Erhöhter Ölpreis bremst Konjunktur
Euro zieht kaum Nutzen aus schwachem Dollar

Der Euro hat am Mittwoch kaum von der Dollar-Schwäche profitiert. Händler begründeten dies mit nach wie vor mangelndem Vertrauen in die Gemeinschaftswährung.

Reuters FRANKFURT. Der Euro hat am Mittwoch im Tagesverlauf kaum von der aus den Verlusten der amerikanischen Aktienmärkte resultierenden Dollar-Schwäche profitiert. Händler begründeten dies mit nach wie vor mangelndem Vertrauen in die Gemeinschaftswährung. Zwar hätten Spekulationen über die möglichen Auswirkungen der Schwäche der US-Aktienmärkte auf die US-Konjunktur die Währung gestützt. Doch ließen ausbleibende Anschlusskäufe den Kurs zeitweise auf das Vortagesniveau zurückfallen. Weder Äußerungen von Finanzminister Hans Eichel zum deutschen Stabilitätsprogramm, noch anderer führender Währungspolitiker aus der Euro-Zone lösten nennenswerte Kursreaktionen aus.

Gegen 19.45 Uhr MESZ notierte der Euro mit 0,8690/921 $, nachdem er sich im Tagesverlauf meist um das Schlussniveau vom Vortag bei 0,8721/26 $ bewegt hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) ermittelte den Referenzkurs am Mittag in Frankfurt mit 0,8720 $. Die US-Valuta wurde mit 107,67/72 (107,71/79) Yen gehandelt.

Nach Einschätzung von Analysten könnten Gewinnwarnungen und weitere schlechte Unternehmensergebnisse das Vertrauen in die US-Wirtschaft untergraben und zu einem Abwandern der Kapitalströme in andere Währungen als den Dollar führen. "Besonders Besorgnis erregend ist dabei die niedrige Sparquote (der Amerikaner) und die Abhängigkeit des Konsum-Booms von Kapitalgewinnen", sagte Tony Norfield von der ABN Amro Bank in London. Dies könne den Dollar weiter abschwächen und den Euro stärken. Der technologielastige Nasdaq-Composite-Index notierte am Mittwoch gegen 19.45 Uhr MESZ mit 0,46 % im Minus bei 3225,78 Punkten. Das New Yorker Börsenbarometer Dow-Jones-Index verlor 0,47 % auf 10 474,09 Zähler.

"Angesichts zahlreicher Gewinnwarnungen amerikanischer Unternehmen beginnen die Märkte sich zu fragen, wie lange ausländische Anleger noch in US-Werte investierten, wenn sie dabei oft Verlust machten", sagte ein Händler. Der Präsident der amerikanischen Notenbank in Dallas, Robert Mc Teer, hatte am Dienstagabend bereits erklärt, falls die ausländischen Marktteilnehmer irgendwann die Stärke der US-Wirtschaft anzweifelten, könnte das die Kapitalflüsse in Richtung USA umkehren und dem Dollar schaden.

Die Anleger verkauften zwar Dollar gegen andere Währungen, sagte John Hazelton von der PNC Bank in Pittsburgh. "Sie tun es, aber nicht gegen Euro, zumindest jetzt noch nicht," fügte er hinzu. Die Folge davon sei ein stetiger Rückgang des Kurses im Tagesverlauf gewesen.

Finanzminister Eichel sagte am Mittwoch im Bundestag: "Wenn der Ölpreis auf Dauer auf dem derzeit höheren Niveau bleibt, könnte das einen Bremseffekt auf die Konjunkturentwicklung haben". Derzeit weise aber nichts darauf hin, dass die Ölpreise so hoch bleiben werden. Die Wachstumsprognosen der Bundesregierung von bis zu 3,0 % in diesem und 2,75 % im kommenden Jahr seien vorsichtig genug, um Konjunkturdämpfer abfangen zu können, sagte Eichel weiter.

EZB-Ratsmiglied Tommaso Padoa-Schioppa sagte, die Europäische Zentralbank (EZB) treffe ihre Zinsentscheidungen nicht auf Grundlage der aktuellen Inflation, die derzeit durch die hohen Ölpreise verzerrt sei. "Wir machen unsere Zinsentscheidungen nicht von der aktuellen Inflationsrate abhängig", sagte Padoa-Schioppa am Mittwoch in einem Interview, das die "Financial Times" auf ihrer Internetseite "FT.com" veröffentlichte.

Nach Einschätzung des französischen Finanzministers Laurent Fabius würde eine anhaltende Euro-Schwäche das Wachstum behindern. "Im Moment sehen wir, dass die relative Schwäche des Euros negative Auswirkungen auf die Preise hat", sagte Fabius am Mittwoch in Paris. "Wenn wir daher den Weg eines schwache Euros weiter verfolgen, würde dies unser Wirtschaftswachstum schwächen und die Inflation beschleunigen", fügte er hinzu. Der Finanzminister bekräftigte zudem, der Kurs des Euro sollte die wirtschaftlichen Fundamentaldaten widerspiegeln.

Die von Analysten als positiv gewerteten Daten zur deutschen Industrieproduktion hätten sich kaum auf den Euro ausgewirkt, sagten Händler. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums stieg die Industrieproduktion saisonbereinigt um 1,1 % gegenüber dem Vormonat nach einem revidierten Anstieg von 2,8 % im Juli. Analysten hatten für August im Durchschnitt nur einen Anstieg von 0,4 % vorausgesagt. Das Statistische Bundesamt hatte zudem am Morgen in Wiesbaden mitgeteilt, der deutsche Handelsbilanzüberschuss sei im August im Jahresvergleich auf 4,0 Mrd. von 5,9 Mrd. DM zurückgegangen.

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