Erholung nach 11.September möglich
Dax-Ausblick: Anleger sind weiter verunsichert

Die abgelaufene Woche beendete der Deutsche Aktienindex Dax mit einem Minus von rund neun Prozent. Ob der Ausverkauf am Aktienmarkt auch in der kommenden Woche anhält, darüber gehen die Meinungen der Analysten auseinander. Vor dem 11. September ist die Nervosität unter den Anlegern jedenfalls sehr hoch.

rtr/ddp FRANKFURT. Aus Sorge, Sympathisanten der Attentäter könnten am Jahrestag einen Anschlag verüben, herrscht an den Märkten seit Tagen eine angespannte Stimmung. Zwar liege die Wahrscheinlichkeit dafür vielleicht bei fünf Prozent, trotzdem dürften sich die Anleger in den kommenden Tagen sicher zurückhalten, sagte Guiseppe Amato, Aktienstratege beim Broker Lang & Schwarz. Sollte es aber entgegen der Erwartung doch zu einem Anschlag kommen, werde der Markt heftig reagieren. "Dann sind wir im Dax ganz schnell bei 2 800 Stellen und tiefer", sagte er. nsgesamt "scheine die Nervosität ausgesprochen hoch zu sein", schreiben auch die Analysten des Helaba Trust. Hinzu komme, dass sich der September im langjährigen historischen Vergleich als der im Durchschnitt schwächste Börsenmonat erwiesen habe.

Daneben trübten auch andere Faktoren wie die schwache Konjunktur und ein möglicher Militärschlag der USA gegen den Irak die Stimmung, so dass auch nach einem ruhig verlaufenden Jahrestag nicht mit deutlichen Kurssteigerungen zu rechnen sei. "Wir haben strukturelle Probleme. Wenn es ruhig bleibt, wird sich der Blick auf einen möglichen Krieg im Irak und auf die konjunkturellen Sorgen in den USA richten. Vielleicht geht es etwas hoch, aber ich kann nicht glauben, dass sich der Abwärtstrend dann plötzlich in Nichts auflöst", fügte er hinzu.

DZ Bank sieht gute Einstiegsmöglihkeit für nervenstarke Anleger

Auch die DZ Bank weist auf den Jahrestag der Terroranschläge von New York und Washington hin. Allerdings biete die angespannte Lage für weniger nervöse Naturen "gute Einstiegsmöglichkeiten", da ausgewählte Standardtitel günstig bewertet seien. Die "psychologischen Belastungsfaktoren" sollten zudem nach dem 11. September "stark rückläufig sein". Die Analysten halten am deutschen Aktienmarkt Allianz, BASF, Daimler-Chrysler, Eon, Lufthansa, Thyssen-Krupp und Tui für empfehlenswert.

Die Commerzbank rät eher zum Abwarten. In den kommenden Wochen werde der Dax in einem Band zwischen 3 300 und 3 900 Punkten pendeln. Wenn der Index die untere dieser Marken erreiche, sei an Neuengagements bei dividendenstarken und günstigen Werten zu denken.

Pessimistischer ist das Stuttgarter Bankhaus Ellwanger & Geiger. Ungeachtet vereinzelter Aufwärtsbewegungen sei der allgemeine Abwärtstrend intakt, stellen die Analysten fest. Terror- und Kriegsängste sowie enttäuschte Konjunkturhoffnungen stehen einem nachhaltigen Aufschwung entgegen. Auf Grund des "Krisenszenarios" sei es durchaus angebracht, Gold stärker im Depot zu gewichten. Dies könne durch den Kauf von Minenaktien oder Goldzertifikaten geschehen. Gleichzeitig seien aber auch Branchen interessant, die überdurchschnittlich stark verloren hätten. Versicherungswerte beispielsweise seien auf dem derzeit niedrigen Niveau "durchaus interessant".

Test der Tiefstände nicht ausgeschlossen

Insgesamt erwarten Börsianer, dass sich der deutsche Markt angesichts fehlender deutscher Unternehmensnachrichten weitgehend auf die Vorgaben der US-Leitbörsen reagieren wird. "Die Volatilität ist so hoch, und das ist nicht gesund. Ich würde nicht ausschließen, das der Markt die Tiefstände noch einmal testet", sagte der Aktienstratege Klaus Schlote von Dresdner Kleinwort Wasserstein.

Der Dax hatte Anfang August bei 3 235 Punkten den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren erreicht. In der nun zu Ende gehenden Woche hat der Dax per saldo rund neun Prozent auf aktuell 3 375 Punkte verloren. Damit gingen 49 Milliarden Euro der Dax-Marktkapitalisierung verloren - in etwa das doppelte Bruttoinlandsprodukt von Costa Rica.

Technologiewerte vermutlich weiter unter Druck

Hart getroffen wurden in der abgelaufenen Börsenwoche Anleger, die auf Technologiewerte gesetzt hatten: Infineon standen mit einem Minus von fast 17 % an der Spitze der Verlierer, aber auch SAP und Epcos gaben um über 13 % nach. Auch in der kommenden Woche werden nach Einschätzung von Analysten SAP, Infineon und Epcos & Co. wegen des Bemühens der Anleger, ihr Risiko zu minimieren, weiter unter Druck stehen. Die High-Tech-Werte gehören zu den schwankungsanfälligsten Aktien, was in fallenden Märkten stets zu überproportionalen Kursverlusten führt. Die vom VDax gemessene Schwankungsanfälligkeit des Dax tendiert derzeit immer noch auf dem Niveau von Mitte September 2001, als es an den Börsen in Folge der Anschläge auf New York und Washington zu massiven Kursbewegungen kam. Analysten sagten, angesichts der Belastungsfaktoren für den Markt werde die Achterbahnfahrt der Kurse anhalten.

Ein Analyst ergänzte, die Kursentwicklung der Technologiewerte dürfte zudem von Geschäftszahlen ausländischer Konzerne wie Nokia, Oracle und Adobe Systems beeinflusst werden.

Markt erwartet keine Zinssenkung der EZB

Am Donnerstag dürften sich die Augen der Anleger auf die Europäische Zentralbank (EZB) richten. Allerdings sei nicht mit einem Zinsschritt zu rechnen, sagten Händler übereinstimmend. Unter anderem habe der zuletzt stark gestiegene Ölpreis wieder Inflationssorgen geschürt und damit die Spielräume der Notenbank eingeengt. "Der Markt preist zurzeit ein, dass die EZB sich vor dem Ende des Jahres nicht mehr bewegen wird", sagte Alfred Kaiser, Analyst bei der Privatbank Nols. Diesem Urteil schließt sich auch die Mehrheit der von Reuters befragten Volkswirte an.

Auf Seite der Unternehmen dürften allein die August-Verkehrszahlen der Lufthansa und des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport Interesse hervorrufen. Die Lufthansa hatte die Anleger zuletzt mit überraschend guten Quartalszahlen entzückt. Die Fluglinie wird voraussichtlich am Dienstag und Fraport am Freitag die jüngsten Statistiken vorlegen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%