Erholung der Biotech-, Banken und Internettitel
Am Neuen Markt kündigt sich die Wende an

Nachdem der Neue Markt die Marke von 1 000 Indexpunkten durchbrochen hat, äußern sind Aktienstrategen wieder vorsichtig optimistisch über die Zukunftsaussichten. Charttechnisch hat der Markt den seit September gebildeten Abwärtskanal verlassen, was gewöhnlich als Kaufsignal gewertet wird.

FRANKFURT/M. Fast jeder fünfte Wert aus dem Nemax 50 hat seit seinen Tiefstständen im September bereits mehr als 100 % zugelegt, der Auswahlindex hat seit seinem niedrigsten Punktestand rund 50 Prozent gewonnen. Nun ist auch die psychologisch wichtige Marke von 1 000 Punkten überschritten: "Es ist ein Zeichen für Vertrauen, wenn sich der Markt oberhalb dieser Marke stabilisiert" glaubt Michael Geiger, Neuer-Markt-Experte von Credit Suisse First Boston in London.

Als positives Signal wertet er auch, dass große Fonds wieder Interesse am Einstieg bei kleineren Gesellschaften zeigen. Generell ist Geiger zwar "vom aktuellen Level ausgehend optimistisch, doch der Spuk ist noch nicht bei allen Werten vorbei", betont er mit Blick auf die Liquiditätslage einiger Unternehmen.

Vor allem aber die unkalkulierbaren Risiken der aktuellen politischen Lage könnten der begonnenen Aufwärtsentwicklung ein jähes Ende bescheren. Wie sensibel die Börse reagiert, zeigte sich auch gestern. Bis zu den Meldungen über das Ausmaß der Milzbrandinfektionen in New York, Gerüchten um den bevorstehenden Einmarsch von US-Bodentruppen in Afghanistan und dem Eingeständnis von US-Notenbankchef Greenspan, dass der Konjunkturmotor stottert, waren die Kurse kontinuierlich gestiegen.

Von einer echten Trendwende zu sprechen, ist den Experten angesichts der Unsicherheiten noch zu gefährlich. "Nach der Übertreibung nach unten erleben wir jetzt eine ganz normale technische Reaktion", sagte ein Händler. Doch auch wenn die Rückschlagsgefahren nicht unterschätzt werden, bleiben die Langfristprognosen positiv.

Einen Indexstand von 1 500 Punkten erwarten beispielsweise die Analysten von West LB Panmure in den nächsten 12 Monaten beim umfassenden Index Nemax. "Wir sehen gerade an den Aktienmärkten den Auftakt für eine mittelfristige Trendwende" meint auch Gerhard Schwarz, Portfolio-Stratege bei der Hypo-Vereinsbank.

Achim Matzke, Charttechnik-Experte bei der Commerzbank, macht Kaufsignale am Neuen Markt aus und sieht die Chance, dass der "Startschuss für eine ausgeprägte Bodenbildung" gefallen ist. Er wittert nun die Gefahr, dass Anleger, nachdem sie die Verkaufssignale ignoriert haben, auch die Kaufsignale ignorierten.

Doch neben und zum Teil auch auf Grund der terroristischen Bedrohung mahnt auch die unsichere konjunkturelle Situation die Experten noch zur Vorsicht. Gewinnwarnungen könnten sich wieder häufen, wenn die Quartalsbilanzen für die Monate Juli bis September veröffentlicht werden. Gestern beispielsweise revidierten bereits IDS Scheer und Bintec ihre Planzahlen. "Wir erwarten gerade für die jetzt beginnende Quartalssaison noch sehr viele negative Nachrichten", sagt Andreas Hürkamp von West LB Panmure. Ob diese bereits bei allen Werten vollständig in den Kursen berücksichtigt sind, scheint eher unwahrscheinlich.

Leerverkäufer müssen sich wieder eindecken

Das überraschend hohe Tempo des Kursanstiegs der letzten drei Wochen begründen Händler denn auch nicht nur mit einem wiedererwachten Interesse bei institutionellen Anlegern, sondern auch mit den Aktivitäten so genannter "Short-Sellern". Wer mit geliehenen Aktien auf fallende Kurse gesetzt hatte, muss sich nun täglich teurer eindecken, um seine Verluste zu begrenzen. "Diese Leute laufen den Kursen hinterher", so ein Händler.

Der Trendwechsel steht daher noch auf tönernen Füßen. Nötig für eine Stabilisierung ist die Verbesserung der Unternehmensperspektiven. "Derzeit werden etwa 80 % der revidierten Prognosen nach unten korrigiert werden. Das muss gestoppt werden", konstatiert Hürkamp. Erst wenn die Hälfte aller Planzahlen wieder nach oben korrigiert würden, sei die Wende geschafft.

Die gestiegenen Handelsvolumina der letzten Tage lassen darauf schließen, dass institutionelle Anleger und auch wieder mehr private auf Einkaufstour sind. Lupus-Alpha Fondsmanager Karl Fickel bestätigt dies: Viele Privatanleger lauerten am Neuen Markt noch immer darauf, ihr verlorenes Kapital irgendwann zurück zu bekommen. "Wir werden schneller die 1 400 Punkte erreichen, als viele glauben", war er sich schon vor Wochen sicher.

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