Erholung des Technologiesektors kam vielleicht zu früh
Tech-Werte belasten europäische Börsen

Die wichtigen europäischen Aktienmärkte haben am Montag ausnahmslos deutlich schwächer geschlossen. Der Dow Jones Stoxx 50-Index gab 2,7 Prozent auf 3 508 Zähler nach.

Reuters FRANKFURT. Händler verwiesen auf die negativen US-Vorgaben sowie auf die vorsichtige Einschätzung der gegenwärtigen Lage der US-Wirtschaft durch den Vorsitzenden der US-Notenbank (FED) Alan Greenspan vom vergangenen Freitag. Danach bestünden bei einer kurzfristigen Betrachtung trotz Anzeichen einer Stabilisierung weiterhin bedeutende Risiken für einen Aufschwung. Dies habe insbesondere Technologiewerten zugesetzt, die in Erwartung einer bevorstehenden Erholung der weltweiten Konjunktur in jüngster Zeit kräftige Zuwächse verzeichnet hatten, sagten Händler. Möglicherweise sei die Erholung des Technologiesektors zu früh und zu deutlich ausgefallen, hieß es weiter.

Der DJ-SToxx-Tech-Index notierte 4,8 Prozent schwächer. Größter Verlierer waren die Titel des finnischen Telekom-Ausrüsters Nokia, die um fast acht Prozent einbrachen. Unter Druck standen auch mehrere Versicherer, die von Rückstufungen durch die Deutsche Bank und Salomon Smith Barney belastet wurden. Die Titel von Axa verloren rund fünf Prozent.

London: FTSE 100 auf tiefstem Stand seit drei Wochen

An der Londoner Aktienbörse verlor der FTSE-100-Index 1,64 Prozent auf 5113,5 Zähler. Dies entspricht dem tiefsten Stand seit drei Wochen. Dabei hätten deutliche Verluste bei Technologie- und Bankenwerten auf dem Börsenbarometer der Standarwerte gelastet. Händler erklärten, Greenspans Äusserungen über die weitere Entwicklung der US-Konjunktur hätten die Stimmung belastet und insbesondere bei Technologiewerten zu Verlusten geführt. Die Titel des Mobilfunkanbieters Vodafone brachen um fast vier Prozent ein. Unter Druck standen auch Bankenwerte. Händler verwiesen hierbei auf die anhaltende Finanzkrise in Argentinien und deren Auswirkung auf britische Banken. Die Titel von HSBC büssten über zwei Prozent ein.

Paris: Axa größter Verlierer

An der Pariser Börse schloss der CAC-40 Index 2,21 Prozent schwächer bei 4454 Punkten. Abgaben im Technologiesektor sowie Verluste bei Versicherern und Medienwerten belasteten laut Händlerangaben den Markt. Alcatel brachen um über vier Prozent ein. Die Titel des Chipproduzenten STMicroelectronics ermäßigten sich um 4,1 Prozent. Händler verwiesen auf den negtiven Effekt der Greespan-Rede vom letzten Freitag auf den Sektor. Größter Verlierer waren die Papiere des Versicherers Axa, die beinahe fünf Prozent verloren. Zuvor hatte JP Morgen die Titel wegen Befürchtungen einer möglichen Verzögerung bei der Umsetzung der Restrukturierungspläne auf "Market Performer" von "Buy" zurückgestuft. Abgaben von rund 4,6 Prozent erlitten die Aktien des Fernsehsenders TF1 .

Zürich: Im Sog der US-Börsen nach unten

Die Schweizer Aktien bauten gegen Sitzungsschluss im Sog der nachgebenden US-Aktien die Verluste aus. Der SMI-Index gab 1,8 Prozent auf 6301 Punkte nach. Händler sagten, vor allem die Finanzwerte, aber auch einzelne Industrietitel hätten markante Verluste verzeichnet. Die Umsätze hätten sich in Grenzen gehalten. Nachdem Fed-Chef Alan Greenspan am Freitag die Erholungseuphorie gedämpft habe, wollten die Marktteilnehmer abwarten, ob die Ergebnisse von Unternehmen und Konjunkturdaten dies nicht widerlegten. Nach der Zustimmung zur Beteiligung des Kantons Zürich an der neuen nationalen Fluggesellschaft Crossair und zu einer Bürgschaft für den Flughafen Unique zogen die Kurse zunächst kräftig an. Dann setzten Abgaben ein und Crossair schloss ein halbes Prozent tiefer. Unique verloren gar 1,2 Prozent. Einem größeren Abgabedruck ausgesetzt waren die Versicherungen. Händler verwiesen auf die zahlreichen Rückstufungen durch diverse Broker, die sich negativer zu Swiss Re und Zurich äußerten. Rentenanstalt sackten 6,5 Prozent, Zurich, Swiss Re und Baloise über drei Prozent ab. Die Banken verloren ebenfalls kräftig an Boden.

Amsterdam: Anleger in Sorge

An der Amsterdamer Börse schloss der AEX-Index um 2,12 Prozent schwächer auf 488 Punkten. Die Rede von Fed-Chef Greenspan habe die Sorgen der Anleger über die Entwicklung der weltweiten Konjunktur geschürt und Technologiewerte unter Druck gesetzt. Die Titel des Indexschwergewichtes Philips gaben um 3,5 Prozent nach, während die Titel von ASML im Vorfeld der am Donnerstag erwarteten Bekanntgabe der Ergebnisse für 2001 Verluste von drei Prozent hinnehmen mussten. Auch Bankenwerte hätten die gedämpften Konjunkturaussichten gespürt, sagten Händler. ING Group verloren 3,67 Prozent, während Aegon gar um 4,25 Prozent nachgaben.

Madrid: Argentinienkrise lastet auf Schwergewichten

In Madrid verlor der Ibex-35-Index deutliche 2,3 Prozent auf 7800 Zähler. Die Unsicherheit über das Ausmaß der Verluste der vier größten spanischen Standardwerte im Sog der anhaltenden Argentinienkrise habe die Kurse belastet, erklärten Händler. Ebenfalls belastend habe sich die schwache Erhöffnung der US-Börsen ausgewirkt, hiess es weiter. Im Bankensektor verloren BSCH 3,3 Prozent, während BBVA 4,1 Prozent nachgaben. Telefonica sanken um 3,4 Prozent. Repsol , die seit Jahresbeginn wegen ihres Engagements in Argentinien deutliche Kursverluste hinnehmen mussten, wurden um 3,5 Prozent zurückgestuft.

Mailand: Finnmeccianica unter Druck

An der Mailänder Börse notierte der MIB-30-Index zum Handelsschluss 2,47 Prozent schwächer auf 31 249 Punkten. Deutlich Verlust von beinahe fünf Prozent mussten die Titel von Finmeccanica hinnehmen. Händler verwiesen auf Berichte, wonach das Unternehmen Übernahmgespräche mit der schuldengeplagten britischen Marconi aufgenommen habe. Zudem habe eine Beteiligung von 18 Prozent am größten europäischen Chiphersteller STMicroelectronics den Wert belastet. ENI büßten im Sog sinkender Rohölpreise rund zwei Prozent ein. Händler erklärten, die Investoren zeigten sich zudem im Hinblick einer wahrscheinlichen Verbesserung der Übernahmeofferte an die britische Enterprise Oil etwas skeptisch. Telecom Italia verloren 2,8 Prozent. Händler sagten, es gebe Befürchtungen, wonach das Unternehmen für 2001 einen Verlust ausweisen könnte. Telecom Italia wird sein Ergebnis 2001 Ende Januar vorlegen.

Stockholm: Herabstufung von Ericsson drückt Tech-Titel

Der schwedische OMX-Index verlor 3,44 Prozent auf 809 Punkte. Deutliche Verluste im Technologiesektor hätten den Markt belastet, sagten Händler. Das Indexschwergewicht Ericsson verlor rund 5,5 Prozent, während der Konkurrent Nokia 5,6 Prozent abgeben musste. Dabei habe eine Herabstufung von Ericsson auf "Reduzieren" von "Halten" durch ABN Amro den Sektor belastet.

Wien: Asbest-Klagen Gift für RHI-Kurs

Der Wiener ATX notierte bei eher flauem Geschäft zum Handelsschluss 0,11 Prozent tiefer bei 1119 Punkten. Unter Druck standen die von Asbest-Klagen in den USA belasteten RHI, die um fast zehn Prozent einbrachen. Das Unternehmen hatte am Dienstag mitgeteilt, sich von allen US-Werken trennen zu wollen und trotz Auflösung von Rücklagen in Höhe von 400 Millionen Euro für 200 einen Jahresverlust von 870 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Abgaben erlitten auch Erste Bank, die 0,5 Prozent tiefer schlossen.

Brüssel: Schlechte Nachrichten von Delhaize

Der belgische BFX-Index ermäßigte sich um 1,47 Prozent auf 2622 Punkte. Dies ist der tiefste Schlussstand seit drei Wochen, hieß es aus Marktkreisen. Dabei lasteten deutliche Verluste bei Finanzwerten auf den breiteren Markt. Fortis und Dexia gaben zwei beziehungsweise 2,5 Prozent nach. KBC verloren zwei Prozent. Unter deutlichem Druck standen die Titel des Einzelhändlers Delhaize, die Verluste von rund zwei Prozent erlitten. Zuvor hatte das Unternehmen einen deutlichen Rückgang seiner Verkaufszahlen im vierten Quartal 2001 bekannt gegeben.

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