Erlanger Firma plant Anlagen in Jordanien und Spanien
Neue Kraftwerke machen Sonnenstrom attraktiv

Im kommenden Jahr will die Solar Millennium AG mit dem Bau eines solarthermischen Großkraftwerks in Jordanien beginnen. Die Bayern nutzen dabei ihre Parabolrinnen- Technologie, die sich in den USA seit Jahren bewährt hat.

MÜNCHEN. Forscher der Solar Millennium AG haben die Parabolrinnen- Technologie weiterentwickelt, mit der indirekt Energie aus Sonnenstrahlen gewonnen werden kann. Das Prinzip gleicht fossilen Kraftwerken. Allerdings werden die Strom produzierenden Turbinen nicht durch die Verbrennung von Öl oder Gas angetrieben, sondern durch Sonnenenergie.

Die Strahlen werden in vielen parallel angeordneten Reihen von Kollektoren gefangen. Diese Parabol-Spiegel nehmen die Wärmeenergie der Sonne auf und konzentrieren sie 80fach auf ein Absorberrohr. In diesem Rohr zirkuliert eine temperaturbeständige synthetische Flüssigkeit, die auf 400 Grad aufheizt. Wärmetauscher wandeln die Flüssigkeit in Dampf um, der Turbinen antreibt.

Das größte solarthermische Kraftwerk der Welt

In dreieinhalb Jahren wurden mehr als 13 Mill. Euro ausgegeben, um die Technologie zur Marktreife zu entwickeln. Jetzt wollen die Erlanger mit ihrer Technik Geld verdienen. Im kommenden Jahr sollen die Bauarbeiten für das größte solarthermische Kraftwerk der Welt starten. Wenn die jordanische Regierung, wie erwartet, den Auftrag erteilt, wird 2005 der erste Strom des 130-Megawatt-Kraftwerks fließen.

"Dies wäre ein Meilenstein in der energiepolitischen Zukunft des Mittleren Ostens", zeigt sich Solar-Chef Jörg Meier zuversichtlich. In den USA arbeitet seit 15 Jahren ein Kraftwerk nach einem ähnlichen Prinzip. Die Firma, die ursprünglich die Anlage erbaute, hat allerdings in den Wirren des liberalisierten US-Strommarkts nicht überlebt. So sieht sich Solar Millennium heute als weltweit einziges Unternehmen, das die Technologie im großen Maßstab optimiert hat.

"Kaum wartungsbedürftig"

Das Unternehmen hat die einzelnen Bestandteile der Konstruktion zu Serienkomponenten geformt. Die neue Anlage enthält weniger hydraulische Teile und "sei so kaum wartungsbedürftig", hebt Meier die Vorteile der Neuentwicklung hervor. Die Parabolrinnen seien zudem auch bei Wind wesentlich stabiler und hätten deshalb weniger Strahlungsverluste als vergleichbare Kraftwerke in den USA. "Dies ist die effizienteste und kostengünstigste großtechnisch erprobte Technologie, mit der Sonnenenergie in Strom umgewandelt werden kann", ist Meier von seiner Entwicklung überzeugt. Robert Pitz-Paal, der mit seiner Abteilung Solarthermie im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zum gleichen Thema forscht, hält die Technologie für ausgereift: "Dies ist ein vernünftiger Ansatz. Die Chancen für die Realisierung stehen momentan so gut wie lange nicht mehr."

Das Solarfeld in Jordanien wird 200 Mill. $ kosten und sich auf einer Fläche von 100 Fußball-Feldern ausdehnen. Wenn alles klappt, versorgt das Kraftwerk 80 000 Haushalte. Darüber hinaus rechnet sich Solar Millennium auch gute Chancen auf einen Auftrag aus Spanien aus. "Bei einem Preis von 29 Dollar je Barrel Öl sind wir wettbewerbsfähig", betont Meier. Ist das Öl billiger, würden konventionelle Kraftwerke günstiger arbeiten.

Erlanger wollen auch Aufwindkraftwerke bauen

Meier müsste also auf das ökologische Gewissen der Politiker setzten, die ihm einen höheren Abnahmepreis garantieren, als er am Markt zu erzielen wäre. Genau dies wird in Spanien mit einem Einspeisegesetz beabsichtigt. Für den Experten Pitz-Paal ist daher die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auf der iberischen Halbinsel ein solches Kraftwerk gebaut wird: "Die Bereitschaft von Investoren und Banken ist groß."

Das Erlanger Unternehmen arbeitet freilich nicht nur mit der Parabolrinnen-Technologie. So schnell wie möglich wollen sie im Sonnengürtel der Erde auch Aufwindkraftwerke bauen. Dabei werden große Flächen mit einem Glasdach überzogen. In der Mitte der kilometerlangen Dächer ist eine kaminähnliche Röhre aufgesetzt. Da warme Luft ein geringeres Gewicht hat als kalte Luft, strömt die Luft durch den Kamin nach oben und treibt Turbinen an, die Strom liefern. Ein Prototyp mit einem 200 Meter hohen Kraftwerksturm war in Spanien bereits neun Jahre in Betrieb. Künftig sollen die Kamine bis zu 1 000 Meter hoch sein.

Um die großen Aufgaben in Angriff nehmen zu können, sucht Meier derzeit nach Investoren. 30 Mill. Euro will der Manager vor allem bei Industriepartnern einsammeln. Mit dem frischen Geld will er u.a. neue Wärmeträger für die Parabolrinnen entwickeln, die bis zu 1 000 Grad heiß werden können.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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