"Erhebliche Risiken" für die Wirtschaft
IWF vernichtet Hoffnung auf Konjunkturaufschwung

Weltweit hat sich die Hoffnung auf einen robusten Konjunkturaufschwung zerschlagen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) korrigierte in seinem am Mittwoch in Washington veröffentlichten Weltwirtschaftsbericht die Wachstumsprognosen erheblich nach unten und nannte als Gründe den Einbruch an den Aktienmärkten, die Sorge über die Bilanzskandale in den USA und die Schuldenkrise in Südamerika.

HB WASHINGTON/BRÜSSEL/BERLIN/MÜNCHEN. Auch die EU-Kommission rechnet erst von 2003 an mit mehr Wachstum in der Eurozone. In Deutschland sank unterdessen der viel beachtete ifo- Geschäftsklimaindex als Stimmungsbarometer der Wirtschaft zum vierten Mal in Folge.

Nach Einschätzung des IWF könnte ein Ölpreisschock - als Folge eines möglichen Irak-Krieges - das globale Wachstum zusätzlich deutlich dämpfen. "Es bestehen erhebliche Risiken", sagte Chefökonom Kenneth Rogoff in Washington. Für Deutschland korrigierte der IWF seine Frühjahrsprognose für 2003 besonders drastisch nach unten: Auf zwei Prozent (minus 0,7 Prozentpunkte). In der Europäischen Union rechnet der IWF jetzt noch mit 2,3 % (-0,6) Wachstum, in den USA mit 2,6 % (-0,8) und weltweit mit 3,7 % (-0,3). Die Annahmen könnten noch zu optimistisch sein, warnt der IWF. Wegen des hohen US-Leistungsbilanzdefizits sei ein Einbruch des Dollarkurses mit Turbulenzen für die Weltwirtschaft nicht auszuschließen. In Argentinien sieht der IWF einen "beispiellosen Kollaps des Wirtschaftslebens".

In diesem Jahr traut der IWF der deutschen Wirtschaft noch 0,5 % (-0,4 Prozentpunkte) Wachstum zu. Die Bundesregierung geht offiziell noch von 0,75 % aus. Wenn die Prognosen einträfen, hätte Deutschland unter den Industrieländern mit Ausnahme Japans das schwächste Wachstum, sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr. Rogoff sagte dazu: "Langfristig ist in Deutschland jede Menge zu tun, um größeres Wachstum zu erreichen: Es sind flexiblere Arbeitsmärkte nötig, mehr Spielraum für je nach Region unterschiedliche Löhne und (eine Lösung für das) Problem der alternden Bevölkerung."

Das minimale Wachstum in der Eurozone wird sich nach Einschätzung der EU-Kommission frühestens von 2003 an beschleunigen. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die durchschnittliche Wachstumsrate für 2002 die Ein-Prozent-Marke übersteigen wird", sagte EU- Wirtschaftskommissar Pedro Solbes zum dritten Quartalsbericht über die Wirtschaftslage in den zwölf Ländern der Eurozone.

Die Erholung der Inlandsnachfrage sei hinter den Erwartungen zurückgeblieben. "Die derzeitigen Schwankungen an den Börsen und bei den Ölpreisen sind Zeichen eines unsicheren Umfelds und schlagen auf das Verbraucher- und Investitionsverhalten durch", hieß es weiter. Auch steige die Arbeitslosenquote im Euro-Gebiet, und mit einem Rückgang sei aller Wahrschweinlichkeit nach auch nicht vor dem kommenden Jahr zu rechnen.

Nach Einschätzung des Bundesfinanzministeriums wirkt sich die Auseinandersetzung über einen von der amerikanischen Regierung vorbereiteten Irak-Krieg bereits auf die Stimmung in der deutschen Wirtschaft aus. Die erneute Verschlechterung der Geschäftserwartungen deutscher Unternehmen sei "im Zusammenhang mit den gestiegenen geopolitischen Spannungen zu sehen", erklärte das Ministerium am Mittwoch zum Geschäftsklimaindex. Ökonomisch habe sich dies bereits im Anstieg der Ölpreise niedergeschlagen. "Darüber hinaus dürften sich die anhaltenden Unsicherheiten über die weitere Entwicklung der US-Konjunktur belastend ausgewirkt haben", stellte das Ministerium fest.

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