Ergebniswachstum durch neue Struktur
Deutsche Bank fürchtet keine Rezession

Der Primus unter den deutschen Banken zeigt sich zuversichtlich, was die wirtschaftliche Entwicklung im laufenden Jahr angeht. Das Ergebnis der Deutschen Bank werde auch 2001 um mindestens 15 % steigen, kündigte Rolf-E. Breuer an. Der Bankchef sprach sich für eine Lösung der Verflechtungen in der deutschen Wirtschaft aus.

FRANKFURT/M. Während andere deutsche Großbanken eher holperig aus den Startlöchern gekommen sind und für das Gesamtjahr 2001 eine Verlangsam des Wachstums ankündigen, will die Deutsche Bank AG den Gewinn nach Steuern und die durchschnittliche Eigenkapitalrentabilität nach Steuern in den kommenden drei Jahren um jeweils mindestens 15 % steigern. Eventuell anfallende Erlöse aus Beteiligungsverkäufen seien darin nicht enthalten, betonte Finanzvorstand Clemens Börsig bei der Bilanzpressekonferenz. Bis 2007 will sich das Institut von seinem Beteiligungsbesitz im Marktwert von rund 19 Mrd. Euro trennen, wie es im Herbst hieß.

Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer geht davon aus, dass das Umfeld für Banken weiter schwierig bleibt. Er teilt aber nicht die allgemeine Grabesstimmung. "Wir glauben nicht an den Weltuntergang und wir glauben nicht an eine Rezession in Amerika", sagte Breuer. Zudem werde die Deutsche Bank dank ihrer guten strategischen Positionierung besser abschneiden als die Wettbewerber.

Der Start in das laufende Jahr sei zufriedenstellend verlaufen, sagte Breuer. "Wir haben in manchen Geschäftsfeldern besser abgeschnitten, als angesichts des Marktumfelds zu erwarten war. Dies gilt vor allem für den Handel, wo wir weitere Marktanteile hinzugewinnen konnten", betonte der Bank-Chef. Breuer machte aber keinen Hehl daraus, dass sich andere Geschäftsfelder, in denen Kurshöhe und Umsatz die Provisionseinnahmen bestimmen, angesichts des schwierigen Marktumfeldes schwächer entwickelt haben. "Das erste Quartal 2001 ist nicht mit dem ersten Quartal 2000 zu vergleichen. Sehr wohl aber mit dem zweiten, dritten und vierten des vergangenen Jahres". Genauere Angaben wollte Breuer angesichts des Zeitpunktes Ende März über den Verlauf der ersten drei Monate nicht machen.

Zum vierten Quartal, so Breuer, seien einige Missverständnisse entstanden. Die Ergebnisentwicklung sei über das ganze Jahr 2000 sehr konstant, betonte er. Rechne man aus dem herausragenden zweiten Quartal den Ertrag aus dem Verkauf von Allianz-Aktien in Höhe von gut zwei Mrd. Euro heraus und bereinige das vierte Quartal um Sondereffekte von 200 Mill. Euro, so ergebe sich eine solide Entwicklung. Im ersten Quartal 2000 hat die Deutsche Bank 1,6 Mrd. Euro verdient, im zweiten ohne den Allianz-Verkauf 1,2 Mrd. Euro, im dritten und im vierten jeweils 1,0 Mrd. Euro. Rein von den Erträgen her sei das vierte Quartal das zweitbeste des vergangenen Jahres gewesen, sagte Breuer. Die gesamten Erlöse der Deutschen Bank im Jahr 2000 belaufen sich auf 28,7 Mrd. Euro, der Jahresüberschuss beträgt 4,9 Mrd. Euro. Breuer zeigte sich erfreut, dass alle fünf Unternehmensbereiche zu dem Rekordergebnis beigetragen haben.

Einen spürbaren Beitrag zum Erreichen der Wachstumsziele erwartet sich Breuer von der neuen Struktur der Deutschen Bank mit einem "Firmenkundenturm" und einem "Privatkundenturm". Durch die Verzahnung des Investment-Bankings mit dem Firmenkundengeschäft erwartet Breuer Marktanteilsgewinne gegenüber den reinen Investmentbanken. Nach eigenen Schätzungen liegt die Deutsche Bank in diesem Geschäftsfeld weltweit auf Platz drei hinter JP Morgan Chase und der Citigroup.

Im Geschäftsfeld Privatkunden und Asset Management strebe die deutsche Bank die Marktführerschaft an, gab Breuer die Richtung vor. Gegenwärtig liegt die Deutsche Bank in der Vermögensverwaltung auf Platz sechs in der Welt. Hinsichtlich der Deutschen Bank 24 (die das breite Privatkundengeschäft abdeckt) betonte der Vorstandssprecher, es gebe keine Absichten, sich von den 100 % Kapitalanteil zu trennen. Auf mittlere Sicht, wenn sie einige Bilanzen vorgelegt habe, könne er sich aber einen Börsengang vorstellen.

Zugleich stellt die Deutsche Bank ihre neuen Corporate Governance Regeln vor. Durch diese sollen mögliche Interessenskonflikte zwischen einer Tätigkeit bei der Deutschen Bank und im Aufsichtsrat eines anderen Unternehmens verhindert werden. So ist zum Beispiel nach diesen Grundsätzen der Aufsichtsratsvorsitz in einem konzernfremden Unternehmen ausgeschlossen. Es gehörten aber immer Zwei dazu, so Breuer. Die betroffenen Unternehmen müssten signalisieren, das sie künftig auf einen Mandatsträger der Deutschen Bank verzichten möchten - mit Ausnahme der Deutschen Börse AG. Hier schließt Breuer einen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender aus: "Dies ist eine Ausnahmesituation." Zum Wohl des Finanzplatzes Frankfurt bleibe er solange, wie es erforderlich sei, im Amt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%