Erholung
Geschäft mit neuen Anleihen lässt Banken hoffen

Im ersten Halbjahr wurden mehr neue Bonds ausgegeben als erwartet. Einen Einbruch gab es hingegen bei Aktienemissionen.

FRANKFURT/M. Im Investmentbanking blasen vor allem die Aktienprofis derzeit Trübsal. Gute Stimmung herrscht dagegen bei den Kollegen von der Anleiheseite. Sie rechnen weiterhin mit einem guten Geschäft, nachdem im ersten Halbjahr das Volumen neuer Bonds die Erwartungen übertroffen hat.

"Das absolut niedrige Zinsniveau macht es für Staaten, Unternehmen und supranationale Adressen attraktiv, sich auf dem Bondmarkt zu refinanzieren", sagt Charlie Berman, einer der Leiter des Anleihegeschäfts bei der Citigroup in London. Da die Zinsen in den USA und der Euro-Zone wohl noch weiter sinken würden, bleibe das Umfeld für neue Anleihen attraktiv. Hinzu komme, dass die Ratingagenturen die Bonität der Unternehmen insgesamt etwas besser einschätzten. Das mache neue Bonds für Investoren interessanter.

Kristian Klasen, der bei ABN Amro in Deutschland institutionelle Kunden betreut, ist zumindest für die nächsten Wochen ebenfalls positiv gestimmt. Viele Anleger hätten noch eine Menge Bargeld, das sie in neue Anleihen investieren wollten. Dies zeigt unter anderem die heute erwartete Emission von General Motors. Der Autokonzern plant zusammen mit seiner Refinanzierungstochter GMAC neue Anleihen über insgesamt 13 Mrd. $. Das ist das drittgrößte Volumen in der Geschichte der Unternehmensbonds - und die Auftragsbücher der Konsortialführer füllen sich gut. Der Markt für Unternehmensanleihen werde zudem von der Erholung der Aktienmärkte gestützt. Allerdings müsse sich nach der Sommerpause im Juli erst noch zeigen, ob die gute Stimmung anhalte, schränkt Klasen ein. Möglicherweise wollten Investoren ihre Gewinne erst einmal sichern und seien deshalb nicht mehr so hungrig auf neue Anleihen.

Die neue Mega-Bond von General Motors ist in den vorläufigen Daten zu den Neuemissionen des ersten Halbjahrs noch nicht enthalten. Dennoch übertreffen die neuen Deals alle Erwartungen. Nach Angaben des Finanzinformationsdienstes Dealogic wurden in diesem Jahr weltweit neue Anleihen über 2,5 Bill. $ begeben - 16 % mehr als in den ersten sechs Monaten 2002. Aus Europa kamen neue Bonds über knapp 804 Mrd. $. Die Spitzenposition unter den Konsortialführern in Europa erreichte die Deutsche Bank, weltweit lag wieder die Citigroup vorne. Das Geschäft war für die Banken noch einträglicher als im vergangenen Jahr. So stiegen die Gebühren weltweit um 18 %.

Sorgen bereitet dagegen das Aktiengeschäft. In Deutschland hängen die Aussichten stark vom Erfolg der Emission der Bank Austria ab. "Der Einfluss wird sehr groß sein", urteilt Paul Lerbinger, Chef des Investmentbanking der Citigroup in Deutschland. Zurzeit läuft die Platzierung von rund 25% der Aktien der österreichischen Bank, die die Mutter Hypo-Vereinsbank verkauft und dabei bis zu 1,2 Mrd. ¤ erlösen will. Auch ein kräftiger Schuss Psychologie wird nach der Erfahrung von Lerbinger ein wichtige Rolle bei der Frage spielen, wie es weitergeht. Er hofft auf die Sommerzeit mit steigenden Aktienkursen und positiven Meldungen aus den Unternehmen. Dann brächten die Vorstände eine gute Stimmung aus dem Urlaub mit und seinen bereit für neue Taten an den Börsen. Momentan liegt das Geschäft brach. In Europa sackten im ersten Halbjahr die Eigenkapitalplatzierungen (Equity Capital Markets, ECM) weltweit um 38% auf 132 Mrd. $ ab. Damit wurde das niedrigste Niveau seit 1995 erreicht. Die einzige Stütze waren Wandelanleihen, die einen Tausch der Anleihe in Aktien ermöglichen. Sie hatten einen Anteil von 55 % an ECM. Siemens, Deutsche Telekom und Infineon mischten hier kräftig mit. Neuemissionen waren hingegen eine Rarität (-76 %). In Europa fiel der Rückschlag mit 49 % auf 31,9 Mrd. $ etwas weniger heftig aus. An der Spitze unter den Konsortialführern weltweit steht Goldman Sachs. In Europa hat Morgan Stanley die Nase vorne.

Im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M & A) setzte sich die Stabilisierung des ersten Quartals nicht fort. Global fiel der Wert der angekündigten Transaktionen um 13 % auf rund 594 Mrd. US $. Europa schlug sich vergleichsweise gut mit einem wenig veränderten Volumen von rund 276 Mrd. US $. Weltweit hält Goldman Sachs seine Spitzenposition im M & A-Markt. In Europa nimmt Merrill Lynch Platz eins ein.

Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller sieht für Deutschland bereits einen Hoffnungsschimmer. Ernst Fassbender, Co-Leiter Investmentbanking bei Lazard in Deutschland beobachtet einen verstärkten Druck der Ratingagenturen, die zu einem stärkeren Handlungszwang im Bereich M & A führen.

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