Erhebliche Wachstumserwartungen in Kursen enthalten
Biotechbranche erlebt eine Renaissance

Während viele deutsche Biotechfirmen noch mit Finanzierungsproblemen kämpfen, feiert der Sektor an den US-Börsen ein eindrucksvolles Comeback. Nach einem drastischen Wertverfall in den vergangenen drei Jahren hat der Nasdaq-Biotechindex seit März immerhin mehr als 60 % zugelegt. Und etliche Einzelwerte zeigten eine noch stärkere Performance. Der US-Konzern Genentech etwa, ohnehin bereits ein Schwergewicht der Branche, konnte alleine in den vergangenen vier Wochen seinen Wert mehr als verdoppeln, ebenso wie einige Vertreter aus dem Genomics-Sektor.

FRANKFURT/M. Anleger, die auf diesen Zug jetzt noch aufspringen wollen, können dies inzwischen also nicht mehr zum Schnäppchenpreis tun. Vor allem bei den großen US-Biotechfirmen sind bereits erhebliche Wachstumserwartungen in den Kursen enthalten. Im Schnitt werden diese Unternehmen immerhin mit mehr als dem Zehnfachen ihres Umsatzes und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 40 bewertet. Biotech-Experten wie der Münchner Fonds-Berater Michael Fischer sehen daher günstigere Bewertungen eher bei Unternehmen aus der zweiten Reihe, die bislang nicht so stark im Rampenlicht stehen.

Auch wenn sich einige Topwerte aus dem Sektor inzwischen wieder in dünner Luft bewegen, gilt die Renaissance der US-Biotechbranche insgesamt als solide abgesichert. Denn ihre Ausgangsbasis erscheint inzwischen in deutlich verbesserter Verfassung. Den wohl entscheidenden Beitrag dazu lieferten eine Reihe positiver Studien, die auf der diesjährigen Konferenz der American Society for Clinical Oncology (Asco) präsentiert wurden. "Die Asco-Konferenz hat das Vertrauen in den Erfolg neuartiger Krebstherapien verstärkt", so die Analysten von Goldman Sachs.

Derartige Erfolge sind extrem wichtig, weil sie die Forschungsstrategien vieler Biotechfirmen zumindest im Grundsatz bestätigen, und die Pipeline der Branche erscheint damit in einem deutlich günstigeren Licht als noch im vergangenen Jahr, als man zahlreiche Fehlschläge zu verkraften hatte. Ein typisches Beispiel dafür ist das von der US-Firma Imclone entwickelte Krebsmittel Erbitux, das die US-Arzneimittelbehörde FDA vor zwei Jahren noch ablehnte. Eine Studie der Darmstädter Merck KGaA hat nun jedoch die Daten von Imclone bestätigt. Als Imclone am Freitag ankündigte, auf Basis der Merck-Daten einen neuen Zulassungsantrag zu stellen, verlieh das den Aktien des US-Biotechunternehmens nach dem ohnehin steilen Anstieg der vergangenen Wochen zusätzlichen Schub.

Fast noch eindrucksvoller war das Comeback des Krebsmittels Avastin von Genentech. Nachdem der Wirkstoff im vergangenen Jahr in der Brustkrebsbehandlung enttäuschte, hatten ihn die meisten Analysten und Fondsmanager schon als kapitalen Flop abgeschrieben. Als Genentech jetzt überraschend starke Daten zur Wirksamkeit bei Darmkrebs präsentierte, mussten institutionelle Investoren ihre Einschätzung komplett revidieren.

Ein großer Posten auf der Habenseite der Biotechbranche ist auch Mark McClellan, der neue Chef der Food and Drug Administration (FDA). Seit er vor einem halben Jahr das Ruder bei der US-Behörde übernommen hat, haben eine ganze Reihe wichtiger Biotech-Produkte eine Zulassung erhalten, etliche davon früher als zunächst erwartet.

McClellan stellt nicht nur schnellere Bearbeitungszeiten in Aussicht. Er demonstriert auch Bereitschaft, innovative Produkte auf relativ schmaler Datenbasis zu akzeptieren - vorausgesetzt sie bieten Fortschritte auf Gebieten mit großem medizinischen Bedarf. Genau das haben viele Biotechfirmen zu bieten.

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