Erlass umstritten
Streit um Steuern für Schiffsfonds hält an

Gegen den umstrittenen Nebenkostenerlass könnte demnächst ein Musterverfahren eröffnet werden.

rrl DÜSSELDORF. Zurzeit ist noch unklar, ob eine verlängerte Übergangsregelung für den Nebenkostenerlass kommt. So betonte Hans-Jürgen Weiland von der Hamburger Finanzbehörde auf dem 6. Hansa-Forum zu Schiffsfinanzierungen nur: "Es gibt eine echte Willensbekundung der Finanzverwaltung, die Frist zu verlängern."

Die Frage ist für Schiffsfondsanleger wie-anbieter von Bedeutung. Fällt ein Fonds unter die Übergangsregelung, so gilt der überwiegende Teil der Nebenkosten, z.B. der Vertriebskosten, als sofort abzugsfähige Betriebsausgabe. Das hält die anfänglichen Verluste für den Anleger hoch. Je höher der Anfangsverlust, desto geringer ist die Steuervoraus- oder-nachzahlung des Anlegers - oder desto höher fällt seine Steuerrückerstattung aus.

Ein Erlass aus dem Oktober 2001, der nach Ansicht der Finanzverwaltung auch für Schiffsfonds gilt, sieht dagegen vor, dass die Nebenkosten zu aktivieren sind. Das bedeutet: Sie sind wie das Schiff abzuschreiben, was niedrigere Anfangsverluste und somit geringere Steuervorteile bedeutet. Nach diesem Erlass würden Anleger begünstigt, die sich vor Jahresende 2002 an einem Fonds beteiligen, mit dessen Vertrieb noch im Jahr 2001 begonnen wurde. Der Entwurf eines ergänzenden Erlasses, der unter anderem präzisieren sollte, dass auch Medienfonds von der Aktivierungspflicht der Nebenkosten betroffen sind, enthielt eine Übergangsregelung; diese würde einen steuerunschädlichen Beitritt bis Jahresende 2003 ermöglichen, wenn mit dem Vertrieb vor dem 1.9.02 begonnen wurde (Handelsblatt v. 21.11.02). Diese Fristverlängerung, die möglicherweise separat erlassen wird, würde einem breiteren Anlegerkreis die alten Steuervorteile sichern. Weiland deutete an, dass über den separaten Erlass noch in dieser Woche eine Entscheidung fallen könnte.

Ganz unabhängig von der Übergangsregelung sind die Schiffsfondsanbieter der Auffassung, dass bereits der im Oktober ergangene Erlass, der auf Entscheidungen des Bundesfinanzhofs (BFH) zu Immobilienfonds beruht, nicht auf Schiffsfonds anzuwenden ist. Die Initiatoren werden dabei unterstützt durch ein Gutachten des Hamburger Professors Carl-Christian Freidank.

Basierend auf diesem Gutachten strebt der Wirtschaftsprüfer Heino Bartholl von der TPW Todt & Partner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Hamburg, ein Musterverfahren an. Er sucht einen Initiatoren-Partner für einen Fonds, der von Anfang an die Aktivierungspflicht für die Nebenkosten verneint, freilich nicht ohne die Anleger ausdrücklich auf das Steuerrisiko hinzuweisen. Auf eine dann für den Anleger vermutlich negative Steuerveranlagung soll die Fondsgesellschaft mit einem Einspruch reagieren. Dem folgenden abschlägigen Bescheid des Finanzamtes soll ein Antrag auf Aussetzung der Vollziehung bis zur Klärung vor den Finanzgerichten folgen. Den Effekt für den Anleger beschreibt Bartholl so: Falls er Steuern nachzahlen müsse, bleiben ihm die Verluste bis zur endgültigen Entscheidung erhalten. Allerdings erfolge keine Rückerstattung bei jenen, denen Lohnsteuer vom Gehalt abgezogen worden sei. Bartholl ist sicher: "Das geht bis vor den Bundesfinanzhof."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%