Erholung zum Jahresende
Banken haben Hoffnung für den Dax

Die Konjunkturschwäche hinterlässt ihre Spuren - auch am deutschen Aktienmarkt. Vom Handelsblatt befragte Banken sehen die Entwicklung des Deutschen Aktienindex (Dax) im zweiten Halbjahr nur verhalten optimistisch. Immerhin liegen ihre Konsensschätzungen für den Dax-Stand zum Jahresende um etwa 10 bis 20 % höher als derzeit - auch wenn einige Experten sich bereits gezwungen sahen, ihre noch vor einem halben Jahr abgegebenen Prognosen zurückzunehmen.

FRANKFURT/M. Die Deutsche Bank beispielsweise nennt für den Dax zum Jahresende nur noch ein Kursziel von 6 500 bis 6 600 Punkten. Und dies sei noch der günstigste Fall, wie Alfred Roelli, Leiter Anlage-Strategie Privatkunden, gestern bei einem Pressegespräch in Frankfurt betonte. Noch Ende vergangenen Jahres hatte Roelli den Dax für Ende 2001 bei 8 200 Punkten gesehen. "Es ist einiges schief gegangen, die europäischen Aktienmärkte haben sich deutlich schlechter entwickelt als erwartet", begründete Roelli die neue Prognose. Auch bei der Commerzbank ist die Zuversicht verhaltener geworden. "In Europa wird es noch einige Gewinnrevisionen der Unternehmen geben", meint Aktienstratege Peter Knacke.

Peter Saacke, Aktienstratege für Europa bei Merrill Lynch erwartet, dass sich die Aussichten für die Weltwirtschaft erst weiter eintrüben, bevor sie sich bessern. Er rechnet mit dem Aufschwung für 2002. Dieser dürfte von den USA angeführt werden. Hier ist nach Meinung der meisten Bankhäuser noch in diesem Jahr mit deutlich steigenden Aktienkursen zu rechnen. Die Hoffnungen auf den Aufschwung gründen sich auf die aggressive Zinspolitik der US-Notenbank und die Steuersenkungen in den Vereinigten Staaten. Kursstimulierend dürfte sich zudem die Liquidität auswirken: "In amerikanischen Geldmarktfonds ist die Rekordsumme von 2 500 Milliarden Dollar geparkt", sieht Chefvolkswirt Wolfgang Pflüger von der Berenberg Bank positive Impulse.

Für Europa erwarten die Experten kurzfristig eine weitere Abschwächung der Konjunktur. Getragen durch den bald einsetzenden Aufschwung in den USA und den auch in Europa bevor stehenden Zinssenkungen werde es jedoch auch hier spätestens zum Jahresende wieder zu einer Erholung kommen. "Der starke Dollar wirkt jetzt stabilisierend, weil er der Exportindustrie hilft", meint Kai Franke von der BHF-Bank. Er warnt allerdings vor übertriebenen Hoffnungen: Nach den starken Ertragseinbrüchen bei vielen Unternehmen in diesem Jahr müssten auch für 2002 noch viele Prognosen nach unten korrigiert werden. Franke erwartet in Europa und in den USA durchschnittliche Gewinnzuwächse von 8 bis 10 %. Bislang lägen die Schätzungen aber noch bei gut 15 %. "Damit haben wir im Dax durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnisse für 2002 von 19. Daran gemessen sind Aktien nicht billig", erwartet Franke keine großen Kurssprünge.

Die meisten Anlageexperten sehen zunächst für US-Aktien eher Potenzial als für europäische Titel. Dabei überwiegen nach Meinung der Deutschen Bank bei Wachstumstiteln kurzfristig noch die Risiken, erst mittelfristig dürften diese Papiere wieder interessant werden, so Roelli. Banken und Finanzwerte sollten von einer lockereren Zinspolitik profitieren.

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