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Erholung von Tagestiefständen

Am Nachmittag konnten sich die New Yorker Aktienmärkte wenigsten zum Teil von den Tagestiefständen erholen. Vor allem Biotechnologie-, und Netzwerkaktien mussten Kursverluste hinnehmen. Die Chipbranche hatte unter Gewinnwarnungen zu leiden. Der technologielastige Nasdaq Index verlor zwei Prozent an Wert , der Dow Jones Index büßte 0,5 Prozent ein.

Bei flauer Nachrichtenlage agieren die Anleger zurückhaltend. Erst im Wochenverlauf ist mit der Veröffentlichung wichtiger Wirtschaftsdaten zu rechnen. Bis dahin werfen die Anleger am Montag einen besorgten Blick nach Japan. Im Land des Lächelns ist das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal unerwartet stark zurückgegangen. Vor allem rückläufige Unternehmensinvestitionen und ein schwächeres Exportgeschäft trugen zu der unerwartet schlechten Entwicklung bei. Denn wenn Weltwirtschaftsmacht Nr. 2 das Lächeln vergeht, ist es nicht verwunderlich, dass auch die Nr.1, die USA, die Stirn in Falten legt. Denn vor dem Hintergrund der anlaufenden Gewinnwarnungssaison machten sich auch Anleger in den USA erneut Sorgen um die wirtschaftliche Erholung.

Und dass sich die US-Konjunktur nicht in dem Maße erholt wie erwartet, dokumentiert zum Wochenauftakt Bear Stearns Chef-Volkswirt Wayne Angell. Denn die für Mai gemeldeten Wirtschaftsdaten deuteten auf ein weiterhin schwaches Wirtschaftsumfeld, so der Experte. Bereits den zweiten Monat in Folge gingen Arbeitplätze verloren, im verarbeitenden Gewerbe allein 124.000 Stellen. Das Umfeld der verarbeitenden Industrie scheint mit einem noch schnelleren Tempo nachzulassen, als erwartet, erklärt Angell. Der nationale Einkäufer-Index ging im Mai von 43,2 auf 42,1 zurück. Der Analyst geht davon aus, dass sich das Wirtschaftsumfeld ab dem vierten Quartal und bis ins Jahr 2002 erholen wird. Unsicher ist weiterhin, wie lange die Konjunktur braucht, um die Überinvestitionen in Technologie zu verdauen - einer der Hauptauslöser für die Abwärtsbewegung.

Und gerade der Technologiesektor geriet zum Wochenauftakt erneut unter Beschuss. Neben Chipaktien büßen vor allem Netzwerkausrüster an Wert ein. Juniper Networks gehört zu den größten Nasdaq-Verlierer und - das bereits am zweiten Tag in Folge. Der Netzwerkausrüster hatte am Freitag vor enttäuschenden Quartalszahlen gewarnt. Der Umsatz dürfte im laufenden Quartal rund 100 Millionen Dollar geringer ausfallen als bisher prognostiziert. Zahlreiche Brokerhäuser, darunter auch Credit Suisse First Boston, stufen die Aktie herab. Negativ äußern sich die Analysten von UBS Warburg auch zu Nortel Networks und Tellabs. Netzwerkkonzern Nortel werde die Umsatzprognosen im zweiten und dritten Quartal voraussichtlich nicht erfüllen, so die Befürchtung der Experten. Auch Lucent, Cisco und Ciena notierten schwächer. Zunächst gegen den Trend, schließlich ihm dann doch ergeben büßte auch Sun Microsystems an Werten. Der Serverhersteller hatte die Anleger vor kurzem auch auf schwächer als erwartete Quartalszahlen vorbereitet. Hier scheint die Nachricht jedoch von den Anlegern bereits weitgehend verdaut zu sein. Chipwerte wie Intel und Alliance gerieten unter Abgabedruck. Auslöser der Talfahrt waren unter anderem die Gewinnwarnungen bei Alliance und Varian. Chiphersteller Alliance rechnet damit, dass der Umsatz im laufenden Quartal im Vergleich zum Vorquartal um bis zu 55 Prozent geringer ausfallen könnte. Varian Semiconductor reduzierte die Gewinnerwartungen für das dritte Quartal und plant rund 20 Prozent der Belegschaft zu entlassen. Die schleppende Nachfrage in der Chip-Industrie wird auch das vierte Quartal von DuPont Photomask verhageln. Der Umsatz des laufenden Quartals soll in einer Spanne von 91 bis 98 Millionen Dollar liegen, das Management peilt ein Ergebnis pro Aktie zwischen dem Break-Even und 19 Cents an. Die durchschnittlichen Erwartungen an der Wall Street lagen mit 52 Cents pro Aktie deutlich höher. Aufgrund des schwierigen Umfelds sollen auch hier sechs Prozent der Belegschaft entlassen werden.

Wenig erfreut zeigten sich die Anleger auch über die Akquisitionspläne von Peregrine Systems. Der Softwarehersteller will Konkurrenten Remey für 1,08 Milliarden Dollar in bar und Aktien übernehmen. Während die Aktie von Remey an Wert gewann, büßte Peregrine Prozente ein. Auch Microsoft notierte schwächer.<</p> p> Zu den größten Dow Jones Gewinnern gehörte am Montag die Aktie von American Express. Laut Anlegermagazin Barron?s stehe der Kreditkartenanbieter in Fusionsgesprächen mit Brokerhaus Morgan Stanley Dean Witter. Der Vorstandsvorsitzende von Morgan Stanley, Philip Purcell, erklärte jedoch, eine Transaktion stehe nicht zur Debatte. Eine Firmensprecherin von American Express wollte auf Anfrage keinen Kommentar abgeben. American Express verwaltet Vermögenswerte in Höhe von 230 Milliarden Dollar. Laut Barron?s dürfte das Kreditkartengeschäft für Morgan Stanley jedoch von großem Interesse sein. Und beliebt scheint American Express als potenzieller Übernahmekandidat allemal. Ende März kursierten bereits Gerüchte, dass die Citigroup American Express ein Kaufangebot unterbreiten könnte.

Über frischen Wind freute sich AOL Time Warner. Der Onlinegigant und Medienkonzern geht eine Allianz mit dem größten chinesischen Computerhersteller, Legend Holdings, ein. Zusammen wollen die beiden Unternehmen interaktive Angebote für den chinesischen Markt entwickeln. Legend Holdings wird mit 51 Prozent die Mehrheit halten. AOL möchte mit seinem Online-Dienst vom Internet-Boom im bevölkerungsreichsten Land der Welt profitieren. Beide Unternehmen werden je 100 Millionen Dollar in das Joint Venture einzahlen.

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