunkenen Einnahmen im Wertpapierbereich - vor allem Problemkredite genannt. "Das Geschäftsmodell des Privatbankiers ist ausgesprochen stimmig in dieser Zeit", sagt dennoch Jörg E. Cramer, persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Hauck & Aufhäuser. Voraussetzung sei aber, dass es konsequent umgesetzt wird mit Konzentration auf die individuelle Betreuung der Kunden. Er sieht die Hauptursache für die Probleme einiger Wettbewerber darin, dass sie versucht haben, das Geschäftsmodell der Großbanken übernehmen zu wollen.

Aus diesem Grund will Oppenheim der fokussierten Strategie treu bleiben. Auch in der Königsdisziplin des Bankgewerbes, dem Investmen-Banking, spielen die Kölner vorne mit. Nach Transaktionsvolumen gerechnet kommt Oppenheim bei auf Deutschlandbezogene Fusionen und Übernahmen auf Rang sechs - und liegt damit etwa vor Merrill Lynch. Den Angriff der Großbanken beim Private Banking sieht man auch in Köln gelassen: "Die Kunden haben von den ewigen Restrukturierungen dort genug und suchen Unabhängigkeit."

Quelle: Handelsblatt

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