Erhebliche Umsatzeinbußen und Imageschäden durch Plagiate
Chinas Fälscher kopieren jede Marke

Für markenbewusste Shopper ist China ein Einkaufsparadies - attraktive Marken sind scheinbar billig zu haben. Doch hinter den Logos von Adidas oder Lacoste verbergen sich meist schlechte Nachahmungen.

aha PEKING. Auf Pekings "Seidenmarkt" treten sich die Touristen Tag für Tag gegenseitig auf die markenbeschuhten Füße. Dicht an dicht drängeln sie sich durch die engen Gassen zwischen den Verkaufsständen. Gore-Tex reibt sich gegen die konkurrierende Klimafaser Sympatex, Körper in Markenware von Tommy Hilfinger drücken sich gegen Helly Hansen-Jacken. Im Sommer bestimmen die Sporthemden von Lacoste, Nike und Adidas das Bild.

Hier auf dem Xiu-Shui-Seidenmarkt finden westliche Shopper alle Marken, die sie aus der Heimat kennen - und das auch noch erheblich billiger als in heimischen Boutiquen. Die Ware sieht zwar aus wie echt, ist es aber in den seltensten Fällen. Für Markenfetischisten ist China ein scheinbares Paradies - solange sie als Käufer unterwegs sind.

Den Herstellern treibt die Kopierwut der Chinesen dagegen die Zornesröte ins Gesicht. "Das ist ein massives Problem für uns", sagt Klaus Flock, Managing Director von Adidas in Hong Kong.

China-Investoren schließen sich zusammen

Doch Chinas Fälscher kupfern längst nicht nur Textilien ab: Rund ein Drittel aller Fa-Seifen und Cremes in Chinas Supermarktregalen stammen nicht aus der Produktion von Henkel, berichtet Hans-Jochen Beleke, Repräsentant des Düsseldorfer Konzerns in Peking. Über 60 internationale China-Investoren haben sich im vergangenen Jahr zur "China-Anti-Counterfeiting Coalition" zusammen getan - neben Henkel unter anderen Adidas und die Konzerne Bayer, Volkswagen und Daimler-Chrysler.

Der Schaden, den die Fälscher den Markenherstellern zufügen, ist enorm. Fast 2,5 Mill. RMB (etwa 600 000 DM) wären allein die rund 4 000 nachgemachten Windschutzscheiben im Handel wert gewesen, die Daimler-Chrysler im vergangenen Dezember zerstören ließ.

Schlechte Qualität gefährdet Image

Nicht nur entgangene Umsätze bereiten den Markenartiklern Sorge. Die schlechte Qualität der Kopien droht in einigen Fällen überdies dem Ruf der Originale erheblich zu schaden: "Die Kundin, die in einer Fa-Dose nur ein Gemisch aus Öl und Wasser findet, wird keine Fa-Creme mehr kaufen", sagt Henkel-Repräsentant Beleke.

Insgesamt 30 Mitarbeiter sind deshalb bei Henkel damit beschäftigt, den Fälschern auf die Spur zu kommen. Der Markenschutz kostet das Unternehmen in jedem Jahr rund eine Million Mark. Daimler-Chrysler bringt inzwischen auf seine Ersatzteile Hologramme auf, um sie als Originale zu kennzeichnen. Henkel hat diesen Plan wieder aufgegeben: Schon bevor er verwirklicht war, fand man auf dem Markt Kopien.

So gleicht der Kampf gegen die Plagiate einer Schlacht gegen Windmühlen. Zwar kassiert die Polizei die Fälschungen ein, wenn sie Fake-Fabriken hochnimmt. Doch mitunter verkaufen korrupte Ermittlungsbeamte konfiszierte Ware an die Fälscher zurück.

Geringe Strafen für Fälscher

Auch die Strafen für die Fälscher bleiben gering. Sie richten sich der gängigen Rechtsprechung folgend nach dem Umsatz, den die Fälscher mit ihren Kopien gemacht haben. Der ist in der Regel mangels geordneter Buchführung schwer nachzuweisen, so dass man sich an den Lagerbeständen orientiert. Eine Fake-Firma in Schanghai, die mit ihren nachgemachten Henkel-Klebstoffen Schätzungen des Unternehmens zufolge einen Umsatz von Millionen RMB gemacht hat, kam mit einer Strafe von umgerechnet 700 DM davon.

Zwar zeigt sich Peking beim Feldzug gegen Raubkopierer kampfesmutig. Doch je konkreter die Maßnahmen gegen Fälscher werden, desto schwieriger werden sie: "Natürlich ist kein Polizeichef glücklich, wenn wir die einzige Fabrik im Dorf zumachen lassen," erklärt Dietrich Ohlmeyer, Chef der Henkeltruppe gegen Raubkopierer. Gerüchte machen zudem die Runde, dass Firmen, die zum weitverzweigten Besitz von Chinas Militär gehören, westliche Produkte kopieren, wenn die Nachfrage nach ihren einheimischen Erzeugnissen zurück geht. Die Polizei zuckt in solchen Fällen spätestens vor dem Kasernentor hilflos die Schultern. Auf dem Xiu Shui-Seidenmarkt wachen allerdings Polizisten darüber, dass die Händler ihre Läden pünktlich um 18 Uhr schließen.

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