Ergebnisverbesserung im Visier
Bertelsmann setzt auf Konsolidierungskurs

Der neue Bertelsmann-Chef Gunter Thielen erwartet vom Konsolidierungskurs des Gütersloher Konzerns in diesem Jahr eine klare Gewinnsteigerung und will die aktuell günstige Bewertung von Medienunternehmen für kleinere Zukäufe nutzen.

Reuters FRANKFURT. "Wir machen eine Mischung aus Konsolidierung und Vorwärtsbewegung", beschrieb Thielen am Donnerstagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten die Strategie des weltweit fünftgrößten Medienkonzerns. Er könne sich Abrundungszukäufe im Verlagsgeschäft vorstellen, aber auch in der Musiksparte und bei der TV-Tochter RTL Group. Trennen will sich der Konzern dagegen vom Internetgeschäft BOL und dem Fachverlag BertelsmannSpringer, den Thielen mit rund einer Milliarde Euro bewertet. Nach der Restrukturierung der zuletzt defizitären Musik- und Buchclub-Sparten sieht Thielen alle Bereiche 2003 in den schwarzen Zahlen.

"Es ist nicht die Zeit der ganz großen Visionen", sagte Thielen, der den Ende Juli zurückgetretenen Thomas Middelhoff an der Spitze des Bertelsmann-Konzerns ablöste. Middelhoff war unter anderem mit seinem aggressiven Expansionskurs bei der Familie Mohn, die Bertelsmann zu drei Vierteln kontrolliert, angeeckt. Der Konzern werde sich trotz verunglückter Ausflüge zum Beispiel in Welt der Musiktauschbörsen nun aber nicht auf sich selbst konzentrieren. "Ich bin sehr bekannt als ziemlich expansiv", sagte Thielen, der die Mediendienstleistungssparte von Bertelsmann, Arvato, groß gemacht hat.

Stärkung des Kerngeschäfts im Vordergrund

Im Vordergrund aller Ausbaupläne stehe die Stärkung der Kernbereiche, betonte Thielen. Das Internet betrachte er vorwiegend als Vertriebskanal, nicht mehr als eigenes Geschäft. Deshalb werde Bertelsmann die verbliebenen BOL-Gesellschaften in Deutschland, den Niederlanden und Schweden verkaufen oder schließen. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass in Zukunft noch andere Bereiche abgegeben würden. "Man kann immer sein Portfolio überdenken." Die Sorgenkinder im Konzern sind BMG (Musik) und Direct Group (Buchclubs), die im ersten Halbjahr 2002 operativ Verluste geschrieben haben. Deren Restrukturierung mache aber Fortschritte, sagte Thielen. Bertelsmann sehe 2003 alle Bereiche in den schwarzen Zahlen, die Direct Group zumindest mit einem ausgeglichenen Ergebnis.

Im laufenden Jahr rechnet Thielen mit einer deutlichen Verbesserung des Ergebnisses gegenüber 2001, für das wegen der Umstellung des Berichtsrhythmus auf das volle Kalenderjahr allerdings noch keine Geschäftszahlen auf vergleichbarer Basis vorliegen. Im letzten vollen Geschäftsjahr 2000/2001 (gefolgt von einem halbjährigen Rumpfgeschäftsjahr) hatte Bertelsmann einen Umsatz von 16,7 Mrd. Euro und einen Vorsteuergewinn von 2,1 Mrd. Euro erzielt. Die Umsatzrendite will der Konzern in den nächsten drei Jahren auf zehn Prozent steigern von derzeit drei bis vier Prozent.

Durch den vereinbarten Kauf des Musiklabels Zomba werde die Verschuldung von Bertelsmann bis Jahresende auf rund 3,7 Mrd. Euro ansteigen. "Das ist zu viel", sagte Thielen. Ziel sei ein Schuldenstand von zwei bis 2,5 Mrd. Euro. Deshalb müsse Bertelsmann das profitable Fachverlagsgeschäft verkaufen. "Wir werden BertelsmannSpringer nur verkaufen, wenn wir den Preis bekommen, den wir wollen." Die Gruppe publiziert unter anderem den "Platow Brief" und die "Ärzte Zeitung" und ist mit 749 Mill. Euro Umsatz Deutschlands größter Fachverlag.

Bertelsmann hatte mit Zomba-Chef Clive Calder eine Kaufoption für seinen Mehrheitsanteil an dem Label für rund drei Mrd. Euro vereinbart, der aber durch eine Prüfung des Unternehmenswertes noch verifiziert werden muss. Berichte, Bertelsmann wolle den Preis für Zomba noch drücken, kommentierte Thielen nicht. Bei der Prüfung hätten sich einige Aspekte ergeben, "die dazu führen, dass wir weiter sprechen", sagte er. Mit einem Ergebnis rechne er vor Weihnachten.

Auch bei Börsengang keine Quartalsberichte

Mit der anvisierten Steigerung der Profitabilität werde Bertelsmann für einen möglichen Börsengang ab 2005 fit gemacht, sagte Thielen. Dann hat nämlich die belgische Groupe Bruxelles Lambert (GBL) das Recht, ihren 25,1-prozentigen Anteil an die Börse zu bringen. Ob der Großaktionär dies tatsächlich vorhabe, wie das "Wall Street Journal" jüngst berichtet hatte, wisse er nicht, sagte Thielen. Jedenfalls werde der Konzern auch bei einer Börsennotierung keine Quartalsberichte veröffentlichen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%