Erholung frühestens Anfang 2004: Filmindustrie kämpft ums Überleben

Erholung frühestens Anfang 2004
Filmindustrie kämpft ums Überleben

Die deutschen Filmfirmen stehen mit dem Rücken zur Wand: "Es geht in unserem Markt ums Überleben", betonte gestern Peter Völkle, Chef des Kinderfilmproduzenten TV Loonland AG. Das zeigt sich nicht zuletzt an der Börse. Vor zwei Jahren war das Münchener Unternehmen auf dem Parkett noch 181 Mill. Euro wert, zuletzt kostete TV Loonland 8 Mill. Euro.

jojo MÜNCHEN. Der früher am Neuen Markt notierte Trickfilmspezialist steht mit seiner Talfahrt nicht alleine da: Fast alle börsennotierten deutschen Filmfirmen haben zuletzt enttäuschende Ergebnisse vorgelegt. Die Kurse bewegen sich vielfach um die Marke von einem Euro und darunter. Hohe Abschreibungen sorgten bei zahlreichen Unternehmen für Millionenverluste: So rutschte der Münchener Filmfinanzierer Internationalmedia (IM) mit knapp 100 Mill. Euro in die roten Zahlen. TV Loonland musste einen Fehlbetrag von fast 75 Mill. Euro ausweisen, das ist mehr als das Doppelte vom Umsatz.

Eine ganze Reihe von Filmfirmen hat die Turbulenzen nicht überlebt und ist seit Ende der Blütezeit des Neuen Marktes bereits verschwunden, darunter bekannte Namen wie Kinowelt. Auch Lizenzhändler wie Helkon stecken im Insolvenzverfahren.

Die verbliebenen Unternehmen müssen kämpfen. "Der Druck vom Markt wird in diesem Jahr nicht geringer", warnt Thomas Grillenberger von der Bayern LB. "Vor allem die Fernsehsender betreiben weiter eine rigide Einkaufspolitik, weil es mit den Werbeerlösen frühestens 2004 wieder aufwärts geht." Völkle bringt es auf den Punkt: "Es wird momentan einfach zu wenig gekauft."

Das zeigt sich im Umsatz: Die Einnahmen von TV Loonland fielen 2002 gegenüber dem Vorjahr um mehr als die Hälfte. Viele Filmfirmen sind inzwischen so klein, dass sich Analysten und Anleger kaum noch für die Aktien interessieren. Nach der Neuordnung der Aktienindizes der Deutschen Börse ist mit EM.TV lediglich eine Filmfirma in den wichtigsten Börsenbarometern enthalten.

Beispiel TV-Loonland: Das Unternehmen hat in den vergangenen anderthalb Jahren 150 Stellen abgebaut und beschäftigt nun nur noch 100 Mitarbeiter. Wie andere Firmen auch, haben die Bayern ihre aggressive Auslandsexpansion abgeblasen. Zuletzt wurde eine Beteiligung in Korea mit knapp 10 Mill. Euro Verlust verkauft. Damit sei das Ende der Schrumpfkur aber erreicht. Peter Völkle: "Wir können nicht mehr abbauen, sonst bleibt nichts mehr übrig."

Auch Analyst Grillenberger sieht die Talsohle für die Branche langsam erreicht. "Ich glaube nicht, dass es noch schlimmer kommt. Die Bilanzen sind jetzt weitgehend sauber."

Branchen-Beobachter trauen vor allem den großen Filmproduzenten Constantin Film und Internationalmedia (IM) zu, dass sie langfristig überleben und Gewinne erzielen. Constantin ist führend bei deutschen Filmen, IM gehört weltweit zu den größten Produzenten von so genannten Independent-Filmen, also von Streifen, die nicht aus den großen US-Studios kommen.

Prognosen wagt derzeit kaum eine der Filmfirmen. Nur so viel steht fest: Fast alle Unternehmen haben die Kosten so sehr gedrückt, dass die Ergebnisse im laufenden Jahr besser ausfallen werden als 2002. Auch die Analysten sind vorsichtig positiv in ihren Vorhersagen. Grillenberger: "Constantin und IM sollten in diesem Jahr voraussichtlich in die Gewinnzone kommen."

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