Erholung zu Jahresende erwartet
Experten bei Halbleiterwerten optimistisch

Nach der Gewinnwarnung des deutschen Branchenprimus Infineon rechnen Experten mit weiteren schlechten Nachrichten aus der Halbleiterbranche, erwarten aber zugleich erste Erholungstendenzen am Ende des Jahres. Die Schwäche betreffe die gesamte Branche, auch Unternehmen am Neuen Markt.

Reuters FRANKFURT. Lediglich Nischenanbieter würden die derzeitige Krise relativ unbeschadet überstehen, sagten Experten in einer Umfrage. Der Markt könne sich 2002 wieder erholen, werde aber nicht mehr mit der Dynamik des vergangenen Jahres wachsen.

"Der Branche geht es nicht gut. Das wird bestätigt durch die Meldungen der letzten Tage", sagte Jürgen Wagner, Technologie-Analyst bei Sal. Oppenheim. Neben Infineon hatte der italienisch-französische Infineon-Konkurrent ST Microelectronics vor Verlusten im zweiten Quartal gewarnt und auch der niederländische Technologiekonzern Philips Electronics hatte vergangene Woche Millionenverluste in seiner Chipsparte angekündigt. Kurzfristig werde es weitere schlechte Signale geben, sagte Wagner. Das Technologieunternehmen Epcos etwa werde sich der Entwicklung nicht entziehen können. "Wir gehen davon aus, dass Epcos seine Prognosen für das laufende Jahr nicht wird erfüllen können", sagte Wagner. Am Mittwoch hatte Epcos dagegen bekräftigt, an seinen Prognosen für 2000/2001 festzuhalten. "Erste Signale für einen Aufschwung könnte es Ende des Jahres geben", sagte Wagner. Der Markt werde aber nicht mit der Dynamik von 2000 wachsen können.

Die Halbleiterbranche leidet unter der schlechten Entwicklung ihrer Absatzmärkte Automobil-, Telekommunikations- und PC-Industrie. "Es könnte zu weiteren Gewinnwarnungen kommen", sagte SES Research-Analyst Malte Schaumann. Das zweite Quartal sei wie erwartet schlecht verlaufen. Die derzeitige Marktschwäche betreffe Aixtron als Anbieter von Spezialprodukten jedoch nur in relativ begrenztem Umfang. Der Anlagenhersteller zur Produktion von Verbindungshalbleitern profitiere von wachsenden Märkten. "Gegenüber dem üblichen Halbleiter-Branchentrend stellt sich Aixtron derzeit als relativ robust dar", sagte Schaumann. Da bei vielen Unternehmen weiterer Bedarf bestehe, sei das Potenzial für Aixtron hoch. Schaumann bewertet Aixtron seit März als "Outperformer". Für die gesamte Halbleiterbranche rechnet der Analyst Ende 2001 mit einer leichten Erholung.

Positive Signale für den PC-Markt

Die Branchensituation und-entwicklung müsse unterschiedlich betrachtet werden, sagte BW-Bank-Analyst Rüdiger Kühnle. Unter der Überkapazität im Mobilfunkbereich von rund 50 % litten Unternehmen wie Dialog Semiconductor oder Aixtron. "Hier wird es mittel- bis längerfristig Probleme geben", sagte Kühnle. Dialog könne aber zusätzlichen Umsatz generieren, wenn es wie geplant gelinge, in Japan Fuß zu fassen, wo die Konjunktur für Handys noch ganz gut sei.

Der Bereich "Automotive" laufe weiter sehr gut, eine Abschwächung sei nicht zu erwarten. Davon profitierten etwa Elmos oder Micronas. Im Automobilbau werde zunehmend mehr Elektronik eingesetzt. Allerdings könne es zu Überkapazitäten kommen, wenn andere Unternehmen der Halbleiterbranche auf den Zug aufsprängen. Micronas habe jedoch Absatzprobleme in der Unterhaltungselektronik, sagte Kühnle. "Dies wird Philips auch betreffen", erwartet Kühnle, der mit einer Gewinnwarnung von Philips für diesen Bereich rechnet.

Kühnle sieht für den PC-Markt erste positive Signale aus den USA. Die Speicherkapazitäten von Computern nähmen weiter zu und neue Software motiviere Unternehmen und Private zudem zum Kauf neuer Rechner. "Anfang 2002 müsste hier ein Wachstum zu erkennen sein", sagte Kühnle. Die Chip-Broker ACG oder CE Consumer Electronic könnten dann neben den großen Anbietern von wieder steigenden Preisen für Prozessoren profitieren. Gewinner seien aber zunächst die Computerhersteller wie Dell oder Compaq.

Weitere Gewinnwarnungen erwartet

André Jäkel, Analyst der BHF-Bank, rechnet noch mit einigen Gewinnwarnungen im laufenden Jahr. Während in den USA die Unternehmen der Branche ihre Gewinnprognosen für 2001 deutlich revidiert hätten und von einem Rückgang von 55 % gegenüber dem Vorjahr ausgingen, hätten europäische Unternehmen viel zu lange ihre Prognosen aufrechterhalten. Die Gewinnerwartungen seien lediglich um 25 bis 30 % reduziert worden. "Hier ist noch einiges zu erwarten". Europa hänge konjunkturell zudem noch zurück. Unternehmen passten ihre Budgets an. "Die Probleme fangen für viele jetzt erst an", sagte der Analyst.

Während in den USA bereits im dritten Quartal mit einer Stabilisierung zu rechnen sei, könnte sich eine Erholung in Europa frühestens Ende des Jahres abzeichnen. "Wachstumsprognosen der Analysten für europäische Technologie-Unternehmen von 30 bis 40 % für 2002 liegen noch erheblich über dem, was zu erwarten ist", sagte Jäkel. Die Zahlen müssten revidiert werden. Auf dieser Basis könnten die Unternehmen dann auch wieder positiv überraschen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%