Erhebliche Wertpapier-Verluste
Börsenbaisse trifft Münchener Rück hart

Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück ist im dritten Quartal vom Kursverfall der internationalen Börsen hart getroffen worden und erwartet auch im Schlussquartal erhebliche Wertpapier-Verluste.

Reuters MÜNCHEN. "Die extreme Kapitalmarktsituation belastet uns stark", sagte Vorstandsmitglied Jörg Schneider am Donnerstag in München in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Für das dritte Quartal wies das Unternehmen nach Milliarden-Abschreibungen auf seine Wertpapierbestände einen Fehlbetrag von 859 Millionen Euro aus. Analysten sagten, das entspreche den Erwartungen. Im Vorquartal hatte das Unternehmen 383 Millionen Euro Verlust verzeichnet, im dritten Quartal 2001 waren es wegen der Anschläge des 11. September sogar 1,2 Milliarden Euro gewesen.

Deutlich mehr Beitragseinnahmen

Die Bruttobeiträge steigerte der Konzern, der mit seiner Tochter Ergo auch im Erstversicherungsgeschäft aktiv ist, im Berichtsquartal auf 9,163 (Vorjahr 8,771) Milliarden Euro.Von Januar bis September erhöhte das Unternehmen diese Einnahmen damit auf 29,611 (25,826) Milliarden Euro. Für die ersten neun Monate 2002 wies die Münchener Rück insgesamt einen Überschuss von 3,239 Milliarden (Vorjahr 85 Millionen) Euro aus. Ein großer Teil dieses Gewinns stammt allerdings aus Aktienverkäufen in der ersten Jahreshälfte. Die Münchener Rück, die zu den größten institutionellen Investoren an den Weltbörsen zählt, musste allein im dritten Quartal 2,7 Milliarden Euro auf ihre Wertpapierbestände abschreiben. Das führte zu einer Ergebnisbelastung von 1,1 Milliarden Euro. Das Eigenkapital, auf das sich solche Abschreibungen nach dem Bilanzierungsstandard IAS auswirken, ging um 2,7 Milliarden Euro auf 16,6 Milliarden Euro zurück.

Bis zum vierten Quartal hohe Wertberichtigungen

Auch im vierten Quartal werde durch die Schwäche der Aktienmärkte erheblicher Wertberichtigungsbedarf entstehen, hieß es. Zusammen mit dreistelligen Millionenbelastungen durch Stürme im Oktober und 700 Millionen Euro durch die großen Beteiligungen Allianz und HypoVereinsbank (HVB) werde im Quartal erneut ein Verlust entstehen. Das Unternehmen gehe aber von einem Überschuss im Gesamtjahr 2002 aus, der die Zahlung einer unveränderten Dividende von 1,25 Euro je Aktie erlaube. Zur Höhe des erwarteten Überschusses könne er "heute beim besten Willen nichts sagen", sagte Schneider. Auch für das kommende Geschäftsjahr gab die Münchener Rück keine Ergebnisprognose ab. Das Beitragswachstum werde sich 2003 allerdings abschwächen, hieß es.

Fortschritte im Kerngeschäft

Im Kerngeschäft Rückversicherung, wo das Unternehmen andere Versicherungsgesellschaften versichert, meldet das Unternehmen weitere Fortschritte. So sei es gelungen, Preise und Konditionen für die Rückversicherungskontrakte zu verbessern. Die Schaden-Kosten-Quote, das Verhältnis der Schadenzahlungen und Verwaltungskosten zu den verdienten Prämien, habe im Quartal 114,1 Prozent betragen, wobei 11,3 Prozentpunkte auf die Überflutungen und andere Naturkatastrophen entfallen seien.

Zu Spekulationen über eine weitere Konsolidierung im deutschen Finanzsektor sagte Schneider, eine Erhöhung der Beteiligung an der Commerzbank von derzeit rund zehn Prozent sei nicht beabsichtigt. Er stellte klar, die Münchener Rück sei nicht gegen ein Zusammengehen der Commerzbank mit der HVB, an der sie 25,7 Prozent hält. "Aber wir forcieren das nicht, sondern treten als Beobachter auf", fügte er hinzu. Die Banken selbst müssten ihre Hausaufgaben machen. Zuvor hatte er gesagt, die ebenso in München ansässige HVB sei auf gutem Weg.

Analysten monieren unklaren Ausblick

Analysten werteten das Quartalsergebnis als wenig überraschend, monierten aber den unklaren Ausblick und die langsamen Fortschritte im Rückversicherungsgeschäft. "Den Ausblick finde ich enttäuschend", sagte Analyst Arne Jockusch vom Bankhaus Merck Finck. Besonders negativ werte er, dass noch erhebliche Abschreibungen auf Aktien nötig seien. Die im Deutschen Aktienindex (Dax) hoch gewichtete Aktie des Versicherers verlor bis zum Mittag 1,4 Prozent auf 146,85 Euro.

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