Erik Zabels Ziele haben sich etwas verschoben
„Man muss lernen, irgendwann satt zu werden“

Der Seriensieger von einst hat sich mit dem Gedanken vertraut gemacht, dass das Gewinnen nicht mehr gar so leicht fällt. "Man muss lernen, irgendwann mal satt zu werden", sagt Erik Zabel. Der Radprofi ist zwar nach Jan Ullrichs Abgang mittlerweile wieder zum Kapitän im Team Telekom aufgestiegen, doch die Ziele haben sich offensichtlich verschoben: "Für mich ist es nicht mehr primär wichtig, Etappen in Vielzahl zu gewinnen, sondern einen maximalen Anteil an Freude bei meiner Arbeit zu haben", sagte er dem Handelsblatt.

WIESBADEN. Immerhin drei Saisonsiege konnte der Routinier, der seit 1992 als Profi in die Pedale tritt, in der aktuellen Saison bisher einfahren. Nicht schlecht, in guten Jahren jedoch war es zum gleichen Zeitpunkt schon mal bedeutend mehr. So führte er 520 Tage lang die Weltrangliste an, gab sie Anfang des Jahres kurz an den Italiener Paolo Bettini ab und holte sie sich dann wieder. In der eigenen Mannschaft ist der Sprinter ohnehin unumstritten. "Erik ist der Kapitän - nicht bloß für ein, zwei Rennen, sondern für die gesamte Saison. Er soll das Team mit führen", betont Telekom-Teamsprecher Olaf Ludwig.

Da das Team beim Giro d?Italia, der am Sonntag beginnt, nicht startet, wird die Tour de France vom 5. bis 27. Juli wieder der Saisonhöhepunkt für Zabel sein. Fünfmal in Folge erreichte er im Grünen Trikot des Punktbesten das Ziel in Paris, ehe ihm im vergangenen Jahr der Australier Robbie McEwen das begehrte Trikot wegschnappte. Doch auch in dieser Hinsicht übt sich Zabel in Bescheidenheit und nennt einen anderen Sprint-Favoriten: "In der Form des letzten Jahres wird Mario Cipollini der Schnellste sein." Dessen Teilnahme ist aber noch keineswegs gesichert: Sein Team Domina Vacanze-Elitron hofft jedoch auf eine Wild Card für das Großereignis in Frankreich. Abgesehen davon steigt Cipollini bei großen Rundfahrten gerne vorzeitig aus und wird die französische Hauptstadt daher womöglich gar nicht erreichen.

Ganz anders Lance Armstrong. Der Texaner ist auch für Erik Zabel der große Favorit auf den Tour-Gesamtsieg: "Dahinter gibt es zwar einige Fahrer mit dem Potenzial, an seinem Thron zu rütteln. Aber wahrscheinlich wird es für sie wohl nur darum gehen, wenig Fehler im Kampf um Platz zwei zu machen." Zabel hätte natürlich nichts dagegen, wenn er und der US-Amerikaner beim Finale in Paris mal wieder das gelb-grüne Duo bilden würden.

Unterdessen verfolgt der 31-Jährige die finanziellen Schwierigkeiten einiger Profiteams, insbesondere beim Essener Rennstall Coast, mit Gelassenheit. "Das ist genau wie bei großen Firmen oder Fußballvereinen: Auch dort gibt es schon mal solche Probleme." Er selbst sei beim Team Telekom davon nie betroffen gewesen, der diesjährige Etat für die Telekom-Profis liegt bei etwa zehn Millionen Euro. Strengere wirtschaftliche Kontrollen des Weltverbandes begrüßt Zabel ausdrücklich: "Die großen Teams, bei denen über Jahre seriös gearbeitet wurde, können solche Kontrollen gelassen entgegensehen. Für die Zukunft gerade junger Fahrer sind Überprüfungen ohnehin gut, da diese ihre Verträge dann mit mehr Sicherheit unterschreiben können."

Weniger einverstanden ist er mit der Helmpflicht, die einige Wochen nach dem Unfalltod seines Profikollegen Andrej Kivilev beschlossen wurde: "Von einer Pflicht halte ich eigentlich wenig", sagt der gebürtige Berliner. "Jeder Fahrer sollte für sich selber klären, inwieweit er sich dem Risiko aussetzt, ohne Helm zu fahren." Zwar bestritt Zabel etwa 95 Prozent seiner Rennen mit Helm, aber es gab eben auch Ausnahmen.

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