Ericsson und Nokia haben die meisten UMTS-Aufträge
Düstere Aussichten für Telekomausrüster

Noch ist kein Licht am Ende des Tunnels für die Telekomnetzausrüster zu erkennen. Auch im nächsten Jahr rechnen sie nicht mit einer bessereren Nachfrage. Die Konzerne leiden unter den Problemen der Kunden: Die Netzbetreiber senken mit ihren Einnahmen lieber Schulden, als das Geld in neue Infrastruktur zu investieren.

STOCKHOLM/DÜSSELDORF. Die Prognose klingt für sich betrachtet recht verhalten - in der Branche der angeschlagenen Telekomnetzausrüster gehört sie aber zu den euphorischen Voraussagen: "Wir erwarten, dass die weltweiten Umsätze in diesem Jahr bis einschließlich 2004 flach bleiben", sagte Pascal Debon, Präsident der Netzsparte bei Nortel Networks, dem Handelsblatt. Seine Konkurrenten sind weitaus skeptischer: Mit einem Umsatzrückgang von 10 bis 15 % rechnen Netzausrüster wie Ericsson und Nokia für das laufende Jahr, und einen weiteren Einbruch von etwa 5 % erwarten Branchenexperten für 2003.

Damit ist für die Techniklieferanten vorerst kein Ende der Krise absehbar. Die Unternehmen hängen am Tropf der Telekomnetzbetreiber und bekommen ihren strikten Sparkurs zu spüren. Konzerne wie die Deutsche Telekom und France Télécom kämpfen mit hohen Schulden und nutzen ihr Geld lieber, um die Verbindlichkeiten zu senken.

Vor allem im Festnetz ist die Nachfrage nach Technik eingebrochen. Und der Tiefpunkt sei in diesem Segment noch nicht erreicht, sagen Analysten von Vontobel. Auch das erhoffte Wachstum im Markt für die neuen UMTS-Mobilfunknetze bleibt vorerst aus: "Und das, obwohl wir überall in Europa erhebliche Kapazitätsengpässe in den existierenden Mobilfunknetzen feststellen", sagt ein ehemaliger Ericsson-Manager, der das Unternehmen jüngst verlassen hat.

Die Netzausrüster trifft das schwer. Ericsson, Schwedens einst größtes Unternehmen, ist tief in die roten Zahlen gerutscht. Bis Ende 2003 will der Konzern die Mitarbeiterzahl auf unter 60 000 reduzieren. Vor zwei Jahren beschäftigte der Konzern 107 000 Menschen. Auch bei der finnischen Nokia hat man in den vergangenen zwei Jahren 7 000 der 60 000 Stellen abgebaut. Am stärksten ist die Netzsparte betroffen, die in diesem Jahr ein Umsatzminus von 20 bis 25 % verbuchen wird.

Die Gründe: Die Netzbetreiber haben ihre Investitionen in UMTS-Infrastruktur nicht nur deutlich gestreckt, auch die Preise sind drastisch gefallen. "Im Vergleich zur bisherigen GSM-Technik ist UMTS extrem billig geworden", sagt Bengt Nordström von der schwedischen Marktforschungsagentur Northstream.

Bei den Ausrüstern will das niemand kommentieren. Aus dem Umfeld der Firmen heißt es aber, dass die Preise für UMTS-Netzkomponenten um bis zu 50 % gefallen seien.

Ericsson und Nokia sind bei der Vergabe von Aufträgen für das neue mobile Multimedianetz die Marktführer, dahinter kommen Siemens und Nortel. Lucent und Motorola liegen weit abgeschlagen. "Tatsächlich gibt es nur drei zuverlässige UMTS-Lieferanten: Ericsson, Nokia und Siemens", schreiben Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein in einer Studie.

Die drei Unternehmen haben nach Ansicht von Experten die besten Chancen, die bevorstehende Konsolidierung zu überleben. Auch Nortel rechnet sich noch Chancen aus. "Es wird künftig nur drei oder vier Mobilfunknetzausrüster geben, wir werden einer davon sein", sagt Debon.

Eine Erholung des Marktes sehen Branchenkenner frühstens ab 2004. Dann werde das UMTS-Geschäft ins Rollen kommen. "Ein Jahr später kommt der richtige kommerzielle Durchbruch von UMTS", erwartet Nordström.

Bis dahin hoffen die Techniklieferanten noch auf eines: "Die Regulierungsauflagen werden die Ausrüster über Wasser halten", sagt Jürgen Beer, Deutschland-Geschäftsführer von Marconi. Denn die Netzbetreiber sind verpflichtet, innerhalb bestimmter Fristen Teilen der Bevölkerung UMTS anzubieten. Doch diese Hoffnung könnte sich als trügerisch erweisen, denn in einigen Ländern haben Mobilfunker bereits das Aufweichen der Auflagen beantragt: So prüft die schwedische Regulierungsbehörde PTS den Antrag von Orange, die den UMTS-Netzaufbau dort um drei Jahre, auf 2006, verschieben will. Ohnehin werde es weitere Verzögerungen bei UMTS geben, sagt Hans Brändström, UMTS-Experte der schwedischen Regulierungsbehörde. Dafür werde unter anderem das Fehlen UMTS-tauglicher Handys sorgen. "Die europäischen Handy-Hersteller werden nicht vor Mitte kommenden Jahres Geräte in größerer Stückzahl auf dem Markt haben", prognostiziert er.

Um ihren Kunden, den Netzbetreibern, das Kostensenken und Sparen so leicht wie möglich zu machen, sind die Techniklieferanten zu immer mehr Zugeständnissen bereit. Ericsson hat beispielsweise in den Niederlanden den Betrieb des Telfort-Mobilfunknetzes übernommen. Ein Projekt, das Schule machen könnte. "Die Mobilfunknetzbetreiber können sich dann ganz auf das Marketing und das Anwerben von Kunden konzentrieren und wir kümmern uns verstärkt um die Netze", sagt Debon.

Quelle: Handelsblatt

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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