Ergebnisverbesserung im April
DAB Bank verringert Verlust

Der Münchener Onlinebroker DAB Bank hat durch drastische Einsparungen seinen Verlust im ersten Quartal 2002 um mehr als 20 % verringert, die Erwartungen der Analysten aber dennoch nicht ganz erfüllt.

rtr MüNCHEN. Die Verwaltungskosten seien in den ersten drei Monaten um 25 % gesunken, sagte Vorstandschef Matthias Kröner auf der Hauptversammlung der HypoVereinsbank-Tochter am Mittwoch in München. Daher habe sich der Verlust nach Steuern auf 18,2 Mill. ? von 23,8 Mill. ? im Vorjahresquartal verringert. Wegen der weiter schwachen Börsenentwicklung brach der Provisionsüberschuss um knapp 27 % auf 19,3 Mill. ? ein. Die Märkte seien weiter von Unsicherheit geprägt, deshalb sei Optimismus für 2002 nicht angebracht, sagte Kröner. Mit weiteren Einsparungen will er die DAB Bank 2003 unabhängig von der Marktentwicklung in die schwarzen Zahlen bringen.

Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Verlust nach Steuern von 16,3 Mill. ? gerechnet, knapp zwei Mill. ? weniger als der verbuchte Verlust. WestLB-Analyst Johannes Thormann bezeichnete die Zahlen daher als enttäuschend. Lediglich der Provisionsüberschuss habe über seinen Schätzungen gelegen. Der Zinsüberschuss war wegen einer Änderung der Anlagestrategie um die Hälfte auf 5,3 Mill. ? geschrumpft. Die im Nemax50 des Neuen Marktes gelisteten DAB-Aktien stiegen dennoch knapp ein Prozent auf 7,37 ?.

Kröner: Spürbare Ergebnisverbesserung im April

"Das Jahr 2002 wird das letzte von zwei kritischen Jahren in unserer Entwicklung sein", sagte Kröner vor seinen Aktionären. Nach einem Boom des Online-Banking im Jahr 2000 leiden die Direktbanken wie der bisherige europäische Marktführer Comdirect oder der künftige Branchenprimus, der durch die Übernahme der Nürnberger Consors AG durch die französische BNP Paribas entsteht, seit fast einem Jahr unter den schwachen Börsen. Anleger halten sich beim Aktienhandel zurück, was die Onlinebroker durch die sinkende Zahl von Transaktionen zu spüren bekommen.

Bei der DAB Bank, mit 558 700 Kunden die drittgrößte Direktbank Europas, ging die Zahl der ausgeführten Transaktionen im ersten Quartal auf 1,2 Mill. von knapp zwei Mill. im Vorjahreszeitraum zurück. Mit dem vor kurzem eingeführten neuen Preismodell sei der Provisionsüberschuss pro Transaktion aber schon fast 20 % auf 16 ? gestiegen, sagte Kröner. Erfolge der Sparmaßnahmen machte der Vorstandschef vor allem in den Wochen nach dem ersten Quartal aus: "Der April zeigt uns, dass wir trotz weiterhin geringer Transaktionszahlen das Ergebnis spürbar verbessern können. Nach vorläufigen Auswertungen haben wir hier eines der besten Ergebnisse der vergangenen zwölf Monate auf AG-Ebene erzielt."

Wenig optimistisch für Marktentwicklung 2002

Für das Gesamtjahr gab sich Kröner wenig optimistisch und schloss erneut einen Verlust nicht aus. Die ursprüngliche Planung, schon 2002 die Gewinnschwelle zu erreichen, sei von 12,9 Transaktionen je Depot ausgegangen. "Da diese Kennzahl im ersten Quartal 2002 bei 8,7 lag, werden wir unser Erlösziel ohne ein Anspringen der Börse für dieses Jahr nicht erreichen können", hieß es in dem Quartalsbericht. Die DAB Bank werde aber bis Jahresende weitere 80 der 880 Stellen abbauen und bei den IT-Kosten und dem Marketingaufwand sparen. Unter anderem habe die Bank ihr Sponsoring für den Fußballverein Schalke 04 und die Basketballbundesliga beendet. Der Verwaltungsaufwand soll 2002 um 20 % auf 185 Mill. ? sinken. Damit werde die DAB Bank schon ab zehn Transaktionen je Depot profitabel, hieß es.

DAB erwägt Ausstieg aus dem Neuen Markt

Bis zum Sommer dieses Jahres will die DAB Bank zudem über einen möglichen Ausstieg aus dem Neuen Markt entscheiden. Nach mehreren Betrugsfällen habe der Neue Markt vor allem bei ausländischen Investoren ein schlechtes Image. "Wenn ich als Anlageobjekt auf Grund des Marktsegmentes gemieden werde, dann muss mir das Sorge bereiten", sagte Kröner. Von der Marktkapitalisierung und den Börsenumsätzen her sei die DAB Bank MDax-fähig, fügte er hinzu.

Bei der erwarteten weiteren Konsolidierung des europäischen Onlinebanking-Marktes will die DAB Bank mitmischen, bekräftigte der Vorstandschef. Dazu würden mit mehreren möglichen Partnern Gespräche über eine Kooperation geführt. Auch Fusionen oder Übernahmen schloss Kröner nicht aus. Die Aktionäre sollen auf der Hauptversammlung unter anderem den Rückkauf eigener Aktien genehmigen, die möglicherweise als Akquisitionswährung eingesetzt werden können. Ende April hatte die BNP die Mehrheitsübernahme von Consors angekündigt, womit die Tochter Cortal zum größten Online-Broker in Europa aufsteigt.

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