Erkennungsdienstliche Erfassung erneut verschoben
Gericht prüft Antrag auf Einstellung von Verfahren gegen Pinochet

Ein chilenisches Berufungsgericht prüft seit Montag einen Antrag der Verteidiger von Ex-Diktator Augusto Pinochet auf Einstellung des Verfahrens gegen ihren Mandanten. Vor dem Gericht demonstrierten Dutzende Pinochet-Gegner für eine Bestrafung des früheren Gewaltherrschers.

afp SANTIAGO DE CHILE. Pinochet ist im Zusammenhang mit der Entführung oder Ermordung von 75 politischen Gegnern durch die so genannte Karawane des Todes angeklagt. Das Sondereinsatzkommando verübte die Verbrechen im Oktober 1973, einen Monat nach Pinochets Militärputsch gegen den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende. Die Verteidigung begründet ihre Forderung nach Einstellung des Verfahrens mit dem schlechten Gesundheitszustand des 85-jährigen Pinochet. Mit der Entscheidung des Berufungsgerichts wurde nicht vor kommenden Dienstag gerechnet.

Untersuchungsrichter Juan Guzmán Tapia ordnete unterdessen erneut eine Verschiebung der erkennungsdienstlichen Erfassung von Pinochet an. Er folgte damit einem Antrag von Pinochets Anwälten. Sie hatten ihren Antrag auf Vertagung der erkennungsdienstlichen Erfassung, für die Guzmán ursprünglich eine Frist bis Sonntag um Mitternacht gesetzt hatte, mit der Verschlechterung von Pinochets Gesundheitszustand begründet. Die Anwälte des Ex-Diktators haben bereits mehrfach erfolgreich verhindert, dass Pinochet von vorn und von der Seite fotografiert wird und ihm die Fingerabdrücke abgenommen werden. Die Klägerseite hatte gefordert, gegen Pinochet Hausarrest zu verhängen, falls er sich der erkennungsdienstlichen Erfassung nicht bis zu der gesetzten Frist unterziehen sollte.

Pinochet stand bereits zwischen dem 31. Januar und dem 14. März in seiner Residenz "Los Boldos" in Bucalemu unter Hausarrest. Die Maßnahme wurde jedoch wieder aufgehoben, nachdem das Berufungsgericht in Santiago die Klage gegen Pinochet abgemildert hatte. Statt der "geistigen Urheberschaft" für die Verbrechen der "Todeskarawane" ist er nunmehr der "Komplizenschaft" angeklagt. Gegen Pinochet sind in Chile insgesamt mehr als 250 Klagen anhängig. Unter der Pinochet-Herrschaft (1973 bis 1990) wurden amtlichen Angaben zufolge mehr als 3 000 Menschen getötet oder verschwanden spurlos.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%