Erklärungsfrist läuft am 28. Oktober aus
Gigabell-Übernahme vor der Entscheidung

Der vorläufige Insolvenzverwalter der Gigabell AG rechnet noch für diese Woche mit einer Entscheidung über die Mehrheitsübernahme des Unternehmens durch die finnische Saunalahti. Mittlerweile interessiert sich auch die Staatsanwaltschaft für die Gigabell-Pleite.

rtr/dpa FRANKFURT. Der vorläufige Insolvenzverwalter der Gigabell AG, Dirk Pfeil, rechnet noch für diese Woche mit einer Entscheidung über die Mehrheitsübernahme des Unternehmens durch die finnische Saunalahti. Wie Pfeil am Montag in Frankfurt auf einer Pressekonferenz weiter sagte, ist er "gedämpft optimistisch", dass diese Transaktion stattfinden werde. Außerdem werde er sein Gutachten bis Ende des Monats bei Gericht einreichen. Er rechne damit, dass Anfang November ein Planverfahren nach dem Insolvenzrecht eingeleitet werde. Die Masse reiche dazu aus. Pfeil zeigte sich zudem optimistisch, dass dies eine Weiterführung des am Neuen Markt gelisteten Unternehmens ermöglichen werde. Die Verbindlichkeiten des Unternehmens bezifferte er auf rund 50 Mill. DM.

Das Telekommunikationsunternehmen Gigabell hatte am 15. September die Einleitung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Ende September hatte sich dann der finnische Internet-Zugangsanbieter Saunalahti nach eigenen Angaben bereit erklärt, 56 % des Unternehmens zu erwerben.

Pfeil sagte, der Vorstand von Saunalahti halte sich derzeit in Deutschland auf, und er habe bei Einberufung der Pressekonferenz gedacht, bereits eine Entscheidung verkünden zu können. Die Erklärungsfrist für die Finnen laufe am 28. Oktober aus. Sollte Saunalahti einem Kauf der Gigabell-Anteile zustimmen, sei er optimistisch, dass die Gläubiger einem Vergleich zustimmen werden. Seine Forderung an die Finnen sei, dass diese neben dem Kaufpreis noch wenigsten 10 Mill. DM zur Abfindung der Gläubiger aufwenden müssten. Außerdem müsse der laufende Betrieb gesichert werden und es stünden Schadensersatzansprüche aus zu kündigenden Verträgen ins Haus.

Unklare Vermögenslage

Pfeil bestätigte, dass der Kaufvertrag mit Saunalahti einen Kaufpreis für Gigabell vorsehe. Der Vertrag beinhalte jedoch die Bedingung, dass die Verbindlichkeiten des Unternehmen sowie seine vertragliche Situation klar dargelegt würden. Dies sei jedoch nicht einfach, da er den Eindruck gewonnen habe, dass nicht alle Verträge über die Rechtsabteilung gelaufen seien. "Man weiß nicht, wieviele Verträge noch hochkommen." Auch sei die Vermögenslage des Unternehmens sowie der Mitarbeiterstand nicht genau bezifferbar. Seiner Kenntnis nach habe der Ende vergangener Woche ausgeschiedene Vorstandschef Daniel David Unterlagen mitgenommen. Ob aus diesen Unterlagen weitergehende Erkenntnisse zu gewinnen seien, wisse er allerdings nicht. David sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters, er habe keine Unterlagen mitgenommen, die der Firma gehörten. Es habe sich lediglich um eigene Unterlagen gehandelt. David sagte zudem, alle Verträge seien über die Rechtsabteilung gelaufen.

Pfeil sagte, es sei nun wichtig, die Mitarbeiter bei der Stange zu halten und den laufenden Betrieb zu gewährleisten. So seien die Gehaltszahlungen vorerst gesichert und wichtige Verträge geklärt worden. Er habe unter Fürsprache des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch erreicht, dass die Deutsche Telekom trotz der Verbindlichkeiten von rund zehn Millionen DM die Leitungen nicht abgestellt habe. "Wir sind voll im Geschäft und bedienen 130 000 Kunden", sagte er. Schließlich handele es sich bei dem Markt, in dem Gigabell tätig sei, um einen Wachstumsmarkt.

Die Aktie von Gigabell notierte am Montagabend über 16,93 % im Minus bei 7,85 Euro. Zur Eröffnung am Morgen hatten die Papiere noch 7,85 Euro gekostet. Nach einem Jahreshoch am 8. März von 131 Euro war das Papier bis zum 28. September auf 3,10 Euro eingebrochen.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Insolvenzverschleppung

Die Staatsanwaltschaft recherchiert derweil nach Angaben Pfeils wegen möglicher Insolvenzverschleppung und des Verdachts auf Insidergeschäfte. Heftige Kritik äußerte der Insolvenzverwalter an dem mittlerweile zurückgetretenen Vorstandschef Daniel David. Dieser habe sich offenbar vor allem darum gekümmert, seine Aktien Gewinn bringend zu verkaufen.

Daniel hat nach Pfeils Bericht in der Gigabell-Zentrale ein Chaos hinterlassen. Akten seien möglicherweise verschwunden. Völlig unklar sei daher die Zahl der Mitarbeiter und die aktuelle Geschäftslage. Pfeil schätzt die Zahl auf 200 Beschäftigte, die im Oktober noch mit ihrem Gehalt rechnen könnten.

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